Mit Fotos möchte ich verstehen, welche Chancen und Perspektiven Europa hat und was uns verbindet. Dafür bereise ich gezielt Länder in Europa, die nicht zur EU gehören. Wie geht es den Menschen dort? Welche Ziele und Möglichkeiten haben sie?
Durch diesen Perspektivwechsel hoffe ich, mehr über das Wesen Europas zu erfahren.
Hier sind nun Fotos aus Kiew, Sarajevo, Georgien und Istanbul ausgewählt.
Wie sind die Fotos entstanden?
Fotos sind nie objektiv. Jede Aufnahme setzt einen bestimmten, persönlichen Fokus. Die Subjektivität meiner Fotos wird durch ungewöhnliche Perspektiven, Lichtreflexionen, die Vignette der alten Objektive und manchmal auch durch die Körnigkeit und Farbigkeit der Filme zusätzlich betont. Ich mag die Materialität des Fotos an sich und suche gezielt Aufnahmen, die durch ihre eigentümlichen Spuren zeigen, dass sie ein Foto sind.
Im Vorübergehen, bei vielen langen Wanderungen in den Städten fotografiere ich alles, was meinen Blick festhält. Hinterher, zu Hause und mit zeitlichem Abstand entwickele ich die Filme, schaue mir die Bilder an und sortiere die Serien aus dem, was vorliegt.
Vielleicht haben meine Fotos gerade durch diese Unintentionalität beim Fotografieren und das sich spielerische Einlassen auf die unkontrollierbaren Aspekte der Situation die Möglichkeit, etwas freier und unabhängiger von mir ihre eigene Gestalt zu finden und ein Stück vom Wesen der abgelichteten Motive wiederzugeben.
Ich hoffe, dass durch die Fotoserien über die Zeit ein Klang und eine Ahnung wächst, wie es um die Wünsche, Träume und die Zukunft der Menschen in Europa bestellt sein könnte.
Am äußersten Rand von Europa:
Der Bosporus in Istanbul. Die Grenze nach Asien ist fließend, oft funkelnd und kann mit der Fähre durchaus angenehm teetrinkend überquert werden.
Ortaköy-Moschee und Bosporus-Brücke
Auf der Fähre über den Bosporus
Warten auf die Fähre von Kadıköy nach Eminönü
Schiffe und Boote auf dem Bosporus
Morgenlicht auf der Fähre unterwegs von Asien nach Europa
Funkelndes Wasser mit Schiffen auf dem Bosporus
Licht und Menschen auf der Fähre über den Bosporus unterwegs von Europa nach Asien
Der Leanderturm (türkisch Kız Kulesi, „Mädchenturm“), ein Leuchtturm im Bosporus mit funkelnder Sonne
Licht und Wasser – funkelnde Sonnenstrahlen und zartes Lens-Flare-Pentagon der Kamera über dem Bosporus
Wie ist der Text entstanden?
Es gibt viele gute Gedanken zu Europa. Doch kann man wirklich von einer gemeinsamen europäischen Identität sprechen? Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit sind keine ausschließlich europäischen Werte. Auch das Christentum hat seine Wurzeln nicht in Europa. In der Kunst und Architektur gibt es keinen einheitlichen Stil: Byzantinische Bauwerke in Venedig, maurische Kunst in Spanien, Stabkirchen in Skandinavien …
Statt staatlichen sind es vielmehr regionale Entwicklungen, einzelne Persönlichkeiten und Stilepochen, die Europa geprägt haben. Eine klar abgegrenzte „abendländische Kultur“ hat es in dieser Form eigentlich nie gegeben. Früher haben sich die Menschen auch nicht als „europäisch“ wahrgenommen.
Trotzdem erlebe ich heute, dass mir die Idee eines gemeinsamen Europas ein Gefühl von Sicherheit gibt. Die Wirtschaft und die digitale Welt sind vernetzt. Es gibt globale Probleme, die von einzelnen Staaten nicht mehr alleine gelöst werden können. Dann ist es tröstlich, sagen zu können: „Wir“. Europa als Hort des guten Lebens. Ein Bollwerk gegen die Imperialisten, Tyrannen und Freaks da draußen…
„Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“ – Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg
Multilaterale Institutionen wie die EU haben in ihrem Kern meiner Meinung nach etwas sehr Hoffnungsvolles. Ich finde es gut zu wissen, dass wir mit unseren Nachbarn verbunden sind. Es ist wichtig, dass Menschen einfach und unbürokratisch reisen, ihre Familie und Freunde besuchen und Geschäfte machen können und die Welt ist sicherer, wenn wichtige politische Entscheidungen nicht von einzelnen Führern allein getroffen werden, sondern im Austausch miteinander entstehen.
Am äußersten Rand von Europa:
In Ushguli. Ein isoliertes Bergdorf im Kaukasus. Wehrtürme, Blumenwiesen, Gletscher und weite Landschaften in Swanetien, Georgien.
Ushguli – Ansicht vom Ortsteil Chvibiani mit Blumenwiese
Ushguli – Wehrtürme in Chazhashi
Ushguli – Wehrturm mit Lichthof oben auf einem Hügel über Chazhashi
Ushguli Ansicht vom Ortsteil Chazhashi
Ushguli – Ansicht vom Ortsteil Murkmeli
Ushguli – Wolkenberge über dem mit Schneefeldern gescheckten Berggipfel mi
Ushguli – Ruine der mittelalterlichen Königin Tamari Burg
Ushguli – Weite Aussicht mit Blumenwiese I.
Ushguli – Weite Aussicht mit Blumenwiese II.
Blühende Bergwiesen, weite Täler und der Gipfel des Schchara über 5000 Meter hoch oben in den Wolken. Wehrtürme, die den Jahrhunderten trotzen, Wachhunde, deren zotteliges Fell mehr an Bären als an Haustiere erinnert. Graue, braune Farben und dunkelgrüne Wiesen. Ushguli fühlt sich sehr an, wie am Rande Europas; irgendwie auch am Rande der westlichen Welt. Hinter den Bergen ist Russland.
Kleine Wanderwege führen einige Kilometer in verschiedene Richtungen durch das Tal oder hoch auf die umliegenden Gipfel – aber es sind nur ein paar Monate im Jahr, in denen alles so zugänglich ist. Auch im Sommer muss ich oben in den Bergen meinen Weg durch einsame Schneefelder suchen. Markierungen gibt es nur selten. Im Winter ist Ushguli oft viele Tage vom Rest der Welt abgeschlossen. Manchmal fällt der Strom aus. Wer hier lebt, muss sich selbst versorgen, gegenseitig unterstützen und in der kleinen Gemeinschaft des Dorfes Regeln, Wege und Absprachen finden, die für alle irgendwie funktionieren.
Ein Augenmerk auf Grün- und Brauntöne. Dunkelgrüne Wiesen, Gletscher, verwitterte Mauern, Felsen und Hundefelle: Die Farben Ushgulis auf verschiedenen Farbfilmen.
Ushguli – Ortteil Zhibiani mit der Zorki auf seltenem Svema Color 100 Farbfilm aus der Ukraine
Ushguli – ein großer zotteliger Straßenhund
Ushguli – Fenster mit Vorhang
Altes Auto vor alten Häusern in Ushguli
Ushguli – Zhibiani abends
Die Lamari-Kirche oberhalb von Ushguli
Ushguli – Farben der Häuser mit Grün, Gelb und Brauntönen
Ushguli – Ein Wachhund unter einer bunten Lichterkette
Blick über Ushguli-Chazhashi auf das Tal und die Straße Richtung Mestia
Ushguli – mit grünen Feldern und Wiesen zwischen den Bergen des Großen Kaukasus
Grüner Zaun in grüner Landschaft – Vor der Lamari-Kirche in Ushguli
Abgelegener Blick, hinter einem Wäldchen die Hügel hoch in die Wolken beim Enguri-Fluss in der Nähe von Ushguli
Sonnige und wolkige Flecken auf den grünen Hängen im Tal Richtung Schchara-Gletscher
Blick über Ushguli mit weiter Landschaft, Schneebergen und Wolken um den Gipfel des Schchara
Felsen, Eis und Schnee im Großen Kaukasus
Vor dem Schchara-Gletscher. Kleine Menschen, Felsen, Geröll und Brauntöne
Blick auf Ushguli-Chazhashi durch das Jupiter 9 85mm Objektiv auf abgelaufenem Fuji-Film
Einzelne Sonnenstrahlen und Blumenwiese in Ushguli
Als Gemeinschaft bietet Europa mehr Sicherheit und ist ein lebenswerterer Ort, als es einzelne Nationalstaaten wären, die sich gleichgültig oder sogar feindselig gegenüberstehen.
Um ein Gespür für die Zukunft und die Chancen Europas zu entwickeln, muss man es auch von außen betrachten. Europa ist weit mehr als nur die EU. Um die großartigen Möglichkeiten und das Glück, vereint zu sein, wirklich zu begreifen, sollten wir verschiedene Perspektiven einnehmen. Besonders wertvoll sind dabei die Sichtweisen der Menschen, Städte und Länder an den Rändern Europas. Das waren ungefähr meine Gedanken beim Start dieses Portfolios.
Straßenfotografie in Kiew: Menschen in der U-Bahn, auf dem Chreschtschatyk, im Park, am Fluss Dnepr, zwischen Denkmälern…
Silhouetten von Menschen und Denkmälern im Gegenlicht
Abendspaziergang auf dem Chreschtschatyk – ohne Autos
Blumengeschäft in der Metro von Kiew
Menschen auf einem Denkmal
Menschen, vertieft in einer Kirche in Kiew
Ein Soldat wirkte sehr bewegt. Er lief länger hin und her und machte viele Fotos
Brautpaar am Ufer des Dnepr
Ein Straßenkünstler sprayt Planeten auf dem Chreschtschatyk
Wandbild und Straßenkünstler und Händler auf dem Andreassteig in Kiew
Spiegelungen von Passanten in einer Pfütze
Auf der Parkbrücke, der Fußgängerbrücke über den Dnepr
Ein sonniger Morgen im Stadtpark an einem Winterwochenende in Kiew
Gegenlicht mit Autos auf dem Kreschatik
Der Text „первая телемортация Рика и Марти“ könnte übersetzt heißen: „Die erste Tele-Mortifizierung von Rick und Morty“. „Telemortifizierung“ könnte auf einen Begriff aus einem Science-Fiction oder einen Spaßbegriff anspielen, der mit „Tele-“ (wie Telefon oder -transformation) und „Mortifizierung“ (was „Tod“ oder „Verfall“ bedeutet) kombiniert wird. Es könnte sich also um eine „Teleportierung“ handeln. „Rick und Morty“ könnte auch ein Bezug zu einer populären Serie sein, die oft mit abstrusen oder absurden Konzepten spielt.
Eine junge Frau am Fenster der Metro an der Station Dnipro
In der U-Bahn in Kiew an einem Wintertag
Alle Menschen in Europa teilen eine gemeinsame Zukunft
Europa ist klein. Auf etwa 10,5 Millionen Quadratkilometern tummeln sich historisch schon immer viele verschiedene Menschen. Von Åland bis Andalusien, ob Basken, Bretonen oder Bayern… Jedes Volk hat seine eigene Geschichte, traditionelle Trachten, Brauchtum, kulinarische Spezialitäten und Musik.
Eine Sache teilen jedoch alle Menschen in Europa, und das ist die gemeinsame Zukunft auf engem Raum. Was die Menschen in Europa verbindet, ist der Wunsch, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und die Hoffnung, dass es vorangeht. „Was verbindet die Menschen in Europa?“ weiterlesen