Lieblingskamera in New York

Was macht eine Lieblingskamera so kostbar? Ein Mensch, der sich geliebt fühlt, versprüht einen ganz besonderen Glanz. Aber können auch Dinge funkeln? Wollen Kameras lichte Augenblicke des Glücks erhaschen? Das Schillern der Morgenröte? Das Leuchten in den Augen? 

Weiter Blick von der Edge-Aussichtsplattform, 336 Meter hoch über der Stadt: 

Als Arete (griech. ἀρετή) beschreibt man die besondere Tauglichkeit einer Sache. Ihre wesentliche Qualität, durch die sie ihre Aufgabe erfüllt. Was wäre wohl dann die Arete meiner Lieblingskamera? Ich habe sie nach New York gebracht und mit ihr eine Woche lang ausführlich die Stadt erkundet. Meine Überlegung dazu war: Was würde sich eine Kamera wünschen, wenn sie könnte? Was wäre der Lebenstraum dieser kleinen alten Zorki? Und bevor es hier jetzt zu sentimental wird: An mich dachte ich auch. Ich wollte gerne in die Stadt. Dinge haben keine Seele. Ganz ehrlich, Name und Marke der Kamera sind für das Bild eigentlich gleichgültig. Vor allem, wenn man sich klar macht, dass das analoge Foto durchs Objektiv gemacht wird und auf Film entsteht. 

In Harlem habe ich gewohnt und hier war ich die meiste Zeit unterwegs: 

Wie Zauberstäbe brauchen auch Kameras einen Träger, eine Idee und eine Absicht dahinter. Ein Fotoapparat folgt im Moment des Auslösens strikt seinen eigenen technischen Gesetzmäßigkeiten. Als künstlerisches Instrument betrachtet sind Kameras jedoch nicht autonom. Äußere Umstände, Ideen, Wahrnehmungen, Überlegungen und sogar Gefühle des Fotografen spielen für das Bild ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Letztendlich dachte ich einfach, weder gefühlsduselig noch völlig rational, mit meiner Lieblingskamera müsste ich doch sicher ganz besonders schöne Fotos machen können. Und New York war dann die ‚coolste‘ Stadt, die ich mir für diesen Versuch denken konnte.  „Lieblingskamera in New York“ weiterlesen

ORWO TC27

Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten

Mit vollem Rucksack bin ich im Juli in die Berge gefahren. Im Gepäck hatte ich jedoch nicht nur alle meine Lieblingskameras, sondern auch Wechselsack, Caffenol, Fixierer und Entwicklungsdöschen.

Ewig zu warten, bis man seine Ausbeute begutachten kann, erschien mir keine gute Lösung. Deswegen war sogar ein Reise-Scanner mit dabei. So hatte ich ein kleines, aber komplettes Berglabor und konnte drei Wochen lang ungestört arbeiten, Fotos machen und die Filme direkt entwickeln und anschauen.

Mir macht es sehr viel Spaß, neue Filme auszuprobieren. Dabei recherchiere ich vorher den Stil eines Films und versuche passende Themen und Motive zu finden. Filme mit stark S-förmiger Gradationskurve sehen beispielsweise oft besonders düster aus. Manche Filme schillern in silberigem Glanz und erinnern an alte Kinolegenden. Es gibt aber auch solide, robuste Klassiker wie den Kodak Tri-X 400. Das ist dann vielleicht langweiliger, funktioniert aber und liefert zuverlässige Ergebnisse.

Mein Caffenol-Rezept ist inzwischen ausgiebig erprobt und funktioniert eigentlich mit allen Filmen.

Caffenol-C-L
300 ml Wasser
5 g. Wasch-Soda
3 g. Vitamin C
12 g. Löslicher Kaffee
1 Meßlöffel (0,5-1 g.) Kaliumbromid

300 ml passen genau in eine kleine Jobo Filmentwicklungsdose. 70 Minuten Entwicklungszeit sind es bei 20 Grad. Die ersten 10 Minuten hin und wieder bewegen und vorsichtig schütteln. Anschließend 60 Minuten einfach nur stehen lassen.

Der Vorteil dieser Semi-Stand Entwicklung ist, dass sich das Caffenol anfangs gleichmäßig verteilt, danach wirkt der Entwickler aber ausgleichend. Ich habe das Gefühl, dass sich der Film nimmt, was er braucht. Caffenol C-L ist außerdem durch das wenige Soda nicht so stark und mit der langen Zeit von 70 Minuten ist es ein gutmütiges Entwickeln, welches manche Fehler verzeiht.


Hier die ersten Ergebnisse aus dem Berglabor. Morgendliche Schafherde auf dem Weg zur Alm und ein etwas makaberes Stillleben mit toten Mäusen und verwitterter, bemooster Barbiepuppe, die ich im Wald gefunden habe.

Eigentlich unfair zu erwähnen, dass es ein CFP Double-X Kinofilm ist, denn ich habe ihn so verhunzt, dass spezifische, filmimmanente Qualitäten keine Rolle mehr spielen. 

Fatal war: Ich hatte keinen Messbecher und nur ein zu kleines Marmeladenglas. Da ich mein frisch angerührtes Caffenol ohne Vorwässern nicht in einem Rutsch, sondern in zwei Anläufen in das Entwicklerdöschen geschüttet habe, ist eine unschöne Linie über den ganzen Film entstanden. Gleichmäßiges Eingießen und sanfte Bewegung am Anfang des Entwicklungsprozesses sind, wie man sieht, essenziell.


Umso feiner ist der nächste Film geworden. Tatsächlich ist es einer meiner Lieblingsfilme, der ORWO DN21. Weil er nur 16 ISO hat, kann man auch bei helllichtem Tage mit weit geöffneter Blende fotografieren und das Jupiter 9 Objektiv kann mit ihm seinen ganzen Charme entfalten.

Hier eine Auswahl mit dem ORWO DN21. Die Bilder wirken fein, scharf, hell, freundlich und besonders auch in den Mitten differenziert. Es ist ein fabelhafter Film für sonnige Ferientage mit einem lichtstarken Objektiv. 

Die Ergebnisse des ORWO DN21 wirkten so exquisit, dass ich sie zuhause mit einem guten Scanner nochmal eingelesen habe um genauer hinzuschauen. Tatsächlich ist er so superfein, dass man kaum noch Korn erkennen kann und selbst an weniger dichten Stellen findet sich noch eine erstaunliche Tiefe mit Bildinformationen. „Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten“ weiterlesen

Identität und Präfiguration. Zum Umgang mit offenen Kunstsystemen. 

In der Kunst geht es am Ende immer auch um den Menschen. Dabei ist es manchmal jedoch gar nicht so einfach, die Menschen zu mögen. Für viele Probleme kann man die Menschheit verantwortlich machen. Allein die Umweltprobleme: Plastik im Meer, Artensterben, Klimawandel… Trotzdem ist die Menschenliebe für Künstlerinnen oder Künstler ein sehr wirksamer Antrieb und viele Arbeiten drehen sich um den Zweck des Menschseins oder das Verhältnis des Menschen zur Welt. 

Besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Menschen gern zu haben. Dabei hilft, wenn man sich klar macht, dass viele unserer globalen Probleme in Wirklichkeit nicht von einzelnen Menschen gemacht sind, sondern in der Form ihres Zusammenlebens gründen. Tatsächlich sind nur selten einzelne Menschen schuld. Unsere Probleme sind vielmehr Probleme der Gesellschaftsform: Es sind wirtschaftliche und politische Probleme, aber keine Probleme des Menschen an sich. Es gibt eine gemeinsame Verantwortung einer Gesellschaft, beispielsweise gegenüber der Geschichte und gegenüber gemeinsamen Idealen und Werten. Jedoch alle Menschen pauschal verantwortlich zu machen ist insbesondere auch deshalb unfair, weil die meisten Menschen mit den aktuellen Zuständen der herrschenden Elite, korrupten Politikern oder Militärdiktaturen absolut nicht einverstanden sind. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Es wäre zynisch, wenn man sie für die Situation in ihrer Heimat verantwortlich machte. Auch lebt beispielsweise die Hälfte der Menschen in armen Verhältnissen (48,4 % der Weltbevölkerung lebten 2013 von weniger als 5,50 Dollar am Tag) und hat überhaupt nicht genug Geld, um exzessiv zu konsumieren und viele Ressourcen zu verbrauchen. Die Menschen sind also nicht das Problem, sondern die Gesellschaftsform und sehr wenige einzelne Privilegierte, die unverhältnismäßig davon profitieren. 

„Identität und Präfiguration. Zum Umgang mit offenen Kunstsystemen. „ weiterlesen

Poetische Fotos aus Berlin

Fotos einer Stadt schaffen über die Zeit einen persönlichen Raum der Erinnerungen. Hier möchte ich meine Berlin-Fotos zusammenfassen. Nachdem ich früher zwei Jahre dort gelebt habe, bin ich inzwischen nur noch selten in Berlin. Aber bei jedem neuen Besuch mache ich natürlich neue Fotos. An sonnigen Sommerabenden ebenso wie an verregneten Novembermorgen…

Küchentisch meiner alten Wohnung in Berlin

In diesem Portfolio sollen nur wenige, aber dafür besondere, interessante Bilder aus Berlin zu sehen sein. Und nach jedem Besuch kann die Sammlung um ein paar neue Fotos wachsen. 

Wie Berlin ist, kommt darauf an wen man fragt. Berlin ist Party, Geschichte, Politik, viel zu groß, unfreundlich, gentrifiziert, Hauptstadt, das grüne Umland, international, kreativ, Techno, arm aber sexy, häßlich und grau…  

Falls man der Stadt eine eigene Poesie zusprechen möchte, wäre es jedenfalls eher kein gemütlicher, heimelig-romantischer Zauber. Berlin ist nicht das Venedig des Nordens oder das Paris des Ostens. Aber etwas Eigenes ist Berlin auf jeden Fall.  

Schnappschüsse mit der legendären LOMO LC-A:

Ein Kriterium für meine Auswahl war „poetisch“. Ich wollte „dichterische“ oder „lyrische“ Bilder aussuchen und meinte damit den Wunsch, in irgendeiner Form beseelte Fotos zu finden. Deshalb sind es auch nur analoge Fotos. Im Gegensatz zu digitalen Fotos wirken analoge Fotografien einheitlich, rund und mehr aus einem Guss. Wie eine Glocke ohne Sprung. Die Dinge scheinen in der physischen Bildebene aufzugehen und wirken eben nicht ausgeschnitten oder isoliert, wie es oft bei digitalen Fotos der Fall ist. Die Emulsionsschicht ist wie eine Luftschicht, ein freier Raum, von Licht durchflutet. Im Bereich der Emulsion ist die Atmosphäre zum leben und atmen für das Bild. Es wird nichts berechnet, reduziert oder korrigiert. Die bildgebenden Prozesse sind chemischer Zauber, alchemistische Verwandlung… Echte, analoge Fotos sind physische, beinahe haptische Bilder. 

Schwarzweiße Fotos von Wänden und Spiegelungen: 

Drei inhaltliche Kriterien für ein poetisches Foto sind beispielsweise:

  • Wie ist es fotografiert? Der spielerische Umgang mit dem Was. Zufall, Glück oder Kunstgriff. Jedes Foto ist eine Abstraktion. 
  • Muss das Foto authentisch sein? Die Wirklichkeit liegt auch oft in falschen Farben, verwackelt oder unscharf vor uns. 
  • Gewöhnlich oder alltäglich? Alles was meinen Blick festhält, ist wert genug fotografiert zu werden. 

„Poetische Fotos aus Berlin“ weiterlesen

Poetische Fotos aus Berlin

Küchentisch meiner alten Wohnung in Berlin

Fotos einer Stadt schaffen über die Zeit einen persönlichen Raum der Erinnerungen. Hier möchte ich meine Berlin-Fotos zusammenfassen. Nachdem ich früher zwei Jahre dort gelebt habe, bin ich inzwischen nur noch selten in Berlin. Aber bei jedem neuen Besuch mache ich natürlich neue Fotos. An sonnigen Sommerabenden ebenso wie an verregneten Novembermorgen…

In diesem Portfolio sollen nur wenige, aber dafür besondere, interessante Bilder aus Berlin zu sehen sein. Und nach jedem Besuch kann die Sammlung um ein paar neue Fotos wachsen.

Wie Berlin ist, kommt darauf an wen man fragt. Berlin ist Party, Geschichte, Politik, viel zu groß, unfreundlich, gentrifiziert, Hauptstadt, das grüne Umland, international, kreativ, Techno, arm aber sexy, häßlich und grau…

Falls man der Stadt eine eigene Poesie zusprechen möchte, wäre es jedenfalls eher kein gemütlicher, heimelig-romantischer Zauber. Berlin ist nicht das Venedig des Nordens oder das Paris des Ostens. Aber etwas Eigenes ist Berlin auf jeden Fall.

Schnappschüsse mit der legendären LOMO LC-A:

Ein Kriterium für meine Auswahl war „poetisch“. Ich wollte „dichterische“ oder „lyrische“ Bilder aussuchen und meinte damit den Wunsch, in irgendeiner Form beseelte Fotos zu finden. Deshalb sind es auch nur analoge Fotos. Im Gegensatz zu digitalen Fotos wirken analoge Fotografien einheitlich, rund und mehr aus einem Guss. Wie eine Glocke ohne Sprung. Die Dinge scheinen in der physischen Bildebene aufzugehen und wirken eben nicht ausgeschnitten oder isoliert, wie es oft bei digitalen Fotos der Fall ist. Die Emulsionsschicht ist wie eine Luftschicht, ein freier Raum, von Licht durchflutet. Im Bereich der Emulsion ist die Atmosphäre zum leben und atmen für das Bild. Es wird nichts berechnet, reduziert oder korrigiert. Die bildgebenden Prozesse sind chemischer Zauber, alchemistische Verwandlung… Echte, analoge Fotos sind physische, beinahe haptische Bilder.

Schwarzweiße Fotos von Wänden und Spiegelungen: 

Drei inhaltliche Kriterien für ein poetisches Foto sind beispielsweise:

  • Wie ist es fotografiert? Der spielerische Umgang mit dem Was. Zufall, Glück oder Kunstgriff. Jedes Foto ist eine Abstraktion.
  • Muss das Foto authentisch sein? Die Wirklichkeit liegt auch oft in falschen Farben, verwackelt oder unscharf vor uns.
  • Gewöhnlich oder alltäglich? Alles was meinen Blick festhält, ist wert genug fotografiert zu werden.

Summer in the city, sommerliche Fotos aus Berlin: 

Unser Sehen ist ein sehr komplexer Vorgang und findet auf mehreren Ebenen statt. Die Welt, wie wir sie sehen, entsteht nicht nur durch den visuellen Reiz. Auch alle möglichen psychologischen und durch die Evolution tief in uns verankerte Interpretationswege formen unser Erleben und das Verständnis einer Situation.
Wir schaffen im Sehen beispielsweise blitzschnelle Bezüge zu alten Bildquellen, die wir dabei abgleichen. Würden wir hier immer nur nach dem Was fragen, wäre die Welt schnell langweilig. Das Was ist alt, bekannt und niemals wirklich neu. Interessanter ist vielmehr das Wie. Wie es klingt, wie es sich anfühlt, wie es aussieht… Nur wenn wir nach dem Wie fragen, können wir etwas Neues erleben. Nur im Wie bekommen die Fotos ihre eigene Wirklichkeit und eine Stadt ihre eigene Qualität. Straßen, Häuser, der Klang der S-Bahntüren, der Himmel über Berlin.

Fünf technische Kriterien für ein poetisches Foto sind beispielsweise:

  • Das Licht entscheidet über das Foto.
  • Die Tiefenschärfe und der Fokus können das Augenmerk auf ein bestimmtes Detail richten.
  • Die Verschlusszeit bestimmt den Augenblick.
  • Das Korn des Films kann poetisch, billig oder glanzvoll wirken, jeder Film hat seine materialimmanenten Eigenschaften und Grobheiten.
  • Das Objektiv, Bokeh, Lensflares und Vignettierungen. Jedes geschliffene Glas wirkt anders, zeichnet die Ecken in einer eigenen Art und Weise, verzerrt und verzaubert.

Weniger ist oft mehr. Wenn es zu viele Informationen gibt, geht der Inhalt verloren. Wir helfen uns dann, indem wir nach etwas greifen, was wir verstehen. Ist dort Text, fangen wir an zu lesen. Sind dort zu viele Dinge erkennbar, landen wir sehr schnell beim „Was“ der Fotos und so wird es auch recht bald langweilig.

Himmel über Berlin. Fotos vom Blick nach oben: 

Finden wir dagegen nur wenige Informationen, neigt unser Inneres dazu viel hineinzuinterpretieren. Die Leere füllen, ordnen und Sinn geben. Das ist ein viel mehr lebendiger Prozess, der uns anregen kann und unserem Intellekt schmeichelt. Mit etwas Freiraum können die Dinge ihren eigenen Klang entwickeln und der Betrachter seiner persönlichen Resonanz lauschen. So gesehen sind poetische Fotos wie ein visuelles Konzert.

Abendlichter und nasse Straßen Berlins: 

Im Foto können wir als Betrachter unsere eigenen Empfindungen entwickeln, während wir im Gemälde viel mehr in die Welt des Künstlers geschickt werden. Für die Rezeption über einen Künstler ist es wichtig zu verstehen, was ihm wichtig war. Natürlich kann der Fotograf ebenfalls Gefühle in sein Werk einbeziehen. Anders als im gemalten Bild fließen die Gefühle des Fotografen beim Auslösen aber nicht so direkt und unmittelbar in das Bild. Es kann z.B. mit einem Selbstauslöser auch automatisch erstellt werden und ist beliebig oft reproduzierbar.

Novembergraue Fotos an einem verregneten Vormittag: 

Auf der Suche nach bunten Farben an einem Novembertag: 

Was die Gefühle im Foto angeht, ist anschließend der Betrachter gefragt. Nachdem das Foto im 19. Jahrhundert immer mehr an die Stelle des gemalten Portraits getreten war, ist der ganze Habitus rund um die Fotografie bis heute teilweise sogar ausgesprochen sentimental geworden. Fotos sind unsere Erinnerungen, Fotos sind Eitelkeit, Götzen, Projektionsfläche für Eros und Liebe: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön…“

Schon Narziss betrachtete verzückt sein Abbild im Spiegel eines Baches.

„Man muss sich doch klarmachen, wie unchristlich und heillos eitel die Menschheit erst werden wird, wenn sich jeder für seine Goldbatzen sein Spiegelbild dutzendweise anfertigen lassen kann. Es wird eine Massenkrankheit von Eitelkeitswütigen ausbrechen, denn wenn sich jedes Gesicht dutzendweise verschenken und bewundern lassen kann, so macht das die Menschen gottlos oberflächlich und gottlos eitel.“ – Entsetzte Äußerung eines Zeitzeugen über das ‚neue‘ Verfahren der Daguerreotypie von 1841.

Aus unserer heutigen Perspektive, vor dem Hintergrund der digitalen Fotografie, wird die Entfremdung zwischen dem Fotografen und seinem Motiv ein bisschen aufgehoben, wenn man analog fotografiert. Oft fotografiert man dann achtsamer und langsamer. Ein Handabzug aus der Dunkelkammer, mit Kaffee entwickelt, ist tatsächlich auch ein Unikat und nicht einfach wieder genau gleich reproduzierbar. Spuren von Kratzern, Staub und Körnigkeit schaffen einen Eindruck von Zeit und Vergänglichkeit.

Ein verwunschener Spaziergang durch Neukölln:

Das Spiel mit der Materialität, das Eingreifen, die Überraschung und die Möglichkeit den bildschaffenden Prozess mitzugestalten macht für mich den Zauber der Fotografie aus. Und in diesem Sinne ist es für mich auch ein bisschen wie Malen und Zeichnen.

Kunst der Nachhaltigkeit – Ausstellung in der Galerie der Global 3000 Group in Berlin

Herzliche Einladung zu unserer Ausstellung:
„Kunst der Nachhaltigkeit“

Von mir gibt es einen mit Kaffee entwickelten Handabzug vom Rhein zu sehen.
Im Sommer 2020 bin ich mit Fahrrad und Zelt immer weiter den Rhein hinauf gefahren. Dabei ist dieses Foto entstanden.
Weil ich zu wenig Entwickler (Caffenol) genommen habe, ist der Film (ORWO P400) ungleichmäßig entwickelt. In diesem Fall ein „Happy Little Accident“ – so tritt nämlich der Himmel plötzlich schön dramatisch hervor und ich habe ein analoges High Dynamic Range Foto (HDR-Bild, Bild mit hohem Dynamikumfang) geschaffen.  

Rheinarm, mit Caffenol entwickeltes, analoges HDR Foto

Mit Kaffee Filme zu entwickeln und von diesen Filmen ebenfalls mit Kaffee in der Dunkelkammer große Abzüge zu entwickeln, erscheint mir fast wie Zauberei. Komplett analog und weitgehend mit Verzicht auf komplizierte Chemikalien. 

Der Versuch sich zu reduzieren und alternative Wege zu suchen ist gerade in der Fotografie immer auch experimentell. Man lernt sehr viel über Materialien und Technik und bekommt durch die (nur scheinbare) Einschränkung ganz neue Möglichkeiten und überraschende Ergebnisse. 

Die Ausstellung mit Foto, Malerei, Zeichnung, Collage, Installationen, Objekte und Videos von 41 Künstlerinnen und Künstlern ist vom 4. September bis 2. Oktober 2020 in der Galerie für nachhaltige Kunst „Group Global 3000“, Leuschnerdamm 19 in 10999 Berlin Kreuzberg.

Link zur Ausstellung:
https://gg3.eu/de/kunst-der-nachhaltigkeit/

PROGRAMM: 

Vernissage 4.September 2020, 19:00 Uhr 

  • „Die Arbeit von GG3“: Tom Albrecht
  • Eröffnungsrede zur Ausstellung: Jule Böttner, M.A.
  • Whathappensnext Ensemble Berlin: Stimmen, Viola, Saxophon, Akkordeon 

Hier ein paar Farbfotos von unserer Vernissage:

Künstlergespräch 11. September 19:00 Uhr

Online-life-Vortrag 22. September 19:00 Uhr
„Nutzen, was da ist. Ein komplexer Ansatz für zukunftsfähiges Wirtschaften“, Dr. Corinna Vosse. Link zum dialogischen jitsy-meet ab 18:45 auf der Website

Finissage 2. Oktober 19:00 Uhr

Street Photography in Paris

Um eine fremde Stadt kennenzulernen, gehe ich am liebsten spazieren. Auf den Straßen, in der Metro, auf Plätzen und in Parks sieht man die Menschen, erlebt die einzigartige Architektur und findet all die Besonderheiten, die schließlich das eigene, selbst gewonnene Bild der Stadt ausmachen.

Millionen Touristen fotografieren jedes Jahr Paris. Es ist eigentlich nicht nötig, noch mehr Fotos von der Stadt zu machen. Es gibt fantastische Bildbände, Kalender, Poster und Postkarten. Aber so wie etliche Fotografen vor mir bin auch ich gerne in Paris. So wie die meisten anderen Besucher mit ein paar Tagen Zeit, mit Hotelzimmer und gutmütiger Urlaubskasse, habe auch ich einen touristischen, privilegierten Blick. Aber ich glaube durch diese Distanz und Muße, weil ich nicht so richtig dazugehöre, erlebe ich auch den besonderen Charme von Paris auf meine eigene Art.
Es ist eine prickelnde Leichtigkeit, Weltoffenheit und so ein unternehmungslustiger Optimismus, den die Stadt ausstrahlt. Die Luft scheint duftiger, die jungen Frauen anmutiger, die Bäckereien feiner und die Straßen lebendiger als anderswo. Ein bisschen davon möchte ich versuchen, in diesem Beitrag wiederzugeben.

Dieses Portfolio soll in mehreren kleinen Galerien eine Auswahl mit besonders geglückten analogen Fotos aus Paris zeigen. Sozusagen meine besten Bilder aus mehreren Aufenthalten. Sommer, Herbst, Frühling … Alles auf Film fotografiert und überwiegend mit meiner Lieblingskamera, der Zorki 4K. Aber auch die legendäre LOMO LC-A und die feine kleine Rollei 35 haben ihre eigenen Galerien beigetragen. Die Schwarz-Weiß-Filme  sind dabei teilweise sehr experimentell selbstentwickelt: mit Kaffee stundenlang gepusht oder auch mehrfach entwickelt und gebleicht. So finden sich hier für Freunde der analogen Fotografie manchmal auch Hinweise auf den Film und was ich damit gemacht habe.

Ich empfehle, einfach über die Galerien zu fliegen und nur einzelne Bilder in groß anzuschauen. Paris ist eine riesige Stadt und ein unerschöpflicher Quell an Eindrücken, Situationen, Düften, Geräuschen und Straßenszenen. So wie man sich manchmal in der Stadt überfordert fühlt, ist es auch hier viel zu viel, was man sich ansehen könnte. Es sind über 100 Fotos: Louvre, Montmartre, Eiffelturm, Straßen, Parks, Menschen, Frühling, Sommer, Herbst … Es reicht in Ruhe durch den Beitrag zu scrollen, vielleicht bleibt manchmal der Blick hängen. Am Ende wird man einen eigenen und vielleicht auch neuen Eindruck von Paris bekommen haben.

Auftakt erstes Foto, neuer Film. Ankunft in Paris. Brücke über die Gleise am Gare de l’Est

In einer großen und alten Stadt wie Paris kreuzen sich viele Wege. Besonders im kulturellen Bereich ist Paris ein führendes Zentrum und neben New York und London eine der wichtigsten „Global Citys“ der Welt. Solche Orte, wo viele Ströme zusammenfließen, sind spannend und pulsieren vor Leben und Energie.

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“ – Heinrich Heine

Ein neuer Tag, sonniger Morgen in Paris. Bei einem Spaziergang entlang der Seine bekommt man einen schönen ersten Eindruck von der Stadt.

Es macht Spaß mit Lieblingskamera und frisch eingelegtem Film durch die Straßen zu schlendern oder im Cafe zu sitzen und von einem kleinen Bistrotisch aus die Menschen zu beobachten.

Street Photography mit der Zorki 4K. 

Paris ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Die Pariserinnen sind elegant, lässig, mit wuscheligen Haaren, schicken Outfits, und obwohl sie alle so cool aussehen, duften sie auch noch zauberhaft und wirken sehr feminin und zart. Es ist unmöglich, an den Bäckereien vorbei zu laufen, und wenn man eintritt, kommt man ganz bestimmt mit mehr Eclairs, Törtchen, Croissants und Baguettes heraus, als man ursprünglich wollte. Alles ist so schön und lecker … Die Straßen sind wie eine Bühne und Jung und Alt flanieren die Boulevards entlang und entspannen in den Parks. Es gibt viele Cafés und unkomplizierte Restaurants. Manche dieser Pariser Qualitäten klingen wie ein Klischee, aber vor allem im direkten Vergleich mit anderen Großstädten ist Paris doch trotz seiner Größe eine eher entspannte und angenehme Stadt und gut zu Fuß zu entdecken.

Direkt vor dem Louvre liegt die Brücke Pont des Arts. An einem sonnigen Sommerabend am Ufer der Seine scheint alles nochmals leichter, lockerer und unbeschwerter. 

Fast 10 Millionen Besucher kommen jährlich zum Louvre, die schönen Künste betrachten. Es ist das größte und meistbesuchte Kunstmuseum der Welt. Vor der Glaspyramide am Haupteingang machen täglich Hunderte ein Selfie. Und auch abends, wenn das Museum geschlossen ist, finden sich hier viele Menschen zum Rollschuhfahren und für Spaziergänge durch die Stadt, zum nahe gelegenen Seine Ufer oder den Jardin des Tuileries.

Für den Louvre habe ich mir ein besonderes Experiment überlegt. Mit hochempfindlichem Film und der kleinen Rollei35 begab ich mich auf Entdeckungsreise. In Innenräumen und ohne zusätzliche Beleuchtung ist es normalerweise schwierig, aus der Hand zu fotografieren. Diesen Film habe ich anschließend über zwei Stunden in Caffenol entwickelt. Standentwicklung wirkt ausgleichend. Um das Ganze noch etwas mehr zu pushen, habe ich das Entwicklungsdöschen nach einer Stunde einmal bedächtig geschüttelt.

Ein Tag im Louvre, mit Caffenol hochgepushter Schwarzweißfilm: 

An einem der ersten Frühlingstage habe ich einen Abendspaziergang durch Paris gemacht. Mit Langzeitbelichtungen, Funkelnden Blendensternen und vielen Farben. Es ist ein besonderer Farbfilm, Color Mission 200 von Adox, den ich hier mit der Zorki Kamera in Paris ausprobieren wollte. 

Europas größte Bürostadt „La Défense“, das Hochhausviertel im Westen von Paris, wirkt während der Arbeitszeit, wenn alle Menschen am Schreibtisch sitzen, wie ausgestorben.

Das Pariser Büroviertel La Defense mit der Lomo Kamera. 

Vormittags bin ich über leere Plätze und einsame Brücken gewandert. Nur ein paar Tauben gurrten auf der Treppe des Grande Arche.

Mit der Zorki und dem schönen Street Candy Film habe ich mir Europas größte Bürostadt, das Hochhausviertel La Défense im Westen von Paris genauer angeschaut. 

Ab 12 Uhr strömen plötzlich überall Menschen aus den Bürotürmen. Foodtrucks verteilen kleine braune Papiertüten mit Essen aus aller Welt: Exotische Caribic Bowls, gesunde Salädchen, deftige Burger… Für jeden ist etwas dabei und innerhalb weniger Minuten verteilen sich tausende gut gekleidete Menschen über die Plätze, um Brunnen und Wasserflächen, auf Treppenstufen und Parkbänke. Überall wird entspannt aber dennoch sehr manierlich und rücksichtsvoll gepicknickt, Boule gespielt oder mit den Kollegen geplauscht.

Die Japan Bridge von dem japanischen Architekten Kisho Kurokawa zwischen den Hochhäusern im Büroviertel La Defense.

Mittagspause im Büroviertel La Défense. Diesen stark unterentwickelten Schwarzweißfilm (JCH StreetPan 400) habe ich anschließend vielen unterschiedlichen digitalen Prozessen ausgesetzt: Mehr Kontraste, künstliche Farben und Filter wurden hinzugefügt.
So bilden die Fotos einen eigenartigen Gegensatz zur modernen Architektur und Effizienz der hochspezialisierten Menschen, die hier arbeiten. Einerseits wirken sie altmodisch, andererseits sind sie durch den übertriebenen Prozess, dem sie ausgesetzt wurden, eine  Metapher für das komplexe Arbeitsleben in den umgebenden Bürotürmen. 

Der Hügel Montmartre war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Kunst schlechthin. Was hier passierte, hatte weitreichende und kaum zu überschätzende Relevanz für die ganze Entwicklung der Malerei. Wer die Möglichkeit hatte, kam nach Paris und fand hier Inspiration, Austausch aber auch die nötige Freiheit, um seinen eigenen Ausdruck zu entwickeln.

Eindrücke eines grauen Herbsttags am Montmartre in Paris. Eher wenige Touristen, ein paar Straßenkünstler und entspannte Kopfsteinstraßen und Plätzchen.

Der Washi Film „F“ ist ein feiner Röntgenfilm. Wenn man ihn richtig behandelt, zaubert er fantastische Lichter und weiche, fast magische Bilder.
Zu heiß in Caffenol entwickelt, wird er allerdings, wie jeder andere Film auch, grobkörnig. An warmen Sommertagen, besonders bei langen Entwicklungszeiten von 60 Minuten und mehr, ist das eine Gefahr, an die man besser denken sollte.

Sommerlich kräftige Fotos mit dem Röntgenfilm „Washi F“ am Montmartre. 

Richtig geglückt ist dafür die letzte Aufnahme einer jungen Mutter in der Metro. Dieses Foto wäre eigentlich sehr stark unterbelichtet gewesen. Durch die unfreiwillige Push-Entwicklung ist es jetzt aber das Highlight des ganzen Films.

Street Photography in der Metro mit Zorki-Kamera und in Caffenol entwickeltem Röntgenfilm „Washi F“:  

Paris – eine junge Mutter in der Metro

Der Cimetière du Père-Lachaise ist der wohl berühmteste Friedhof in Paris. Zwischen Bäumen, wie in einem Park liegen hier auch viele Berühmtheiten. An einem Frühlingsabend faszinierten mich vor allem die kleinen bunten Fenster, durch welche die tiefe Sonne in die gemauerten Grabstätten und Gruften leuchtet.

Mit der Zorki und „Adox Color Mission“ Film war ich an einem Nachmittag im März auf dem Père-Lachaise Friedhof. Es ist ein Film, der insbesondere Grüntöne kräftig durchzeichnet und nicht so warme, sondern mehr „realistische“ Farben mit einem tiefen Kontrast wiedergibt. 

Wo früher der Ausstellungspalast Palais du Trocadéro stand, ist jetzt eine luftige Freifläche mit dem wohl berühmtesten Blick auf den Eiffelturm.

Am Trocadéro, der großen Aussichtsplatform mit Blick auf den Eiffelturm, kann man sehr gut Menschen beobachten. 

Luftige Menschen, Vögel und warmes Herbstlicht auf der Freifläche am Trocadéro.

Trotz seiner vielen historisch gewachsenen, ganz unterschiedlich bevölkerten Stadtteile, ist das architektonische Erscheinungsbild von Paris sehr einheitlich. Die bürgerlichen großen Stadthäuser im Zentrum sehen alle ähnlich aus. Die Pariser sind stolz auf ihre graublaue Dachlandschaft und wenn man vom Eiffelturm über die Stadt schaut, dominiert bis zum Horizont ein erstaunlich einheitlich grau-weißes Häusermeer. Nur die Bürotürme im Viertel La Defense heben sich ab und in der Ferne ahnt man die Großwohnsiedlungen in den Banlieues.

Ein weiter Blick über Paris bietet sich oben vom Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt. 

Der Eiffelturm muss ständig neu gestrichen werden. Wenn man die winzigen Arbeiter zwischen den Verstrebungen herumklettern sieht, bekommt man einen Eindruck von der Größe und ingenieursmäßigen Meisterleistung.

An einem bedeckten kalten Märztag bin mit dem superfeinen Fuji-Acros-Film und der Zorki vom Eiffelturm bis zum Gare du Nord quer durch die Stadt gelaufen.

Die LOMO LC-A ist die klassische traditionelle Lomo. Das ist die ursprüngliche Kamera, mit welcher damals eine Gruppe Studenten die Praxis der experimentellen Schnappschussfotografie erfunden hat. Ich habe eine noch neue original verpackte aus Sibirien geschickt bekommen und diese Parisreise war ganz offensichtlich das erste fotografische Abenteuer meines Exemplars.

Die Zehn Goldenen Regeln der Lomografie… Hier eine Auswahl mit Schnappschüssen von meinen Streifzügen durch Paris mit der Lomo LC-A. 

Für mich besonders in Paris war das Thema „Street Photography“. Straßenfotografie mit Menschen ist in meinen Augen einerseits die schwierigste, andererseits die schönste Facette der Fotografie. Tausend nicht gemachte Bilder spuken mir durch den Kopf. An jeder Ecke sieht man schöne Situationen, sieht wunderschöne junge Frauen, Situationskomik, charaktervolle Gesichter, den Zauber des Alltags… Alles zieht vorüber und nur ganz selten schaffe ich es meine Scheu zu überwinden, bin schnell genug und erwische den richtigen Moment. Digital ist es einfacher. Aus einer Masse an Fotos, in schneller Folge geschossen und mit der Möglichkeit auch kleine Ausschnitte in ordentlicher Qualität zu wählen, kann man den Menschen ganz anders auf die Pelle rücken. Analoge Straßenfotografie ist sehr viel zerbrechlicher. Man muss ein Gespür für die Situationen entwickeln, Film und Kamera sehr gut kennen und schnell und beherzt sein. Aber selbst wenn nur ein Foto auf der ganzen Filmrolle geglückt ist, freut man sich hinterher viel mehr.

Fotos mit Menschen sind hinterher oft am interessantesten. Aus der großen Masse an Fotos mit der Lomo LC-A habe ich hier meine Lieblings-Schnappschüsse ausgewählt. 

Die Zorki 4K ist dagegen trotz ihrem rustikalen und oft herablassend belächelten Image als „Leica des armen Mannes“ eine sehr feine und ausgereifte Kamera. Die Qualität der Bilder hat man mit der Zorki ganz in der eigenen Hand. Ich liebe besonders Fotos mit weit geöffneter Blende. Beim Jupiter 9 Objektiv mit 85 mm Brennweite bekommen die Fotos dadurch eine sehr weiche, traumhafte und beinahe malerische Atmosphäre. Alles wirkt kostbar, einzigartig und Menschen erscheinen fast wie Schauspieler zauberhaft hinterm Vorhang auf der Bühne eines kleinen altmodischen Theaters. Aber auch das Jupiter 8 ist sehr lichtstark und mit seinen 50 mm gut für die Street Photography geeignet. Für Reisen ist schließlich das Jupiter 12 Objektiv ideal. Mit 35 mm Brennweite entspricht es am ehesten unserem modernen Bildgeschmack, der etwas weitwinkeliger ist als früher, auf alten Fotografien.

Ob Liebesschlösser in der „Stadt der Liebe“ oder Spiele mit Licht und Farben in der Sainte-Chapelle – hier sind bunte Eindrücke der Zorki in Paris auf Farbfilm. 

Wenn man Filme mit Caffenol selber entwickelt, kann man regelmäßig kleine Überraschungen erleben. Einige meiner Filme aus Paris sind stark über- oder unterentwickelt. Wie auch in Indien, hatte ich in Paris lauter verschiedene Filme und habe auch einzelne Fotos oft unterschiedlich belichtet. Die Entwicklungszeiten muss man dann mehr schlecht als recht abschätzen. Was am Ende all dieser manuellen Prozesse übrig bleibt, ist manchmal auch allein technisch gesehen interessant oder zumindest kurios. Je nach Gesichtspunkt kann man auch in diesen Prozessen, im Zusammenspiel des Inhaltlichen mit dem Technischen eine gewisse Poesie entdecken.

Dieser Film (ein LOMO Berlin Film) wurde zweimal entwickelt. Nach dem ersten Durchlauf habe ich ihn wieder gebleicht und noch nass für kurze Zeit in die Sonne gelegt. Anschließend erneut entwickelt. So habe ich, ganz analog, den spritzigen Wassertropfen-Effekt hinbekommen. 

Es sind manchmal so unwahrscheinliche Umstände, so haarscharf gerade noch glückliche Faktoren… Was alles in perfekter Konstellation zusammengetroffen ist, um dann in Form dieses einen geglückten Fotos in die Welt zu treten… Wer versucht, Straßenfotografie und gelungene Schnappschüsse zu machen, erlebt viele verpasste Situationen.

Oft denke ich, das wäre jetzt schön gewesen. Das könnte interessant sein. Aber nur selten erwischt man den Moment genau perfekt und drückt im richtigen Augenblick den Auslöser. Analog geht das auch nicht so schnell und mit meiner Lieblingskamera, der Zorki, muss man auch noch eine ganze Menge einstellen. Schließlich ist für mich die Existenz mancher Fotos deswegen fast wie Zauberei.

Beispielsweise ist der Washi-F Röntgenfilm vom Montmartre extrem überentwickelt und sieht fast aus wie Griesbrei. Aber nur durch diese Überentwicklung ist das eine vormals hoffnungslos unterbelichtete Foto von einer jungen Mutter in der U-Bahn doch noch etwas geworden. Nur durch die zu hohe Temperatur, die „falsche“ Zeit oder vielleicht auch aufgrund der selbstgerösteten Kaffeebohnen, aus denen ich mein Caffenol gemischt habe, erkennt man plötzlich den friedlichen Gesichtsausdruck oder den besonderen Blick eines Typen, der vormals einfach nur im Schatten eines Cafés saß.

Es sind all diese Zufälle, die für manche dieser Fotos wie ein fantastisches Uhrwerk zusammen greifen und die für mich den Zauber der analogen Street Photography ausmachen.

Spaziergang über die Seine an einem warmen Herbstabend:

Übersicht Schwarzweißfotos Indien

Eher gut entwickelte Negative: 


Schwarzweiß-Positive (ziemlich gut entwickelt, Dias): 


Sehr dunkle Negative:


Sehr helle, unterentwickelte Negative:

Titelfoto Analog Indien Caffenol Palolem Beach

Licht und Kaffee. Analoge Fotos aus Indien

Erfahrungen und Gedanken aus meiner experimentellen Laborküche auf Reisen. 

Übersicht meiner Filme für das Projekt in Indien

Inhaltsverzeichnis:

Reisen und Fotos gehören einfach zusammen. Speziell durch analoge Fotografie bekommen Erinnerungen in unserer digitalen Zeit eine ganz besondere Materialität, Poesie und eine fast schon haptische Wahrheit. 

In diesem Beitrag möchte ich meine analogen Fotos aus Indien zeigen und Notizen dazu niederschreiben: Gedanken über das Fotografieren, Kameras, die  verschiedensten Filme und wie ich mit Kaffee unterwegs in Indien in Hotelzimmern und Strandhütten Filme entwickelt habe und was mir dabei alles passiert ist. 

„Was ich sehe, ist nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit. Alles ist Abstraktion. Schönheit entsteht erst in der Zuwendung“

Wie in einem Magazin soll diese Seite zum herumblättern einladen. Es ist nicht nötig all den Text zu lesen. Überfliegt einfach die Fotogalerien, schaut vielleicht einzelne Fotos genauer an und scrollt hin und her. Das Herzstück sind die mit Kaffee unterwegs entwickelten und direkt vor Ort eingescannten indischen Schwarzweißfotos. Interessant sind oftmals aber auch die Motive der Farbfilme und einfach wunderschön sind Licht und Farben der Diafilme. Auf das für jeden etwas dabei ist und auf das jeder etwas für sich mitnehmen kann. 

Erste Eindrücke von Mumbai. Mit Caffenol und Natron entwickelte Filme. Ein Spaziergang durch Colaba und erste Fotos aus dem Trubel und Gewusel des Bazar Distrikts: 

Reisefotos, wenn sie nur Orte dokumentieren sollen, sind schnell langweilig. Aber wenn sie mir etwas bedeuten, weil sie mich erinnern, weil sie etwas bestimmtes zeigen, dass mir aufgefallen ist, dann können sie interessant werden. Zeichnen und Fotografieren sind für mich deshalb das gleiche. Beides schafft einen Zusammenhang zwischen meinem Leben und den ganzen Ereignissen um mich herum. Beides ist ein Weg sich zu positionieren. 

Sightseeing in Mumbai – Ein Vormittag mit dem CineStill X-Pro 50 Daylight Film und der Zorki4K.

Im Foto wird der Augenblick zu Material. Und das Fotomaterial wird zum Zeitzeuge. Fotos sind immer auch eine Abstraktion und dadurch eine eigene Interpretation. Aber genau in dieser Materialität liegt auch ihre Schönheit. Die Vereinfachung, ausgewählte Details, kurze, flüchtige Momente, Eindrücke im Straßenleben können plötzlich fast ein bisschen sowas wie Ewigkeit und Wahrheit werden. Situationen werden herausgestellt, das Eigenleben der Dinge kann im Foto nachklingen.  „Licht und Kaffee. Analoge Fotos aus Indien“ weiterlesen

webflyer_artists_text_bild

Artists for Future – Ausstellung in der Galerie der Global 3000 Group in Berlin

Dieses Jahr habe ich angefangen Notizen zum Klimawandel zu machen.
Meine Fragen dabei waren beispielsweise, wie die Kommunikation über den Klimawandel effizienter gestaltet werden könnte, inwieweit es auch ein moralisches Thema ist, warum Menschen sich schon immer mit Weltuntergangs-Szenarien beschäftigt haben und warum seit so vielen Jahren nichts passiert.
Einige meiner Ideen und Gedanken habe ich zuletzt in dem Beitrag „Notes for Sustainability“ zusammengefasst.

Notizbücher Artists for Future

Neben den digitalen Formen gibt es aber natürlich auch die originalen Notizbücher – kleine Hefte voller Skizzen, Ideen und Bilder.
Mit diesen Notizbüchern versuche ich Themen zu finden und einzugrenzen. Gedanken werden kurz, auf ein bis zwei Seiten festgehalten und sind anschließend Grundlage für Texte und Serien mit eigenen künstlerischen Arbeiten, Malerei und Fotografie.

Aus diesen Heften sind beispielsweise viele Ideen für meine Beiträge zur Atomenergie, zum Wald und zur Kommunikation über den Klimawandel entstanden. 

Jetzt freue ich mich sehr, diese Notizen in der Galerie der Global 3000 Group in Berlin auszustellen. Es sind nicht nur kleine Hefte – dahinter stecken Ideen, Wünsche und Hoffnungen und vor allem bin ich auch sehr gespannt und neugierig die anderen Künstler kennen zu lernen. Ich freue mich auf den gemeinsamen Austausch und das Künstlergespräch am 15. November. Eine volle Zeit mit Ausstellung, Vortrag und Gesprächen…

Ausstellung “Artists for Future” in der Galerie der Global 3000 Group e.V.

Ort: Galerie der Global 3000 Group e.V.,
Leuschnerdamm 19, 10999 Berlin

TERMINE: 

Vernissage Freitag 1. November, 19:00 Uhr.
Tanzperformance: Olga Drachuk-Meyer: The Trial of Liberation
Das VLQ – Very Large Quartet singt a capella Folk- und Popsongs in beschwingten Barbershop-Arrangements.

Vortrag mit Gespräch Freitag 8. November, 19:00 Uhr,
Dipl.-Ing. Matthias Schnauss, Büro für Nachhaltige Entwicklung: “Suchbewegungen auf dem Weg zum Guten Leben. – Bisherige und aktuelle Nachhaltigkeitsbewegungen. Wie kann es weiter gehen?”
Ausstellung ab 17 Uhr

Künstlergespräch Freitag 15. November, 19:00 Uhr.
Künster/innen der Ausstellung stellen persönlich anwesend und per Skype ihre Werke vor und sprechen mit Gästen darüber.
Ausstellung ab 17 Uhr

Workshop Freitag 22. November, 17:00 – 19:00 Uhr:
Wie können Künstler/innen ihren ökologischen Fußabdruck verringern? Thema ist ihre Alltagspraxis, die Wahl ihrer Materialien, ihr Reisen und Transport. Moderation Tom Albrecht (In deutsch)
Ausstellung ab 17 Uhr

Ausstellung Freitag 29. November, 17:00-20:00 Uhr.
Die Künstlerin Alexa Helbig ist anwesend.

Tom Albrecht: Die Zukunft ist offen. Ein gemeinsames Würfelspiel um persönliche Visionen. Freitag 6. Dezember, 19:00 Uhr. 
Ausstellung ab 17 Uhr. Die Künstlerin Lioba von den Driesch ist anwesend.

Finissage Freitag 13. Dezember, 19:00 Uhr.
Yamka Muna mit Musik-Performance: equinoxtinction
Rosa Schmidt mit Hybrid Walking Act: INDIGO HABITAT/NORDOSTZIRKULATIONEN
Ausstellung ab 17 Uhr

Ort: Galerie der Global 3000 Group e.V.,
Leuschnerdamm 19, 10999 Berlin
U8 Moritzplatz, U1 Kottbussertor, M29 Oranienplatz, Bus 147 Michaelkirchplatz

Hier ein paar Eindrücke unserer Vernissage: