Bon(n) Expérimental – Fotos aus Bonn

In this collection with galleries I would like to collect analogous photographic experiments and interesting photos that I made in the city of Bonn. The whole thing is pepped up with further observations and thoughts about experiments.  

In diesem Beitrag möchte ich analoge fotografische Experimente und interessante Fotos aus Bonn sammeln. Gespickt wird das Ganze dazu nach und nach mit weiterführenden Beobachtungen und Gedanken.

Was ist ein gutes Foto? Was macht es interessant?

Technische Leistungen sind auf jeden Fall interessant. Nach ausgeklügeltem Plan, vorab erprobt und schließlich von erfahrener Hand exakt ausgeführt…
Handwerkliches Geschick und wiederholbare Ergebnisse machen viel vom Wert einer fotografischen Arbeit aus.

Wo es gemacht wurde ist ebenfalls sehr wichtig. New York ist cooler als Bonn. Fotos von einer langen, exotischen Reise sind oft interessant und machen Spaß anzuschauen.

Wer es gemacht hat ist wie bei jedem Kunstwerk wichtig.
Fotos von Meistern und Pionieren wie Josef Sudek, Henri Cartier-Bresson oder Robert Frank sind per se Kostbarkeiten.
Schluss­end­lich kann auch die Kamera dem Foto einen gewissen Wert geben. Es gibt legendäre und berühmte Kameras, echte Klassiker.
Fotos einer Leica M oder einer Hasselblad 500er Kamera schauen wir allein deshalb ehrfürchtig an, weil sie mechanische, technische Wunderwerke und ziemlich teuer sind.

Meine Fotos in den hier folgenden Serien erfüllen nicht eines dieser Kriterien.

Technisch sind sie keinesfalls brillant: Meine Filme sind meistens nicht perfekt belichtet und einfach bei Raumtemperatur nach Bauchgefühl entwickelt.

Fotos aus New York habe ich zwar auch, für diesen Beitrag sammele ich jedoch nur fotografische Eindrücke im Radius meiner täglichen Fahrradrunden, aus Bonn.

Ich bin keine Legende im Olymp der weltberühmten Fotografen und meine Zorki sieht zwar tatsächlich ein bisschen wie eine Leica aus, hat aber nur zwanzig Euro gekostet.

„Das Unwichtigste bei der Aufnahme einer guten Rock ’n’ Roll-Platte ist die technische Ausstattung deines Studios“ – Keith Richards, Rolling Stones

Der Begriff Fotografie meint wörtlich „zeichnen mit Licht“.
Analoge Fotografie ist für mich ein bisschen wie Malerei: Das Bild ist aus einem Guss und hat in sich eine besondere Ganzheit, wie man sie auch in geglückten malerischen Arbeiten findet.
Wie in meinen gemalten Bildern, versuche ich auch meine Fotos einem Prozess auszusetzen. Die Spuren der Interventionen, verschiedene Einflüsse und materialimmanente Eigenheiten sind schließlich mit im fertigen Bild und machen es, wenn alles gut läuft, zu einem interessanten, authentischen und ein Stück weit wahreren Werk.

Der erste Film mit meiner mittlerweile heißgeliebten Zorki 4K Sucherkamera. Gleichzeitig auch mein erster selbst entwickelter Film.
Nach langem Kampf beim Einspulen im Wechselsack ist alles sehr stark zerkratzt. Außerdem hatte der Vorhang der Kamera ein riesiges Lichtleck, was ich erst anschließend mit Latex geflickt habe: 

Man kann seine fotografische Abenteuerlust auch ausleben, ohne weit weg zu fahren.

Spannend finde ich zum Beispiel, wenn man die Technik ins Extreme treibt: Was passiert bei winziger Blendenöffnung und langen Belichtungen, obwohl es von der Licht-Situation her auch moderat gemäßigt ginge?
Wie sehen vor Jahren abgelaufene Filme aus?
Was kitzle ich noch aus altem Entwickler und ausgelutschter Chemie?
Was passiert, wenn man seinen Film vor dem Entwickeln noch ein bisschen in der Mikrowelle brutzelt?

Mit Grüngelbfilter im Auenland: Ein Sommertag in der Siegaue: 

Die Experimente sind für mich kein Selbstzweck. Trotz all den Abenteuern steht dahinter dennoch immer der Wunsch ein geglücktes Bild zu schaffen. Ich suche neue interessante Bilder und möchte mit diesen Experimenten etwas Schönes, Ungewohntes und Neues entdecken.

„Nur ein Narr macht keine Experimente“ – Charles Darwin

Die meisten Aufnahmen sind mit meiner alten russischen Zorki 4K Kamera entstanden. Ich habe zwei Objektive: Ein Industar 50mm und ein Jupiter 35mm, welches ich besonders schätze.
Als Zweitkamera habe ich eine kleine Rollei 35, welche immer mit dabei ist, die ich aber dennoch nicht so besonders mag.

Selfies meiner Kameras. Die Zorki hat einen Selbstauslöser: 

Fotos fangen den Moment ein. Fotos geben aber nie die Wirklichkeit wieder, weil sie immer anders als die Wirklichkeit sind. Auch wenn scheinbar alles richtig gemacht wird, ist ein Foto dennoch immer eine Abstraktion. Deshalb wird es für mich auch gerade da interessant, wo das Foto seine Grenzen erreicht, wo es im technischen Experiment ein eigenes Bild schafft.
„Falsche“ Belichtungen, sehr empfindliche Filme, Kratzer und Spuren der Wechselwirkung mit dem Medium schaffen eine eigene Foto-Realität, die ich mit diesen Bildern hier suche.

Im Atelier, unterwegs mit dem Rad und auf dem Frankenbadplatz mit einem ziemlich hart entwickelten Adox HR-50 Film: 

Bei der analogen Fotografie gibt es mindestens drei Variablen, die das Foto extrem verändern können.

  1. Die Belichtung in der Kamera. Film, Blende und Zeit.
  2. Die Entwicklung des Films. Verdünnung der Chemie, Zeiten und Temperatur.
  3. Die Abzüge in der Dunkelkammer bzw. die Digitalisierung der Fotos.

Wenn man „hybrid“ arbeitet, werden die Fotos digitalisiert. Das ist heutzutage sinnvoll, weil man die Fotos ja in irgendeiner Form mitteilen möchte und über das Internet erreicht man nun mal sehr viele Menschen.

Wer seine Fotos am Computer bearbeiten würde, hätte schließlich noch eine vierte Variable und die Möglichkeit dabei fast alles zu verändern.

Viele Scanner haben eine automatische, eingebaute Farbkorrektur. Auch wenn man seine Negative in den Fotoladen bringt, sehen die Abzüge je nach Laden teilweise sehr unterschiedlich aus.
Hier habe ich im Epson-Scanner die Farbkorrektur ein- und ausgeschaltet: 

Aber wie ist denn nun das ehrliche, echte Bild? Was ist das Original?

Wir wollen Kunst am liebsten pur, rein und unverfälscht. Kein Zucker im Wein, kein Glutamat im Essen und kein Filter im Foto. Die Frage ist nur: Wo fängt das an und wo hört es auf? Allein im Spiel zwischen den drei oben genannten Hardware-Variablen kann ich sehr weit gehen.

Mit einem 2011 abgelaufenen Paradies-Film von dm bin ich den „Weg der Demokratie“ in Bonn gegangen.
In einem zweiten Schritt habe ich anschließend den Film mit Deutschlandflaggen, Symbolen und Deutschlandkarten kurz und unscharf doppelbelichtet. So haben manche Fotos einen gewissen Instagram-Vintage-Look bzw. als hätte eine App ihren Retro-Filter darüber gelegt. 

Hardware-Experimente haben im Gegensatz zu Software-Manipulationen den Vorteil, das sie überraschender sind. Speziell im direkten Spiel mit dem unmittelbaren Material entstehen oft Qualitäten, die überraschen. So können Ergebnisse passieren, die anders sind als man es sich vorher gedacht hat und die im Idealfall weit über das hinausgehen, was man erwartete.

„Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“ – Hermann Hesse

Ein Fotofilm ist z.B. unglaublich viel dynamischer, als man es digital in einem Foto ausdrücken kann. Selbst im schwarzen Schatten schlummern noch Formen – wenn man heller scannt. Im strahlend weißen Himmel dagegen sind bei dunklerer Belichtung plötzlich Wolken und Vögel.

Auf unserer Vernissage im Kult41 habe ich mit einem Ilford Delta 400 Film einfach normal aus der Hand fotografiert und den sehr unterbelichteten Film anschließend länger entwickelt, also „gepusht“.
In diesem Fall erkennt man trotzdem nicht viel mehr als ein paar Bilder an der Wand, den Hund und das letzte Glas Prosecco: 

Der Zufall ist ein fantastischer künstlerischer Assistent, aber kein Meister. Nach jeder Experimentier-Session ist es eine kuratorische Leistung aus allem was sich ergeben hat auszuwählen. Dafür braucht es ästhetische Maßstäbe, man muss filtern und gelungene und mißglückte Bilder trennen bzw. zusammenstellen. Das Zufallsprinzip ist eine Möglichkeit den kreativen Prozess zu unterstützen.

Manche sagen, dem Zufall läge etwas inne, was die Dinge lebendig macht. Kunst kann durch Zufälle mit Leben gefüllt werden… So weit würde ich wiederum nicht gehen. Der Zufall ist vielmehr nur ein „befreiendes Verfahren“ (Max Ernst). Allein durch den Zufall gelenkt bleibt das Ergebnis dekorativ und ohne Tiefe, wie z.B. Murmelbilder und die sogenannte Klecksographie. Was nutzen Experimente, wenn man nichts zu sagen hat?

Crossentwicklung heißt, dass man die Chemikalien ‚vertauscht‘. So wird also ein Farbnegativfilm umkehrentwickelt (meistens im E-6 Prozess) bzw. ein Farbpositivfilm wie ein Farbnegativfilm entwickelt (meistens im C-41 Prozess).

Bei meiner letzten Bestellung bekam ich kostenlos einen abgelaufenen Fuji Provia 100 F Diafilm beigelegt. Mit alter abgelaufener C-41 Chemie habe ich diesen cross-entwickelt.
Weil die Chemie schon sehr viele Filme entwickelt hat, habe ich mir die Entwicklungszeit eher schlecht als recht ausgedacht und 5 Minuten bei 38 Grad versucht. 

Frisch aus dem Entwicklerdöschen schimmert der ganze Film sehr stark bläulich. Im Reflecta Scanner sehen die Fotos fast sepia aus während sie mit Farbkorrektur im Epson Scanner grünlich wirken. 

 

Auf Pützchens Markt habe ich mich sehr gefreut. Extra für die Kirmes hatte ich einen Fuji Superia Venus 800 Film besorgt.
Direkt im Anschluss, nachts, wollte ich ihn dann auch gleich entwickeln, habe aber leider die C-41 Chemie zu heiß gemacht. So sind die Negative sehr dunkel geworden. Wo der Epson-Scanner anschließend gescheitert ist, lieferte der Reflecta-Scanner diese Bilder:

Erste Experimentelle Plattitüde:
Um sich zu entscheiden, wählt man meist zwischen verschiedenen Alternativen. Für Entscheidungen unter Ungewissheit gibt es verschiedene Regeln und auch subjektive Parameter, die einem Entscheidungsträger helfen können. Aber die Zukunft ist noch nicht bekannt und vielleicht ist auch die beste Alternative noch gar nicht bekannt – dann wäre die beste Entscheidung gar keine Wahl zwischen den erkannten und verstandenen Angeboten… Es kann sein, dass die beste Entscheidung im Moment keine Entscheidung ist. Gleichzeitig wissen wir aber, dass es nur vorangeht, wenn wir etwas tun. Und dafür müssen wir uns entscheiden. Ein echtes Dilemma!
Helfen kann hier aber das Experiment. Indem man sich das Ergebnis offen hält, kann etwas getan werden, ohne jetzt Entscheidungen fällen zu müssen. 

In der sehr feinen Bonner Südstadt habe ich versucht einmal alles ganz korrekt zu machen. Hier habe ich einen Fuji Neopan Acros 100 Film genommen, mit Hand-Belichtungsmesser ordentlich belichtet und exakt entwickelt.
Es war der erste Film mit meinem neuen Jupiter-12 35mm Objektiv und ich wollte wissen, was es kann. 

Zweite Experimentelle Plattitüde:
Die Mehrdeutigkeit und Ambivalenz mancher Kunstwerke fördert das freie Denken. Dialektische Prozesse sind meist gewinnbringend. Alternativen, neue Wege, andere Lösungen, Utopien: Kunst kann ein Podium für den Fortschritt bieten und Kunst ist der Ort, um die Zukunft durchzuspielen. Dabei ist das Experiment Mittel der Wahl, wenn es darum geht ergebnisoffen zu arbeiten.  
Experimente sind eine nachhaltige Arbeitsweise, weil man mit allem arbeiten kann, was sich ergibt. Adaption to changes… Durch die Verneinung der gewohnten Formen finden sich neue Lösungen. 

Eine sonnige Radtour am Rhein, von Bonn bis Rolandseck.
Für die Belichtung dieses Rollei RPX 100 Films habe ich versucht immer nur extreme Blenden-Öffnungen zu wählen und dafür richtig lang zu belichten. Anschließend wurde in altem, ziemlich ausgelutschtem aber sommerlich warmem Entwickler entwickelt. 

Am folgenden Tag habe ich den alten Entwickler zum Wertstoffhof gebracht.
Hier sind nun Fotos einer kleinen Tour durch Bonn, allerdings nun immer mit ganz weit geöffneter Blende und folglich oft ziemlich heftig überbelichtet.
Es ist der gleiche Film wie am Vortag, ein Rollei RPX 100. Mit frisch angerührter, neuer Chemie entwickelt.

Auch vor einem Experiment wird geplant, dabei wird aber eine gewisse Offenheit des Ergebnisses bewahrt. Übertragen könnte man sagen, dass das experimentelle Arbeiten die ökonomischen Minmal- und Maximalprinzipien aushebelt.
Aus einer experimentellen Arbeit kann viel mehr entstehen, als man sich vorher gedacht hat und als erwartet wurde. Mit etwas Fürsorge und mit ein bisschen technischem Einfühlungsvermögen können die meisten Ergebnisse weiterverwendet werden.

Durch digitale Verarbeitung kann man auch aus sehr unglücklichen Aufnahmen noch etwas rausholen und selbst der allerletzte Teststreifen oder ein missglückter Handabzug taugt zumindest vielleicht noch für eine Collage oder als Lesezeichen (Maximalprinzip).
Gleichzeitig wird man durch das Experiment auf jeden Fall ein Ergebnis erzielen und bei einer Auswahl von sagen wir mal 36 Fotos ist mit Sicherheit eines dabei, was der ursprünglichen Intention nahekommt und das gewünschte Ziel erreicht (Minimalprinzip).

Entwickler und Fixierer sind sehr fein ausbalancierte Chemikalien. Wenn man seinen eigenen C-41 Entwickler zusammen kippt, besteht so ein Liter Chemie aus mehreren Komponenten Konzentrat. Ganz bestimmt hat es auch einen Sinn, dass man die einzelnen Komponenten erst so spät miteinander vermengt… Schließlich ist der Farbnegativ-Entwicklungsprozess standardisiert und nicht so dynamisch steuerbar wie der Prozess der Entwicklung von Schwarzweißfilmen.

Diesen Kodak Gold 200 Film habe ich nach zwei Monaten als 19. Film in meinem Rollei C-41 Kit bei 34 Grad 9 Minuten lang entwickelt und 30 Minuten im Bleichfixierbad geschwenkt, et voilà hier eine Auswahl mit Fotos, denen man die uralte Chemiebrühe gar nicht ansieht.

Manchmal findet man noch in irgendeiner Kiste aus vergangenen Zeiten alte Filme. So kam ich über die Geschenke-Box im Atelier zu zwei Agfa XRG 200 Farbfilmen. Die Filme waren lose, ohne Döschen, und sahen schon ziemlich mitgenommen und zerkratzt aus.
Den ersten Film habe ich im Ennert Wald belichtet. Passend zur herbstlichen Jahreszeit habe ich Pilze gesucht und immer schön lange, eine 15tel Sekunde, und mit weit geöffneter Blende belichtet. Leider hatte das aber scheinbar nicht gereicht. Man sah überhaupt nichts und so habe ich den Film enttäuscht ungescannt in die Restmülltonne geworfen.

Den zweiten Agfa XRG 200 Film habe ich am folgenden Tag bei strahlendem Sonnenschein sehr unterschiedlich belichtet. Von einer 60tel Sekunde bis über 10 Sekunden. Es ist der 22. Film in meinem Rollei C-41 Kit  und wurde 10 Minuten bei 38 Grad entwickelt. Von den 36 Fotos sind immerhin vier dabei, auf denen man Bonn wie in einem alten Geisterbild schemenhaft erkennen kann.

Sehr überrascht von dem Ergebnis, habe ich am folgenden Tag in unserem Müll gewühlt und den alten Filmstreifen vom vergangenen Wochenende zwischen Kaffeesatz und Farbresten hervor gepult. Vielleicht hatte ich ja doch etwas übersehen? An vielen Stellen war der Film zusammengeklebt. Mit ordentlich Kernseife abgeschrubbt, sah er aber schon bald nicht mehr ganz so unappetitlich aus. Sehr neugierig habe ich ihn schließlich eingescannt und tatsächlich – wo man mit bloßem Auge nichts erkennen konnte, fand der Reflecta Scanner diese Pilz-Fotos.

Pilze auf meinem mittlerweile sehr in Auflösung begriffenen, verschimmelten und angegammelten ersten Agfa XRG 200 Farbfilm. In abgelaufener Chemie entwickelt und zwei Tage im Müll gelegen – ich glaube schlimmer kann man einen Film nicht behandeln. 

Beim Experimentieren gibt es theoretisch erstmal keine Grenzen. Praktisch sollte aber dennoch, bei allem was man tut, am Ende ein Ergebnis stehen. Schade ist deswegen, wenn man nichts mehr erkennen kann.
Ich persönlich habe mehr Angst vor schlecht fixierten Filmen als vor schlecht entwickelten Filmen. Denn das fertige Foto, egal wie es letztendlich aus dem Döschen in die Welt kommt, ist für mich als Original kostbar und einzigartig. So möchte ich es nicht beim ersten Morgenlicht, nach ein paar Stunden wieder verlieren. Auch die Möglichkeit später Abzüge zu erstellen oder bessere Scans zu machen finde ich wichtig…

Bei meinen Experimenten mit alten Chemikalien fixiere ich deswegen immer sehr lange und tausche dabei öfter die Chemikalien aus – in der Hoffnung das der Film dabei noch ein paar letzte übriggebliebene Nährstoffe abgreifen kann…

Auf Fotos mit dem Fujicolor Industrial 100 Film fand ich besonders die Rot- und Grüntöne interessant. Außerdem wirkten alle Farben seltsam kühl. 
Bei einem Spaziergang durch die Stadt habe ich hier versucht möglichst viele bunte Dinge zu fotografieren. In frischer Chemie und ganz nach Standard entwickelt. 

Aus den gefundenen Dingen kann man mit etwas Aufwand immer etwas Eigenes machen und gerade aus dem technischen Widerstand und der Eigenart des Materials ergeben sich oftmals neue interessante Lösungen.
Zusammenhänge erkennen, auswählen, gruppieren, recyceln und in einen anderen Kontext setzten: Das sind alles auch ästhetische Vorgänge. Es ist schön, wenn man das Beste aus etwas machen kann.

Der JCH StreetPan 400 Film ist ein ziemlich teurer belgischer Film, der speziell für die „Street Photography“ gedacht ist. 
Hier habe ich zwei Rollen auf meinen Streifzügen durch Bonn und Bornheim fotografiert: 

Der Dynamikumfang eines Negativfilms ist enorm!
Theoretisch muss man sich wirklich nicht groß um eine korrekte Belichtung sorgen. Mit einem gutmütigen Scanner kann man aus fast allem noch etwas rauskitzeln. 
Hier ein Blick ins Kaleidoskop am Beueler Rheinufer, mit einem JCH StreetPan 400 Film. Es ist immer das selbe Foto, nur die Helligkeit des Scanners wurde verstellt: 

Experimente sind oft auch enttäuschend. Als Künstler kann man sich da teilweise trösten und über Fehler hinweg täuschen – man kann behaupten das wäre so gewollt, das Ergebnis sehr freilassend interpretieren oder so lange in einen anderen Zusammenhang bringen, bis es dann schließlich doch noch irgendetwas Besonderes hat.
Für einen selbst bleibt es aber dennoch enttäuschend und wer sich zu oft selbst belügt, verliert die Energie und Motivation für neue Experimente.

„Keine noch so große Zahl von Experimenten kann beweisen, dass ich recht habe; ein einziges Experiment kann beweisen, dass ich unrecht habe“ – Albert Einstein

Besser ist deshalb, man gesteht sich die Fehler ein und versucht zu verstehen woraus sie resultieren.
Schade um das Material, aber weg damit!
Aufheben und kleben an alten, halbgaren Dingen und gescheiterten, enttäuschenden Experimenten ist nur hinderlich. Ausmisten macht Spaß und besonders wenn man umgekehrt dabei kleine Schätze und geglückte ältere Arbeiten entdeckt, führt das Entrümpeln oft auf neue Fährten und weist eine Richtung, in die man weiter forschen könnte.

Von meinem ersten Doppelbelichtungs-Experiment war ich ziemlich enttäuscht. Ich hatte mir die Kombinationen extra ausgesucht; Immobilienhai, Pac-Man…
Die Belichtungszeiten habe ich aber dummerweise auch halbiert und hatte dadurch nur zwei flaue, unterbelichtete Fotos übereinander.
Außerdem ist der Kodak T400 CN ein in meinem Fall völlig unnötiger Film (Schwarzweiß-Film für Farbchemie) und hat mir meine ganze C-41 Chemie eklig violett verfärbt. 

Jede künstlerische Technik hat ihre materialimmanenten Vergröberungen.
Sei es die Struktur der Leinwand, die Handschrift des Pinsels, der Duktus und die Pastosität der Farben in der Ölmalerei – beim Foto haben wir dafür das Korn, das Bokeh, die Unschärfen, Lichtreflexionen und Kontraste…

Nur dadurch, dass jedes Material seine eigenen Vergröberungen hat, ist es relevant welches wir wählen. Ohne diese spezifischen Qualitäten wäre es egal, welches Material man nimmt.
Man kann auch fotorealistisch Malen und Fotos können auch wie fluffige Aquarelle aussehen.
Prinzipiell ist es aber wichtig die materialimmanenten Vergröberungen zu kennen und ihre besonderen Eigenschaften gezielt einzusetzen.

Mit einer Tageskarte bin ich zu jeder unterirdischen U-Bahnstation in Bonn gefahren. Auf dem Hinweg habe ich den Film voll fotografiert, auf dem Rückweg dann doppelt belichtet. 
Für den Scan habe ich die automatische Hintergrund-Beleuchtung und die automatische Farbkorrektur eingeschaltet. So sind diese Fotos sehr knackig und bunt.
Dies ist der 17. Film, den ich in 6 Wochen mit einem Liter Rollei C-41 Chemie entwickelt habe. Bei einer Temperatur von etwa 32 Grad habe ich 9 Minuten entwickelt und 23 Minuten Bleichfixiert. 

Die Mikrowelle taugt für viele urbane Legenden. Ob Hamster, Katze oder Eisenlöffel – es gibt einiges, was nicht in die Mikrowelle gehört. Dennoch reizt sie mit ihrer unsichtbaren „Zauberkraft“ und lädt zu Experimenten ein. Inzwischen habe ich sowohl einen Schwarzweißfilm wie auch einen Farbfilm bei voller Kraft in die Mikrowelle gelegt. Jeweils fertig eingespult in der Entwicklerdose für 7 Sekunden, bevor ich ihn gewässert und entwickelt habe. Da passiert gar nichts.
Legt man ihn während der Entwicklung mit der Chemie zusammen in die Mikowelle, fliegt irgendwann der Deckel vom Döschen, weil die Chemie anfängt heiß zu werden und etwas dampft. Dem Film scheint das aber ebenfalls nicht geschadet zu haben, außer dass er durch die hohe Temperatur ziemlich kräftig entwickelt wurde.
Bei nicht sehr empfindlichen Filmen passiert übrigens auch beim Sicherheits-Röntgen des Handgepäcks am Flughafen überhaupt nichts. Speziell dazu gibt es im Internet sehr interessante Beiträge mit Beispielfotos. Bei empfindlichen Filmen über ISO 800 können sich nämlich sehr wohl unschöne Streifen ergeben, wenn man sie röntgt.

Für einen vergnügten Foto-Abend braucht man nicht viel.
Hier habe ich einen der billigsten Schwarzweißfilme, den tschechischen Fomapan 200 genommen und nach dem Zeichnen im Atelier nächtliche Langzeitbelichtungen in meinem Stadtviertel gemacht.