Hier möchte ich Fotoexperimente aus den Bergen sammeln. Es ist ein Portfolio mit meinen Erfahrungen beim Versuch, nur mit einfachsten Mitteln analog zu fotografieren.
Kommt mit auf eine Reise in die Dolomiten und entdeckt den Look verschiedener Filme und den Zauber von Caffenol, einem selbstgemischten Entwickler auf Kaffeebasis.
Die Reise beginnt: Vorbereitung und Ausrüstung.
Mit vollem Rucksack bin ich im Sommer in die Berge gefahren. Im Gepäck hatte ich jedoch nicht nur alle meine Lieblingskameras, sondern auch Wechselsack, Caffenol, Fixierer und Entwicklungsdöschen.
Ewig zu warten, bis man seine Ausbeute begutachten kann, erschien mir keine gute Lösung. Deswegen ist sogar ein Reise-Scanner mit dabei. So habe ich ein kleines, aber komplettes Berglabor und kann ungestört arbeiten, Fotos machen und die Filme direkt entwickeln und die Ergebnisse anschauen.
Experimente mit verschiedenen Filmtypen: Von Klassikern bis zu Exoten.
Mir macht es sehr viel Spaß, neue Filme auszuprobieren. Dabei recherchiere ich vorher den Stil eines Films und versuche passende Themen und Motive zu finden. Manche Filme schillern in silberigem Glanz und erinnern an alte Kinolegenden, manche sehen besonders düstrer aus…
Caffenol: Ein selbstgemischter Entwickler auf Kaffeebasis.
Mein Caffenol-Rezept ist inzwischen ausgiebig erprobt und funktioniert eigentlich mit allen Filmen.
Caffenol-C-L
300 ml Wasser
5 g. Wasch-Soda
3 g. Vitamin C
12 g. Löslicher Kaffee
1 Meßlöffel (< 0,5 g.) Kaliumbromid
300 ml passen genau in eine kleine Jobo Filmentwicklungsdose. 70 Minuten Entwicklungszeit sind ein guter Richtwert bei 20 Grad. Die ersten 10 Minuten hin und wieder bewegen und vorsichtig schütteln. Anschließend kann man den Film 60 Minuten einfach nur stehen lassen.
Der Vorteil dieser Semi-Stand Entwicklung ist, dass sich das Caffenol anfangs gleichmäßig verteilt, danach wirkt der Entwickler aber ausgleichend. Ich habe das Gefühl, dass sich der Film nimmt, was er braucht. Caffenol C-L ist außerdem durch das wenige Soda nicht so stark und mit der langen Zeit von 70 Minuten ist es ein gutmütiges Entwickeln, welches manche Fehler verzeiht.
Ergebnisse aus dem Berglabor:
Der ORWO DN21 ist einer meiner Lieblingsfilme. Er ist sehr fein und perfekt für die Landschaftsfotografie geeignet. Weil er nur 16 ISO hat, kann man auch bei helllichtem Tage mit weit geöffneter Blende fotografieren und das Jupiter 9 Objektiv kann mit ihm seinen ganzen Charme entfalten.
Hier eine Auswahl mit dem ORWO DN21. Die Bilder wirken fein, scharf, hell, freundlich und besonders auch in den Mitten differenziert. Es ist ein fabelhafter Film für sonnige Ferientage mit einem lichtstarken Objektiv.
Die Ergebnisse des ORWO DN21 wirkten so exquisit, dass ich sie zuhause mit einem guten Scanner nochmal eingelesen habe um genauer hinzuschauen. Tatsächlich ist er so superfein, dass man kaum noch Korn erkennen kann und selbst an weniger dichten Stellen findet sich noch eine erstaunliche Tiefe mit Bildinformationen.
Der ORWO TC27 ist eigentlich ein Verkehrsüberwachungsfilm mit Potenzial im Infrarot Bereich. Er hat zwar feines, aber doch deutliches Korn und ist 400 ISO schnell. Auf mich wirkt er teilweise etwas gräulich, wenn nicht sogar melancholisch und erinnert z.B. an eine Vorort-Reportage, an Pommes und Dosenbier mit wenig Glamour… Stimmungsmäßig eher wie ein Verwaltungsakt, wie ein Blitzerfoto oder wie eine Dokumentation aus alten, vergangenen Tagen.
Über den beinahe frugalen Look des ORWO TC27 habe ich mich sehr gefreut. Ein so schillerndes Bokeh, wie ich es bei den filigranen Gräsern am Bachlauf gemacht habe, hätte mit jedem anderen Film kitschig werden können. Hier wirkt es aber erstaunlich unprätentiös. Die Einsamkeit und leicht wehmütig anklingende Abendstille eines entlegenen Bergdorfs passt auch gut zu diesem Film, finde ich.
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