Kunstmarketing

Über Marketing gibt es viele Bücher und Blogs. Jedes große Unternehmen hat Marketingexperten. Doch trotz all diesem professionellen Wissen für nahezu alle Wirtschaftszweige gibt es kaum brauchbare Tipps und Ideen für Künstlerinnen und Künstler. Bücher zum Thema Kunstmarketing richten sich fast ausschließlich an kulturelle Institutionen, an Museen oder Konzerthäuser. Die meisten angebotenen Lösungen sind entweder zu trivial und bestehen nur aus schlagwortartigen Plattitüden, oder sie sind viel zu groß und umfassend für Einmannbetriebe, Freiberufler und Soloselbstständige. Auch Videos auf Youtube helfen nur selten weiter, weil man sie nicht ohne Weiteres in eine eigene Strategie umwandeln kann. 

Eine besondere Herausforderung ist, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit nicht immer und ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten können und wollen. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht als weiterer Experte hervortun oder ein komplett neues Fass aufmachen. Aber ich möchte einen inspirierenden Text schreiben und konkrete Ideen zusammentragen. In diesem Beitrag will ich Tipps sammeln, die Künstlerinnen und Künstlern helfen können, mit dem Thema Marketing umzugehen. Dabei soll dieser Text immer weiter wachsen und nach und nach zu einer umfangreichen Marketing-Inspirationsquelle werden. 

Im Rahmen meiner Forschung zum Werk- und Produktkonzept in der Malerei habe ich diese Ikone und eine Absinthfee mit Öl auf Holz gemalt. Die Bildträger habe ich nach dem Hochwasser am Rheinufer gesucht, einige Jahre trocknen lassen und anschließend bemalt. Das Inkarnat ist auf Basis von zyprischem- und sehr hellem französischem Ocker. 

Wenn man in der Malerei über den Werkbegriff nachdenkt, ist die Ikone das Extrem. Eine Ikone ist quasi das Kunstwerk in seiner Reinform. Es gibt sogar in vielen Völkern Erzählungen über wundertätige Ikonen. Mit Gold und kostbarem Lapislazuli immer weiter überhöht und aufgeladen entsteht nach und nach ein richtiges ideelles Gegenüber.
Die grüne Absinthfee ist ein metaphorisches Konzept für künstlerische Avantgarde und die Entdeckung und den Dialog mit neuen, jenseitigen Welten. Für Künstlerinnen und Künstler war sie schon immer Inspiration und Symbol für das Bohème sein und für prospektives Gedankengut in einer sich wandelnden Gesellschaft. Sie kann als Zeichen für poetische Inspiration, für eine freie Geisteshaltung, neue Ideen und Transformation stehen.

Vieles, was in der Wirtschaft funktioniert, kann theoretisch auch für Kunstschaffende gelten. Dennoch ist es in der Praxis nicht so einfach. Einerseits definieren sich Künstlerinnen und Künstler stark über ihre Tätigkeit. „Wollen Sie sich zur Hure des Marktes machen? Die Kunst ist frei!“ Kunstschaffende sind auch oft menschlich nicht ganz unkompliziert. Teilweise sind sie geradezu narzisstisch, selten kritikfähig und es fehlt ihnen jegliche professionelle Distanz zur eigenen Arbeit. Andererseits haben Kunstschaffende oft das Gefühl, alles zu können. Besonders wenn sie Geld brauchen, sind sie auch bereit (fast) alles zu machen: „Familienwappen? Porträts? Kopien? Ich male ihnen alles! Hauptsache, es kommt irgendwie Geld rein…“ 

Diese Flexibilität ist am Anfang einer künstlerischen Karriere wichtig, um überhaupt zu überleben, genau darin liegt aber später auch eine Gefahr. Viele Künstlerinnen und Künstler haben kein eigenes Profil. Sie können alles und nichts. Niemand weiß, was sie eigentlich machen und wollen. Wer bin ich als Künstlerin? Wer bin ich als Künstler? Was mache ich? 

Marketing für Kunstschaffende heißt zunächst, die eigene künstlerische Identität auszubauen.

Viele Strategien beginnen mit einer sogenannten SWOT-Analyse. Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. Für Künstlerinnen und Künstler ist das allerdings keine gute Herangehensweise. Die Risiken und Gefahren werden in den meisten Fällen erdrückend sein, die Chancen und Erfolgsfaktoren dagegen kaum auszumachen. 

Wettbewerb und Konkurrenzkampf wirken manchmal albern.

Profilbildung in der Wirtschaft geht auch oft über die Wettbewerber. Im Vergleich zeigen sich dann die eigenen Stärken… Doch auch dieser Weg ist für uns im Kunstbereich keine gute Methode. Schließlich möchten Kunstschaffende ja einzigartig sein. Im Vergleich mit seinen Wettbewerbern kann man sich dann zwar wunderbar anpassen, gleichzeitig wird man aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten, Defizite und Schwächen erleben. Von Selbstzweifeln geplagt könnte man schließlich feststellen, dass es eigentlich alles schon gab. Viele haben vielleicht auch schon ähnliche Sätze gehört wie: „Deine Bilder erinnern mich total an…“ oder „du musst dir unbedingt mal den Künstler XY anschauen, der macht auch so Sachen.“

Besser als die klassische SWOT-Analyse ist es stattdessen den eigenen Wünschen einen Raum zu geben. Meine Marketingstrategie gründet deswegen auf Hoffnungen und Wünsche. Ich glaube, dass gerade im eigenen Willen und in Wünschen und Träumen eine ungeheure Kraft und großes Potenzial steckt. Und wenn man ihn richtig verfolgt, schärft dieser Weg auch die eigene Persönlichkeit und das eigene künstlerische Profil. 

Eine gute Frage zu Beginn wäre: Was ist das Beste, was mir und meiner Kunst passieren könnte?

Im Anschluss kann man noch mehr ins Detail gehen: Will ich Bilder verkaufen? Möchte ich von Kuratoren und Galerien entdeckt werden? Möchte ich Preise oder Stipendien gewinnen?
In den nun folgenden Absätzen will ich meine Ideen, Beobachtungen und Gedanken zu diesen drei konkreten Fragen zusammentragen. 

Wie kann ich mehr Bilder verkaufen?

Für diese marktorientierte Fragestellung sind die klassischen Instrumente im Marketingmix tatsächlich perfekt geeignet.
Mit den sogenannten „vier P“ können wir hier mal versuchen, das Thema etwas besser zu greifen. 

Weiße Mäuse – ein seltenes Produkt auf dem Markt.

1. Produkt:

Wenn etwas verkauft werden soll, ist es ein Produkt. Ölgemälde verkaufen sich anders als Videoarbeiten oder eine Performance. Doch auch eine Performance ist ein Produkt. Selbst sehr eigenwillige Arbeitsansätze lassen sich in Produktform packen: Beispielsweise der Künstler Ian Wilson, bei dem es um mündliche Kommunikation und Dematerialisierung geht. Er erstellte signierte Zertifikate, welche zwar nur noch sehr wenige Rahmendaten festhielten, die aber verkauft werden können. Will ich etwas verkaufen, muss ich also Produkte produzieren und anfangen, die eigenen Arbeiten als Produkt zu sehen. 

Die Frage dazu lautet, welches Produkt will ich anbieten? Was konkret könnte verkauft werden? Ich kann mich auch auf bestimmte Motive, Themen, Sujets und Materialien festlegen. Allerdings empfehle ich in diesem Zusammenhang insbesondere die Arbeit in verschiedenen Portfolios und glaube, dass sich leider viel zu viele, besonders auch junge Künstler schon zu früh in ihrer Arbeitsweise zementieren und auch verrennen. 

Geht es ums Produkt, steht immer auch das Handwerkliche und die Technik im Fokus. Malerei ist beispielsweise eine sehr traditionelle Kunst und ihre Qualität lebt auch stark vom Zauber der Geschichte. „Öl auf Leinwand“ klingt deshalb für viele Sammler wertiger als „Acryl auf Spanplatte“. Billige oder schlampige Verarbeitung, ungewollte Risse, Macken, Beulen oder verzogene Rahmen sind „ein echtes No-Go“, wenn ich es mal marketingmäßig plastikdeutsch ausdrücken darf. Und selbst wenn ich nur ein Zertifikat verkaufe, muss ich mir Gedanken über die Schrift, das Papier und die Form machen. 

Beim Thema Geld denken viele erstmal an blutrünstige Vampire. Entweder sie fühlen sich ausgebeutet oder es kann nie genug sein… Auf jeden Fall unnormal.

2. Preis:

Die Frage des Preises der Kunst ist zumindest am Anfang einer Karriere ziemlich einfach zu beantworten. Es gibt Kunstpreis-Rechner. Dabei berechnet sich der Preis aus der Größe und dem Faktor. Der Preis eines Bildes ist dann Länge + Breite x Faktor. Für Anfänger ist beispielsweise ein Faktor von 10 üblich. Ein 70 x 90 cm großes Bild würde dann so berechnet: 70 + 90 x 10 = 1600 Euro. 

Falls man für so ein kleines Bild nun 1600 Euro viel Geld findet und einem das alles seltsam vorkommt, ist das natürlich auch in Ordnung. Allerdings sollte man bedenken, dass in vielen Fällen auch noch die Mehrwertsteuer fällig wird (die ermäßigte Mehrwertsteuer gilt nur für Künstler, Galerien sind aber Kaufleute und müssen voll bezahlen). Und wenn der Erlös 50:50 mit einer Galerie geteilt wird, bleiben am Ende von 1600 Euro für die Künstlerin oder den Künstler gerade noch 720 Euro übrig. Selbst wenn man dann jeden Monat ein Bild verkaufen würde, wäre das nicht genug zum Leben. Prinzipiell darf man eher günstiger anfangen und teurer werden, niemals jedoch andersherum teuer anfangen und später günstiger werden. Damit würde man auch noch den gutmütigsten Sammler verschrecken. Der Künstler Felix Droese hat übrigens tatsächlich einmal erfolgreich bei Aldi handsignierte Drucke verkauft. Prinzipiell ist das Motto „Hauptsache billig“ für Kunst jedoch keine gute Strategie.
Problematisch an der Faktor-Berechnung ist, dass große Bilder im Verhältnis immer billiger und kleine Bilder gleichzeitig vergleichsweise teuer sind: Ein Bild in der Größe 140 x 180 cm ist bei Faktor 10 mit 3200 Euro beispielsweise doppelt so teuer, aber viermal so groß wie ein Bild in der Größe 70 x 90 cm. Möglich wäre deshalb, ab einer bestimmten Größe z. B. statt Faktor 10 einen etwas höheren Faktor anzusetzen. 

Marketing mal anders: Exotische Märkte in Harar, Äthiopien. 

3. Place:

Hinter dem Schlagwort Place verbirgt sich der Bereich des Vertriebs. Wer könnten meine Kunden sein? Auf welchem Weg will ich Kunden erreichen und wie kommt meine Arbeit zu ihnen? Freunde und Familie sind oft die Ersten, die (meistens aus Mitleid) etwas kaufen. Aber wie würde ich meine Kunst besser verkaufen? An wen richtet sich meine Arbeit eigentlich? 

Das Erste, was einem zu Place einfällt, ist ganz klassisch eine Ausstellung. Über mein eigenes Netzwerk, durch die Fachzeitschrift „Atelier“, über Recherchen im Internet, Kollegen und Ateliergemeinschaften können sich erste Gruppenausstellungen ergeben. Kleine lokale Kulturzentren, Künstlerforen, Wein-Lokale… Es gibt auch Events wie beispielsweise „Offene Atelier-Tage“ oder die Möglichkeit des Pop-up-Verkaufs in einem kurzfristig leer stehenden Geschäft.
Habe ich ein eigenes Atelier, ist es auch wichtig, wie ich mich dort präsentiere. Es gibt viele Künstler-Klischees und Stereotypen, die man bedienen kann. Künstlertum ist etwas, was manchmal ein bisschen von Besuchern erwartet wird. Zu exzentrische Künstler sind allerdings auch anstrengend. 

Auch neue Vertriebswege sind möglich. Bei eBay allerdings, obwohl es ein Auktionshaus und online ist, wird man keine Kunst verkaufen. Aber eventuell bei anderen online Plattformen. Möglich wären beispielsweise Sedition (https://www.seditionart.com), Artuner (https://www.artuner.com), Artsy (https://www.artsy.net), Artspace (https://www.artspace.com), Saatchi Art (https://www.saatchiart.com) oder Artfinder (https://www.artfinder.com).
Hier muss man recherchieren, schauen was passt und die Arbeiten in jedem Fall in guter Qualität digital verfügbar haben.

Der Bereich Place fragt also, wo und wie wird meine Arbeit verkauft? In diesen Bereich gehören deswegen auch Galerien und Kunstmessen. Dazu sammele ich unter den Punkt „Wie kann ich von Galerien und Kuratoren gefunden werden?“ Tipps und Ideen weiter unten im Text. 

Wenn sich ein Bild etwas wünschen dürfte, wäre es wohl das: gesehen zu werden. Ausstellungen sind das Schönste, was man seinen Bildern nur wünschen mag. Trotzdem muss man auch noch ein bisschen weiter denken. Wie kommen meine Bilder in die Ausstellung? Zur Galerie? Zum Kunden? Ich kannte einmal einen Künstler, der die Formate seiner Bilder an der Kofferraumgröße seines Autos festgemacht hat.
Arbeiten müssen sicher und sorgfältig verpackt werden um zum Kunden nach Hause zu gelangen. Auch wenn man im Atelier eher rustikal mit den eigenen Arbeiten umgehen mag – spätestens vor Sammlerinnen und Sammlern sollte man möglichst behutsam, sorgfältig und mit Samthandschuhen agieren. Zu viel Plastikmüll wirkt auf viele auch abschreckend. Und wenn die Verpackung kompliziert auszupacken ist oder improvisiert und aus irgendwelchen Stoffresten, Tüten und Tape zusammengefrickelt wurde, kann man die Adressaten gehörig verärgern.

Lichterketten – ein buntes leuchtendes Produkt auf dem Markt.

4. Promotion:

Promotion ist nicht einfach Werbung. Promotion ist meiner Meinung nach ein Bereich, der im Marketing unglaublich viel Spaß macht und es ist eine Arbeit, die alle eigentlich sowieso die meiste Zeit machen: Kommunikation! Dennoch ist es nützlich, wenn man sich auch hier Gedanken macht und seine Aktivitäten etwas bewusster lenkt. 

Mit einer klar strukturierten, übersichtlichen und humorvollen E-Mail können alle Menschen aus ihrem Leben auf neue Ausstellungen hingewiesen werden. Ganz wichtig ist, dass man die Einwilligung der Empfänger hat und auch eine Möglichkeit anbietet, aus der Newsletter-Liste wieder zu verschwinden. Für Marketing mit E-Mails sollte man also früh anfangen, Adressen und Kontakte zu sammeln. Zu häufig sollte man seine Mitmenschen allerdings nicht behelligen, nur wenn es einen wichtigen Anlass gibt. 

Will man umfangreiche Texte erstellen, für Kataloge, Webseiten oder ähnliches, kann man sich an den vier Kommunikationstypen des Autors Tobias Beck orientieren. Das macht Spaß: Wal, Hai, Delfin oder Eule. Menschen lassen sich einem dieser vier Typen zuordnen und wer einen umfangreicheren Text schreibt, kann sich am Ende fragen, ob er damit alle diese vier verschiedenen Typen erreichen würde. 

Für schnelle Texte und als Strategie für soziale Medien ist das aber zu umfangreich. Um hier erfolgreich zu kommunizieren und dabei eine marktorientierte Haltung einzunehmen, hilft es stattdessen, sich direkt den eigenen Traumkunden möglichst genau vorzustellen. Wer ist der Adressat meiner Beiträge? Ich habe einen Künstler getroffen, der sich einen richtigen Avatar seines Traumkunden gebaut hat, als 3-D-Modell, an den er seine Posts und Feed-Beiträge richtet. Es hilft tatsächlich: Geben sie ihrem Traumkunden einen Namen. Wie würde er aussehen? Was würde er anziehen? In welchen Geschäften würde er einkaufen? Was würde er lesen, welche Bücher, Zeitungen, Magazine? Würde er in sozialen Medien Kommentare schreiben? Wohin würde er in Urlaub fahren? Hätte er Hobbys, macht er Sport?
Es ist dabei besser, diesen potenziellen Kunden nicht als potenzielle Partnerin oder Partner zu sehen, sondern auf einer ausschließlich professionellen Ebene. Wenn sie beispielsweise als heterosexueller Mann versuchen, eine junge Frau zu erreichen, wirkt das für viele andere Menschen eher abschreckend oder sogar peinlich. Auf jeden Fall ist das eine andere Ebene. 

Sehr viel Promotion läuft über das Internet und speziell für Kunstschaffende ist im Moment Instagram wichtig. Allerdings sind dort vor allem andere Künstlerinnen und Künstler. Sammler wird man dort weniger antreffen (die sind eventuell besser per E-Mail, Newsletter oder mit einem richtigen Flyer per Post zu erreichen). In sozialen Medien tummeln sich aber Galeristen und Kuratoren, deren Augenmerk man auf sich lenken könnte. Die Währung in sozialen Medien ist Aufmerksamkeit. Hier geht es tatsächlich um Follower, Likes und eine mehr oder weniger verzweifelte Suche nach Anerkennung. Mit wie viel Inbrunst man das betreibt, sei jedem selbst überlassen. 

Wenn man das Spiel in den sozialen Medien mitmachen will, hilft es, wenn man sich an die Regeln dort hält: Richtige ausgewählte Hashtags benutzen, regelmäßige Aktivitäten (nicht täglich, aber vielleicht wöchentlich) und vor allem rund um die Uhr sehr viel liken und auch kommentieren. Die Stories der anderen User kann man sich ansehen (oder einfach nebenbei auf dem Handy durchlaufen lassen). Das schmeichelt deren Ego und bringt einem eventuell ebenfalls ein paar Likes zurück. 

Wenn man Veranstaltungen mit einem bestimmten Datum macht, beispielsweise eine Vernissage oder einen Tag der Offenen Tür, kann man auch bezahlte Werbung in sozialen Medien schalten. Bei Facebook geht das beispielsweise auch schon mit sehr kleinen Beträgen und der gesamte Prozess wird überaus transparent kommuniziert. Man lernt dabei auch etwas über seine Kunden und die anderen Nutzer, was sie interessiert und was sie sonst so machen.

Net(t)working – freundlich und gesellig neue Kontakte knüpfen.

Wie kann ich von Galerien und Kuratoren gefunden werden? 

Möchte ich gesehen werden, muss ich mich auch zeigen. Eine gepflegte Webseite mit aktuellen Arbeiten ist dafür hilfreich. Wenn man eine Galerie finden möchte, die für einen Arbeiten verkauft, muss man sich also zunächst wie auch beim Direktverkauf fragen, was eigentlich das eigene Produkt ist. Daran schließt dann die Überlegung an, in welche Galerie man mit seiner Arbeit passen würde. Alle Galerien haben ein ziemlich klares Profil. Dabei sind die Galeristinnen und Galeristen oft selber Sammler und meistens sehr schillernde Persönlichkeiten mit viel Begeisterung und Liebe für die Kunst. Tatsächlich lebt die Kunstwelt auch sehr von diesem Zauber, dem Engagement und der Begeisterung einzelner Menschen, die sich für Künstlerinnen und Künstler einsetzten. Ebenfalls Teil der Kunstwelt ist aber oftmals auch ein gewisses elitäres Denken, das Dasein im Elfenbeinturm. Ob man in diesem persönlichen und sehr subjektiv gefärbten Geflecht mit einer klassischen Bewerbung ankommen würde, muss man in jedem Fall immer wieder neu abschätzen. 

Wenn man sich jedoch in Galerien bewerben will, dann am besten in solchen, zu denen man auch passen würde. Und natürlich muss eine Bewerbung sorgfältig erstellt sein. Kataloge muss man in der Regel nicht mitschicken und natürlich auch keine Originale. 

Zunächst ist es in jedem Fall hilfreich, die eigene Arbeit professionell kunstgeschichtlich einzuordnen. Dabei stellt sich wie immer im Kunstverkauf die Fragen nach dem Produkt. Was sind die besonderen Merkmale, wie würde man den eigenen Stil beschreiben? Die Bedeutung und die Strahlkraft der Kunst bemisst sich auch in ihrer kunstgeschichtlichen Relevanz. Man kann Kunsthistoriker dafür bezahlen, über die eigene Arbeit zu schreiben; in Fachzeitschriften oder bei einer Internetrecherche finden sich entsprechende Angebote. Schöne Texte, die das Wesentliche einer Arbeit zusammenfassen, sind angenehm zu lesen und enthalten oft schon aus sich heraus gute Verkaufsargumente. Das werden geneigte Galeristen/Galeristinnen verstehen und wenn sie Zeit und Mühe sparen möchten eventuell sogar später in Teilen dankbar mit in Ausstellungskatalogen und eigenen Newslettern übernehmen. 

Ich glaube, dass man über Geschmack nicht streiten muss: Tatsächlich herrscht oft Einigkeit darüber, welche Arbeiten gelungen und welche langweilig sind. Über Gespräche mit Kollegen, durch Freunde und aus der Resonanz in sozialen Medien lässt sich das eigene Œuvre filtern und zu einem kurzen, knackigen Portfolio zusammenfassen. Mit den besten Arbeiten kann man dann Klinkenputzen gehen. 

Wem das direkte Anschreiben und Ansprechen unangenehm ist, der kann auch versuchen indirekt entdeckt zu werden. Gibt es die eine Galerie, welche total super zu einem passen würde? Kennen sie einen Kurator, der sie entdecken soll? In sozialen Medien kann ich beispielsweise herausfinden, welchen Hashtags, Gruppen oder Seiten der Wunschkontakt folgt und dann die gleichen Hashtags benutzen, auf den gleichen Seiten oder in den gleichen Gruppen aktiv sein. So kann ich dem Entdecktwerden auf die Sprünge helfen und muss mich nicht als Bittsteller darbieten.

Viele bunte Torten im Schaufenster – wie Preise und Stipendien…

Wie kann ich Preise und Stipendien gewinnen? 

Hinter den meisten Preisen und Stipendien steht immer ein Geldgeber. Wenn es eine Stiftung ist, hat sie Stiftungsziele. Sehr viele Stiftungen fördern z. B. nicht ausschließlich Kunst, sondern gehen mit ihrem Stiftungszweck darüber hinaus. Hier wird man eher erfolgreich sein, wenn man die künstlerische Tätigkeit mit weiteren hehren Zielen verknüpft. Unternehmen dagegen vergeben oft Preise im Rahmen ihres eigenen Marketings bzw. Sponsorings. Auch Gemeinden und Städte vergeben Stipendien, meistens Aufenthaltsstipendien, dahinter stehen dann oft touristische Hoffnungen. Alle Stipendien haben jedoch immer ein bestimmtes Niveau und richten sich dadurch an eine ganz bestimmte Zielgruppe. Es gibt sehr hochkarätige Stipendien, die wie ein Diamant im Lebenslauf funkeln. Beispielsweise die Deutsche Akademie Villa Massimo in Rom. Es gibt aber auch viele unbedeutende und sogar peinliche Preise und Ausschreibungen, mit denen man besser nichts zu tun haben möchte. Tatsächlich ist es gar nicht so leicht, etwas zu finden, was einerseits ambitioniert, andererseits aber auch realistisch erreichbar ist. Um erfolgreich zu sein, muss man sich ausgiebig damit beschäftigen und klar machen, dass man nicht nur etwas bekommt, sondern auch etwas dafür gibt. Zeit, Arbeit, den eigenen Namen… Viele dieser Fragen werfen einen auch wieder in den Bereich „Produkt“: Was ist mein Produkt? 

Auch wenn sie es vielleicht nicht zugeben würden, die meisten Jurys und Experten, welche über einen Preis oder ein Stipendium entscheiden, orientieren sich auch am Renommee der Bewerbungen. Wenn jemand bereits Preise und Stipendien hat, ist das viel besser als ein unbeschriebenes Blatt. Hat eine Bewerberin oder ein Bewerber bereits Stipendien, zeigt das, dass man mit ihr bzw. mit ihm zusammenarbeiten kann. Wenn man einmal in diesem Business Fuß gefasst hat, wird es also immer leichter. Hat man einmal eine erfolgreiche Bewerbungsmappe, ist es einfach daran anzuknüpfen. Man muss seine Bewerbung beim nächsten Mal nur noch anpassen und entsprechend modifizieren. Um jedoch neu einzusteigen und einen Preis oder ein Stipendium zu gewinnen, ist es zunächst besser, regional und sehr zielgerichtet vorzugehen. Für Studierende gibt es manchmal Stipendien im Rahmen der Uni. Vielleicht vergibt das städtische Kulturamt einen Preis? Vielleicht gibt es ein Atelierhaus vom örtlichen Kunstverein oder einen örtlichen Künstlerbund? So kann ich langsam mein künstlerisches Renommee aufbauen und dann immer weiter daran anknüpfen und mich hocharbeiten.