Lieblingskamera in New York

Was macht eine Lieblingskamera so kostbar? Ein Mensch, der sich geliebt fühlt, versprüht einen ganz besonderen Glanz. Aber können auch Dinge funkeln? Wollen Kameras lichte Augenblicke des Glücks erhaschen? Das Schillern der Morgenröte? Das Leuchten in den Augen? 

Weiter Blick von der Edge-Aussichtsplattform, 336 Meter hoch über der Stadt: 

Als Arete (griech. ἀρετή) beschreibt man die besondere Tauglichkeit einer Sache. Ihre wesentliche Qualität, durch die sie ihre Aufgabe erfüllt. Was wäre wohl dann die Arete meiner Lieblingskamera? Ich habe sie nach New York gebracht und mit ihr eine Woche lang ausführlich die Stadt erkundet. Meine Überlegung dazu war: Was würde sich eine Kamera wünschen, wenn sie könnte? Was wäre der Lebenstraum dieser kleinen alten Zorki? Und bevor es hier jetzt zu sentimental wird: An mich dachte ich auch. Ich wollte gerne in die Stadt. Dinge haben keine Seele. Ganz ehrlich, Name und Marke der Kamera sind für das Bild eigentlich gleichgültig. Vor allem, wenn man sich klar macht, dass das analoge Foto durchs Objektiv gemacht wird und auf Film entsteht. 

In Harlem habe ich gewohnt und hier war ich die meiste Zeit unterwegs: 

Wie Zauberstäbe brauchen auch Kameras einen Träger, eine Idee und eine Absicht dahinter. Ein Fotoapparat folgt im Moment des Auslösens strikt seinen eigenen technischen Gesetzmäßigkeiten. Als künstlerisches Instrument betrachtet sind Kameras jedoch nicht autonom. Äußere Umstände, Ideen, Wahrnehmungen, Überlegungen und sogar Gefühle des Fotografen spielen für das Bild ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Letztendlich dachte ich einfach, weder gefühlsduselig noch völlig rational, mit meiner Lieblingskamera müsste ich doch sicher ganz besonders schöne Fotos machen können. Und New York war dann die ‚coolste‘ Stadt, die ich mir für diesen Versuch denken konnte.  „Lieblingskamera in New York“ weiterlesen

ORWO TC27

Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten

Mit vollem Rucksack bin ich im Juli in die Berge gefahren. Im Gepäck hatte ich jedoch nicht nur alle meine Lieblingskameras, sondern auch Wechselsack, Caffenol, Fixierer und Entwicklungsdöschen.

Ewig zu warten, bis man seine Ausbeute begutachten kann, erschien mir keine gute Lösung. Deswegen war sogar ein Reise-Scanner mit dabei. So hatte ich ein kleines, aber komplettes Berglabor und konnte drei Wochen lang ungestört arbeiten, Fotos machen und die Filme direkt entwickeln und anschauen.

Mir macht es sehr viel Spaß, neue Filme auszuprobieren. Dabei recherchiere ich vorher den Stil eines Films und versuche passende Themen und Motive zu finden. Filme mit stark S-förmiger Gradationskurve sehen beispielsweise oft besonders düster aus. Manche Filme schillern in silberigem Glanz und erinnern an alte Kinolegenden. Es gibt aber auch solide, robuste Klassiker wie den Kodak Tri-X 400. Das ist dann vielleicht langweiliger, funktioniert aber und liefert zuverlässige Ergebnisse.

Mein Caffenol-Rezept ist inzwischen ausgiebig erprobt und funktioniert eigentlich mit allen Filmen.

Caffenol-C-L
300 ml Wasser
5 g. Wasch-Soda
3 g. Vitamin C
12 g. Löslicher Kaffee
1 Meßlöffel (0,5-1 g.) Kaliumbromid

300 ml passen genau in eine kleine Jobo Filmentwicklungsdose. 70 Minuten Entwicklungszeit sind es bei 20 Grad. Die ersten 10 Minuten hin und wieder bewegen und vorsichtig schütteln. Anschließend 60 Minuten einfach nur stehen lassen.

Der Vorteil dieser Semi-Stand Entwicklung ist, dass sich das Caffenol anfangs gleichmäßig verteilt, danach wirkt der Entwickler aber ausgleichend. Ich habe das Gefühl, dass sich der Film nimmt, was er braucht. Caffenol C-L ist außerdem durch das wenige Soda nicht so stark und mit der langen Zeit von 70 Minuten ist es ein gutmütiges Entwickeln, welches manche Fehler verzeiht.


Hier die ersten Ergebnisse aus dem Berglabor. Morgendliche Schafherde auf dem Weg zur Alm und ein etwas makaberes Stillleben mit toten Mäusen und verwitterter, bemooster Barbiepuppe, die ich im Wald gefunden habe.

Eigentlich unfair zu erwähnen, dass es ein CFP Double-X Kinofilm ist, denn ich habe ihn so verhunzt, dass spezifische, filmimmanente Qualitäten keine Rolle mehr spielen. 

Fatal war: Ich hatte keinen Messbecher und nur ein zu kleines Marmeladenglas. Da ich mein frisch angerührtes Caffenol ohne Vorwässern nicht in einem Rutsch, sondern in zwei Anläufen in das Entwicklerdöschen geschüttet habe, ist eine unschöne Linie über den ganzen Film entstanden. Gleichmäßiges Eingießen und sanfte Bewegung am Anfang des Entwicklungsprozesses sind, wie man sieht, essenziell.


Umso feiner ist der nächste Film geworden. Tatsächlich ist es einer meiner Lieblingsfilme, der ORWO DN21. Weil er nur 16 ISO hat, kann man auch bei helllichtem Tage mit weit geöffneter Blende fotografieren und das Jupiter 9 Objektiv kann mit ihm seinen ganzen Charme entfalten.

Hier eine Auswahl mit dem ORWO DN21. Die Bilder wirken fein, scharf, hell, freundlich und besonders auch in den Mitten differenziert. Es ist ein fabelhafter Film für sonnige Ferientage mit einem lichtstarken Objektiv. 

Die Ergebnisse des ORWO DN21 wirkten so exquisit, dass ich sie zuhause mit einem guten Scanner nochmal eingelesen habe um genauer hinzuschauen. Tatsächlich ist er so superfein, dass man kaum noch Korn erkennen kann und selbst an weniger dichten Stellen findet sich noch eine erstaunliche Tiefe mit Bildinformationen. „Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten“ weiterlesen

Kunstmarketing

Über Marketing gibt es viele Bücher und Blogs. Jedes große Unternehmen hat Marketingexperten. Doch trotz all diesem professionellen Wissen für nahezu alle Wirtschaftszweige gibt es kaum brauchbare Tipps und Ideen für Künstlerinnen und Künstler. Bücher zum Thema Kunstmarketing richten sich fast ausschließlich an kulturelle Institutionen, an Museen oder Konzerthäuser. Die meisten angebotenen Lösungen sind entweder zu trivial und bestehen nur aus schlagwortartigen Plattitüden, oder sie sind viel zu groß und umfassend für Einmannbetriebe, Freiberufler und Soloselbstständige. Auch Videos auf Youtube helfen nur selten weiter, weil man sie nicht ohne Weiteres in eine eigene Strategie umwandeln kann. 

Eine besondere Herausforderung ist, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit nicht immer und ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten können und wollen.

Bacchanal, Öl auf Holz, 33 x 46 cm © Georg Cevales
Bacchanal, Öl auf Holz, 33 x 46 cm

Bacchusfeste im antiken Rom waren Feierlichkeiten, die von den Bacchanten und Bacchantinnen oft mit wildester Ausgelassenheit zelebriert wurden. 

Das Bacchanal ist ein typisches Sujet in der Kunst und hat schon immer Sammlerinnen und Sammler angesprochen. Für meine Überlegungen zum Produkt- und Werkkonzept in der Malerei habe ich mich hier von Francesco Zuccarelli inspirieren lassen und ein kleinformatiges Bacchanal mit Öl auf Holz gemalt. Es ist quasi ein Kabinettstück, ein Bild, welches man unkompliziert besitzen kann, nicht teuer und speziell für kleine private Räume gedacht.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht als weiterer Experte hervortun oder ein komplett neues Fass aufmachen. Aber ich möchte einen inspirierenden Text schreiben und konkrete Ideen zusammentragen. In diesem Beitrag will ich Tipps sammeln, die Künstlerinnen und Künstlern helfen können, mit dem Thema Marketing umzugehen. Dabei soll dieser Text immer weiter wachsen und nach und nach zu einer umfangreichen Marketing-Inspirationsquelle werden. 

Vieles, was in der Wirtschaft funktioniert, kann theoretisch auch für Kunstschaffende gelten. Dennoch ist es in der Praxis nicht so einfach. Einerseits definieren sich Künstlerinnen und Künstler stark über ihre Tätigkeit. „Wollen Sie sich zur Hure des Marktes machen? Die Kunst ist frei!“ Kunstschaffende sind auch oft menschlich nicht ganz unkompliziert. Teilweise sind sie geradezu narzisstisch, selten kritikfähig und es fehlt ihnen jegliche professionelle Distanz zur eigenen Arbeit. Andererseits haben Kunstschaffende oft das Gefühl, alles zu können. Besonders wenn sie Geld brauchen, sind sie auch bereit (fast) alles zu machen: „Familienwappen? Porträts? Kopien? Ich male ihnen alles! Hauptsache, es kommt irgendwie Geld rein…“ 

Ikone, Öl mit echtem Lapislazuli und Gold auf Holz, 64 x 50 cm © Georg Cevales
Ikone, Öl mit echtem Lapislazuli und Gold auf Holz, 64 x 50 cm

Im Rahmen meiner Forschung zum Werk- und Produktkonzept in der Malerei habe ich diese Ikone mit Öl auf Holz gemalt.

Den Bildträger habe ich nach dem Hochwasser am Rheinufer gesucht, einige Jahre trocknen lassen und anschließend bemalt. Das Inkarnat ist auf Basis von zyprischem Ocker, der Kapuzenpulli mit Lapislazuli gemalt und die Heiligenschein-Krone aus Blattgold.

Wenn man in der Malerei über den Werkbegriff nachdenkt, ist die Ikone das Extrem. Eine Ikone ist quasi das Kunstwerk in seiner Reinform. Es gibt sogar in vielen Völkern Erzählungen über wundertätige Ikonen. Mit Gold und kostbarem Lapislazuli immer weiter überhöht und aufgeladen entsteht nach und nach ein richtiges ideelles Gegenüber.

Flexibilität ist am Anfang einer künstlerischen Karriere wichtig, um überhaupt zu überleben, genau darin liegt aber später auch eine Gefahr. Viele Künstlerinnen und Künstler haben kein eigenes Profil. Sie können alles und nichts. Niemand weiß, was sie eigentlich machen und wollen. Wer bin ich als Künstlerin? Wer bin ich als Künstler? Was mache ich? 

Marketing für Kunstschaffende heißt zunächst, die eigene künstlerische Identität auszubauen.

Absinthfee, Öl auf Holz, 93 x 71 cm © Georg Cevales
Absinthfee, Öl auf Holz, 93 x 71 cm

Die grüne Absinthfee ist ein metaphorisches Konzept für künstlerische Avantgarde und die Entdeckung und den Dialog mit neuen, jenseitigen Welten.

Künstler wie Manet, Gauguin, Toulouse-Lautrec, Picasso oder Vincent van Gogh wurden von ihr inspiriert. Aber auch für weniger berühmte Namen, die oft am Rande der Gesellschaft lebten, quasi den „Punks des 19. Jahrhunderts“, war sie Trost, Inspiration und Muse. Die Absinth Fee (französisch La fée verte) kann als Symbol für das Bohème sein und für prospektives Gedankengut in einer sich wandelnden Gesellschaft stehen. Sie ist ein Zeichen für poetische Inspiration, für eine freie Geisteshaltung, neue Ideen und Transformation.

Viele Strategien beginnen mit einer sogenannten SWOT-Analyse. Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. Für Künstlerinnen und Künstler ist das allerdings keine gute Herangehensweise. Die Risiken und Gefahren werden in den meisten Fällen erdrückend sein, die Chancen und Erfolgsfaktoren dagegen kaum auszumachen. 

Wettbewerb und Konkurrenzkampf wirken manchmal albern.

Profilbildung in der Wirtschaft geht auch oft über die Wettbewerber. Im Vergleich zeigen sich dann die eigenen Stärken… Doch auch dieser Weg ist für uns im Kunstbereich keine gute Methode. Schließlich möchten Kunstschaffende ja einzigartig sein. Im Vergleich mit seinen Wettbewerbern kann man sich dann zwar wunderbar anpassen, gleichzeitig wird man aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten, Defizite und Schwächen erleben. Von Selbstzweifeln geplagt könnte man schließlich feststellen, dass es eigentlich alles schon gab. Viele haben vielleicht auch schon ähnliche Sätze gehört wie: „Deine Bilder erinnern mich total an…“ oder „du musst dir unbedingt mal den Künstler XY anschauen, der macht auch so Sachen.“

Besser als die klassische SWOT-Analyse ist es stattdessen den eigenen Wünschen einen Raum zu geben. Meine Marketingstrategie gründet deswegen auf Hoffnungen und Wünsche. Ich glaube, dass gerade im eigenen Willen und in Wünschen und Träumen eine ungeheure Kraft und großes Potenzial steckt. Und wenn man ihn richtig verfolgt, schärft dieser Weg auch die eigene Persönlichkeit und das eigene künstlerische Profil. 

Eine gute Frage zu Beginn wäre: Was ist das Beste, was mir und meiner Kunst passieren könnte?

Im Anschluss kann man noch mehr ins Detail gehen: Will ich Bilder verkaufen? Möchte ich von Kuratoren und Galerien entdeckt werden? Möchte ich Preise oder Stipendien gewinnen?
In den nun folgenden Absätzen will ich meine Ideen, Beobachtungen und Gedanken zu diesen drei konkreten Fragen zusammentragen.  „Kunstmarketing“ weiterlesen

Identität und Präfiguration. Zum Umgang mit offenen Kunstsystemen. 

In der Kunst geht es am Ende immer auch um den Menschen. Dabei ist es manchmal jedoch gar nicht so einfach, die Menschen zu mögen. Für viele Probleme kann man die Menschheit verantwortlich machen. Allein die Umweltprobleme: Plastik im Meer, Artensterben, Klimawandel… Trotzdem ist die Menschenliebe für Künstlerinnen oder Künstler ein sehr wirksamer Antrieb und viele Arbeiten drehen sich um den Zweck des Menschseins oder das Verhältnis des Menschen zur Welt. 

Besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Menschen gern zu haben. Dabei hilft, wenn man sich klar macht, dass viele unserer globalen Probleme in Wirklichkeit nicht von einzelnen Menschen gemacht sind, sondern in der Form ihres Zusammenlebens gründen. Tatsächlich sind nur selten einzelne Menschen schuld. Unsere Probleme sind vielmehr Probleme der Gesellschaftsform: Es sind wirtschaftliche und politische Probleme, aber keine Probleme des Menschen an sich. Es gibt eine gemeinsame Verantwortung einer Gesellschaft, beispielsweise gegenüber der Geschichte und gegenüber gemeinsamen Idealen und Werten. Jedoch alle Menschen pauschal verantwortlich zu machen ist insbesondere auch deshalb unfair, weil die meisten Menschen mit den aktuellen Zuständen der herrschenden Elite, korrupten Politikern oder Militärdiktaturen absolut nicht einverstanden sind. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Es wäre zynisch, wenn man sie für die Situation in ihrer Heimat verantwortlich machte. Auch lebt beispielsweise die Hälfte der Menschen in armen Verhältnissen (48,4 % der Weltbevölkerung lebten 2013 von weniger als 5,50 Dollar am Tag) und hat überhaupt nicht genug Geld, um exzessiv zu konsumieren und viele Ressourcen zu verbrauchen. Die Menschen sind also nicht das Problem, sondern die Gesellschaftsform und sehr wenige einzelne Privilegierte, die unverhältnismäßig davon profitieren. 

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Oben auf dem Gipfel, Gegenlicht

Wie Künstlerinnen und Künstler in Zukunft glücklich und effektiv arbeiten können. Mein Portfolio-Konzept.

Künstlerische Positionen bieten eigene Blickwinkel auf aktuelle Fragestellungen. Ob Gesellschaft, Umwelt oder wirtschaftliche Fragen… Kunstschaffende entwickeln auf kreativen Wegen eigene Positionen zu einer großen Vielzahl von Themen. Oft sind das Themen, die auch für andere interessant sein können. Beispielsweise für ein interessiertes, aber eher kunstfernes Publikum, aber auch für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. 

Ich habe in diesem Zusammenhang zwei Felder ausgemacht, die ich verbessern möchte und zu denen ich mir an dieser Stelle Gedanken machen möchte:

Der hinterfragende, suchende Ansatz von vielen Kunstschaffenden lässt sich oft nicht kurz und einfach darstellen.

Beispielsweise sind soziale Medien wie Twitter, Facebook oder ein Video bei Youtube eine sehr gute Möglichkeit, um gesehen zu werden. Die Aufmerksamkeitsspanne ist dort aber eher kurz und wird der komplexen Thematik und der gewünschten Tiefe und Betroffenheit der künstlerischen Position selten gerecht. Eine Folge ist, dass viele Themen nur vereinfacht dargestellt werden. Die Sozialen Medien sind zunächst vielleicht kurz von Vorteil, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Langfristig sind sie aber ungünstig, wenn nichts weiter kommt bzw. wenn der nötige Hintergrund fehlt.
Sieht man nur das Ergebnis eines Prozesses, ist die Wahrheit oft nicht so klar und eindringlich, wie wenn man auch den dahin führenden Diskurs mit überblicken kann.

Ein Portfolio ist normalerweise eine Sammelmappe. Nur die besten Arbeiten werden zusammengefasst. Aber welche Arbeiten sind die besten? Im Rahmen dieses Beitrags über Portfolios zeige ich ausschließlich mit Kaffee (Caffenol) selbstentwickelte Fotos.
Es ist eine strikte Auswahl nur der Bilder, welche im letzten Jahr am meisten „Likes“ bekommen haben. Es sind vielleicht nicht meine besten Fotos, aber ganz klar meine beliebtesten. 

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Über das Interessante

In den vergangenen Wochen habe ich oft Notizen gemacht und viel gezeichnet. Hier möchte ich einige dieser Zeichnungen zeigen und aus meiner Sammlung an losen Gedanken herausschreiben, was interessante Dinge, Situationen und Menschen charakterisiert.
Generell würde ich gerne behaupten, dass alles interessant sein kann. Interesse ist vor allem eine innere Haltung und liegt nicht allein in den äußeren Dingen, sondern vielmehr auch in unserer Fähigkeit durch Empathie, Begeisterung und Phantasie mit der äußeren Welt umzugehen und dadurch unsere eigene Welt zu erfüllen und zu bereichern. 

Aber ganz von Anfang an: Was ist interessant?

Interessant ist zum Beispiel etwas Besonderes: Außerordentlich groß, ungeheuer wertvoll, selten, kostbar, extrem… Gerade wenn wir es noch nicht so richtig begreifen und kein festes Bild haben, wird unsere Phantasie angeregt. 

Interessant kann aber auch sein, wenn man eine Sache besser versteht, die einen viel beschäftigt hat. Etwas, wo man starke Gefühle und auch Widerstände erlebt hat. Dann sind neue Aspekte dazu interessant: Lösungen, Instrumente, Tricks, Wege die mich weiterführen und mir helfen, mein eigenes Projekt daraus zu machen. Interessante Themen schaffen Sinn, bewegen mich und ich kann sie in meinem Leben anwenden. Aber auch unnützes Wissen kann interessant sein und unterhalten. 

Das Wie ist entscheidend. 

Interessant ist vor allem die Eigenschaft von etwas. Interessant ist, wie es aussieht, wie es reagiert oder wie es gemacht wird. Was es ganz konkret ist, ist indessen schnell langweilig. Das Wie kann unser Interesse wecken und spannend sein. Sowie uns etwas interessiert, sind wir auch schon dazwischen und nehmen teil. Wenn wir uns angesprochen fühlen und involviert sind, nehmen wir all die Facetten wahr, die unser Leben insgesamt reicher und lebhafter machen.  „Über das Interessante“ weiterlesen

Poetische Fotos aus Berlin

Fotos einer Stadt schaffen über die Zeit einen persönlichen Raum der Erinnerungen. Hier möchte ich meine Berlin-Fotos zusammenfassen. Nachdem ich früher zwei Jahre dort gelebt habe, bin ich inzwischen nur noch selten in Berlin. Aber bei jedem neuen Besuch mache ich natürlich neue Fotos. An sonnigen Sommerabenden ebenso wie an verregneten Novembermorgen…

Küchentisch meiner alten Wohnung in Berlin

In diesem Portfolio sollen nur wenige, aber dafür besondere, interessante Bilder aus Berlin zu sehen sein. Und nach jedem Besuch kann die Sammlung um ein paar neue Fotos wachsen. 

Wie Berlin ist, kommt darauf an wen man fragt. Berlin ist Party, Geschichte, Politik, viel zu groß, unfreundlich, gentrifiziert, Hauptstadt, das grüne Umland, international, kreativ, Techno, arm aber sexy, häßlich und grau…  

Falls man der Stadt eine eigene Poesie zusprechen möchte, wäre es jedenfalls eher kein gemütlicher, heimelig-romantischer Zauber. Berlin ist nicht das Venedig des Nordens oder das Paris des Ostens. Aber etwas Eigenes ist Berlin auf jeden Fall.  

Schnappschüsse mit der legendären LOMO LC-A:

Ein Kriterium für meine Auswahl war „poetisch“. Ich wollte „dichterische“ oder „lyrische“ Bilder aussuchen und meinte damit den Wunsch, in irgendeiner Form beseelte Fotos zu finden. Deshalb sind es auch nur analoge Fotos. Im Gegensatz zu digitalen Fotos wirken analoge Fotografien einheitlich, rund und mehr aus einem Guss. Wie eine Glocke ohne Sprung. Die Dinge scheinen in der physischen Bildebene aufzugehen und wirken eben nicht ausgeschnitten oder isoliert, wie es oft bei digitalen Fotos der Fall ist. Die Emulsionsschicht ist wie eine Luftschicht, ein freier Raum, von Licht durchflutet. Im Bereich der Emulsion ist die Atmosphäre zum leben und atmen für das Bild. Es wird nichts berechnet, reduziert oder korrigiert. Die bildgebenden Prozesse sind chemischer Zauber, alchemistische Verwandlung… Echte, analoge Fotos sind physische, beinahe haptische Bilder. 

Schwarzweiße Fotos von Wänden und Spiegelungen: 

Drei inhaltliche Kriterien für ein poetisches Foto sind beispielsweise:

  • Wie ist es fotografiert? Der spielerische Umgang mit dem Was. Zufall, Glück oder Kunstgriff. Jedes Foto ist eine Abstraktion. 
  • Muss das Foto authentisch sein? Die Wirklichkeit liegt auch oft in falschen Farben, verwackelt oder unscharf vor uns. 
  • Gewöhnlich oder alltäglich? Alles was meinen Blick festhält, ist wert genug fotografiert zu werden. 

„Poetische Fotos aus Berlin“ weiterlesen

Kunst der Nachhaltigkeit – Ausstellung in der Galerie der Global 3000 Group in Berlin

Herzliche Einladung zu unserer Ausstellung:
„Kunst der Nachhaltigkeit“

Von mir gibt es einen mit Kaffee entwickelten Handabzug vom Rhein zu sehen.
Im Sommer 2020 bin ich mit Fahrrad und Zelt immer weiter den Rhein hinauf gefahren. Dabei ist dieses Foto entstanden.
Weil ich zu wenig Entwickler (Caffenol) genommen habe, ist der Film (ORWO P400) ungleichmäßig entwickelt. In diesem Fall ein „Happy Little Accident“ – so tritt nämlich der Himmel plötzlich schön dramatisch hervor und ich habe ein analoges High Dynamic Range Foto (HDR-Bild, Bild mit hohem Dynamikumfang) geschaffen.  

Rheinarm, mit Caffenol entwickeltes, analoges HDR Foto

Mit Kaffee Filme zu entwickeln und von diesen Filmen ebenfalls mit Kaffee in der Dunkelkammer große Abzüge zu entwickeln, erscheint mir fast wie Zauberei. Komplett analog und weitgehend mit Verzicht auf komplizierte Chemikalien. 

Der Versuch sich zu reduzieren und alternative Wege zu suchen ist gerade in der Fotografie immer auch experimentell. Man lernt sehr viel über Materialien und Technik und bekommt durch die (nur scheinbare) Einschränkung ganz neue Möglichkeiten und überraschende Ergebnisse. 

Die Ausstellung mit Foto, Malerei, Zeichnung, Collage, Installationen, Objekte und Videos von 41 Künstlerinnen und Künstlern ist vom 4. September bis 2. Oktober 2020 in der Galerie für nachhaltige Kunst „Group Global 3000“, Leuschnerdamm 19 in 10999 Berlin Kreuzberg.

Link zur Ausstellung:
https://gg3.eu/de/kunst-der-nachhaltigkeit/

PROGRAMM: 

Vernissage 4.September 2020, 19:00 Uhr 

  • „Die Arbeit von GG3“: Tom Albrecht
  • Eröffnungsrede zur Ausstellung: Jule Böttner, M.A.
  • Whathappensnext Ensemble Berlin: Stimmen, Viola, Saxophon, Akkordeon 

Hier ein paar Farbfotos von unserer Vernissage:

Künstlergespräch 11. September 19:00 Uhr

Online-life-Vortrag 22. September 19:00 Uhr
„Nutzen, was da ist. Ein komplexer Ansatz für zukunftsfähiges Wirtschaften“, Dr. Corinna Vosse. Link zum dialogischen jitsy-meet ab 18:45 auf der Website

Finissage 2. Oktober 19:00 Uhr

Street Photography in Paris

Um eine fremde Stadt kennenzulernen, gehe ich am liebsten spazieren. Auf den Straßen, in der Metro, auf Plätzen und in Parks sieht man die Menschen, erlebt die einzigartige Architektur und findet all die Besonderheiten, die schließlich das eigene, selbst gewonnene Bild der Stadt ausmachen.

Millionen Touristen fotografieren jedes Jahr Paris. Es ist eigentlich nicht nötig, noch mehr Fotos von der Stadt zu machen. Es gibt fantastische Bildbände, Kalender, Poster und Postkarten. Aber so wie etliche Fotografen vor mir bin auch ich gerne in Paris. So wie die meisten anderen Besucher mit ein paar Tagen Zeit, mit Hotelzimmer und gutmütiger Urlaubskasse, habe auch ich einen touristischen, privilegierten Blick. Aber ich glaube durch diese Distanz und Muße, weil ich nicht so richtig dazugehöre, erlebe ich auch den besonderen Charme von Paris auf meine eigene Art.
Es ist eine prickelnde Leichtigkeit, Weltoffenheit und so ein unternehmungslustiger Optimismus, den die Stadt ausstrahlt. Die Luft scheint duftiger, die jungen Frauen anmutiger, die Bäckereien feiner und die Straßen lebendiger als anderswo. Ein bisschen davon möchte ich versuchen, in diesem Beitrag wiederzugeben.

Dieses Portfolio soll in mehreren kleinen Galerien eine Auswahl mit besonders geglückten analogen Fotos aus Paris zeigen. Sozusagen meine besten Bilder aus mehreren Aufenthalten. Sommer, Herbst, Frühling … Alles auf Film fotografiert und überwiegend mit meiner Lieblingskamera, der Zorki 4K. Aber auch die legendäre LOMO LC-A und die feine kleine Rollei 35 haben ihre eigenen Galerien beigetragen. Die Schwarz-Weiß-Filme  sind dabei teilweise sehr experimentell selbstentwickelt: mit Kaffee stundenlang gepusht oder auch mehrfach entwickelt und gebleicht. So finden sich hier für Freunde der analogen Fotografie manchmal auch Hinweise auf den Film und was ich damit gemacht habe.

Ich empfehle, einfach über die Galerien zu fliegen und nur einzelne Bilder in groß anzuschauen. Paris ist eine riesige Stadt und ein unerschöpflicher Quell an Eindrücken, Situationen, Düften, Geräuschen und Straßenszenen. So wie man sich manchmal in der Stadt überfordert fühlt, ist es auch hier viel zu viel, was man sich ansehen könnte. Es sind über 100 Fotos: Louvre, Montmartre, Eiffelturm, Straßen, Parks, Menschen, Frühling, Sommer, Herbst … Es reicht in Ruhe durch den Beitrag zu scrollen, vielleicht bleibt manchmal der Blick hängen. Am Ende wird man einen eigenen und vielleicht auch neuen Eindruck von Paris bekommen haben.

Auftakt erstes Foto, neuer Film. Ankunft in Paris. Brücke über die Gleise am Gare de l’Est

In einer großen und alten Stadt wie Paris kreuzen sich viele Wege. Besonders im kulturellen Bereich ist Paris ein führendes Zentrum und neben New York und London eine der wichtigsten „Global Citys“ der Welt. Solche Orte, wo viele Ströme zusammenfließen, sind spannend und pulsieren vor Leben und Energie.

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“ – Heinrich Heine

Ein neuer Tag, sonniger Morgen in Paris. Bei einem Spaziergang entlang der Seine bekommt man einen schönen ersten Eindruck von der Stadt.

Es macht Spaß mit Lieblingskamera und frisch eingelegtem Film durch die Straßen zu schlendern oder im Cafe zu sitzen und von einem kleinen Bistrotisch aus die Menschen zu beobachten.

Street Photography mit der Zorki 4K. 

Paris ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Die Pariserinnen sind elegant, lässig, mit wuscheligen Haaren, schicken Outfits, und obwohl sie alle so cool aussehen, duften sie auch noch zauberhaft und wirken sehr feminin und zart. Es ist unmöglich, an den Bäckereien vorbei zu laufen, und wenn man eintritt, kommt man ganz bestimmt mit mehr Eclairs, Törtchen, Croissants und Baguettes heraus, als man ursprünglich wollte. Alles ist so schön und lecker … Die Straßen sind wie eine Bühne und Jung und Alt flanieren die Boulevards entlang und entspannen in den Parks. Es gibt viele Cafés und unkomplizierte Restaurants. Manche dieser Pariser Qualitäten klingen wie ein Klischee, aber vor allem im direkten Vergleich mit anderen Großstädten ist Paris doch trotz seiner Größe eine eher entspannte und angenehme Stadt und gut zu Fuß zu entdecken.

Direkt vor dem Louvre liegt die Brücke Pont des Arts. An einem sonnigen Sommerabend am Ufer der Seine scheint alles nochmals leichter, lockerer und unbeschwerter. 

Fast 10 Millionen Besucher kommen jährlich zum Louvre, die schönen Künste betrachten. Es ist das größte und meistbesuchte Kunstmuseum der Welt. Vor der Glaspyramide am Haupteingang machen täglich Hunderte ein Selfie. Und auch abends, wenn das Museum geschlossen ist, finden sich hier viele Menschen zum Rollschuhfahren und für Spaziergänge durch die Stadt, zum nahe gelegenen Seine Ufer oder den Jardin des Tuileries.

Für den Louvre habe ich mir ein besonderes Experiment überlegt. Mit hochempfindlichem Film und der kleinen Rollei35 begab ich mich auf Entdeckungsreise. In Innenräumen und ohne zusätzliche Beleuchtung ist es normalerweise schwierig, aus der Hand zu fotografieren. Diesen Film habe ich anschließend über zwei Stunden in Caffenol entwickelt. Standentwicklung wirkt ausgleichend. Um das Ganze noch etwas mehr zu pushen, habe ich das Entwicklungsdöschen nach einer Stunde einmal bedächtig geschüttelt.

Ein Tag im Louvre, mit Caffenol hochgepushter Schwarzweißfilm: 

An einem der ersten Frühlingstage habe ich einen Abendspaziergang durch Paris gemacht. Mit Langzeitbelichtungen, Funkelnden Blendensternen und vielen Farben. Es ist ein besonderer Farbfilm, Color Mission 200 von Adox, den ich hier mit der Zorki Kamera in Paris ausprobieren wollte. 

Europas größte Bürostadt „La Défense“, das Hochhausviertel im Westen von Paris, wirkt während der Arbeitszeit, wenn alle Menschen am Schreibtisch sitzen, wie ausgestorben.

Das Pariser Büroviertel La Defense mit der Lomo Kamera. 

Vormittags bin ich über leere Plätze und einsame Brücken gewandert. Nur ein paar Tauben gurrten auf der Treppe des Grande Arche.

Mit der Zorki und dem schönen Street Candy Film habe ich mir Europas größte Bürostadt, das Hochhausviertel La Défense im Westen von Paris genauer angeschaut. 

Ab 12 Uhr strömen plötzlich überall Menschen aus den Bürotürmen. Foodtrucks verteilen kleine braune Papiertüten mit Essen aus aller Welt: Exotische Caribic Bowls, gesunde Salädchen, deftige Burger… Für jeden ist etwas dabei und innerhalb weniger Minuten verteilen sich tausende gut gekleidete Menschen über die Plätze, um Brunnen und Wasserflächen, auf Treppenstufen und Parkbänke. Überall wird entspannt aber dennoch sehr manierlich und rücksichtsvoll gepicknickt, Boule gespielt oder mit den Kollegen geplauscht.

Die Japan Bridge von dem japanischen Architekten Kisho Kurokawa zwischen den Hochhäusern im Büroviertel La Defense.

Mittagspause im Büroviertel La Défense. Diesen stark unterentwickelten Schwarzweißfilm (JCH StreetPan 400) habe ich anschließend vielen unterschiedlichen digitalen Prozessen ausgesetzt: Mehr Kontraste, künstliche Farben und Filter wurden hinzugefügt.
So bilden die Fotos einen eigenartigen Gegensatz zur modernen Architektur und Effizienz der hochspezialisierten Menschen, die hier arbeiten. Einerseits wirken sie altmodisch, andererseits sind sie durch den übertriebenen Prozess, dem sie ausgesetzt wurden, eine  Metapher für das komplexe Arbeitsleben in den umgebenden Bürotürmen. 

Der Hügel Montmartre war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Kunst schlechthin. Was hier passierte, hatte weitreichende und kaum zu überschätzende Relevanz für die ganze Entwicklung der Malerei. Wer die Möglichkeit hatte, kam nach Paris und fand hier Inspiration, Austausch aber auch die nötige Freiheit, um seinen eigenen Ausdruck zu entwickeln.

Eindrücke eines grauen Herbsttags am Montmartre in Paris. Eher wenige Touristen, ein paar Straßenkünstler und entspannte Kopfsteinstraßen und Plätzchen.

Der Washi Film „F“ ist ein feiner Röntgenfilm. Wenn man ihn richtig behandelt, zaubert er fantastische Lichter und weiche, fast magische Bilder.
Zu heiß in Caffenol entwickelt, wird er allerdings, wie jeder andere Film auch, grobkörnig. An warmen Sommertagen, besonders bei langen Entwicklungszeiten von 60 Minuten und mehr, ist das eine Gefahr, an die man besser denken sollte.

Sommerlich kräftige Fotos mit dem Röntgenfilm „Washi F“ am Montmartre. 

Richtig geglückt ist dafür die letzte Aufnahme einer jungen Mutter in der Metro. Dieses Foto wäre eigentlich sehr stark unterbelichtet gewesen. Durch die unfreiwillige Push-Entwicklung ist es jetzt aber das Highlight des ganzen Films.

Street Photography in der Metro mit Zorki-Kamera und in Caffenol entwickeltem Röntgenfilm „Washi F“:  

Paris – eine junge Mutter in der Metro

Der Cimetière du Père-Lachaise ist der wohl berühmteste Friedhof in Paris. Zwischen Bäumen, wie in einem Park liegen hier auch viele Berühmtheiten. An einem Frühlingsabend faszinierten mich vor allem die kleinen bunten Fenster, durch welche die tiefe Sonne in die gemauerten Grabstätten und Gruften leuchtet.

Mit der Zorki und „Adox Color Mission“ Film war ich an einem Nachmittag im März auf dem Père-Lachaise Friedhof. Es ist ein Film, der insbesondere Grüntöne kräftig durchzeichnet und nicht so warme, sondern mehr „realistische“ Farben mit einem tiefen Kontrast wiedergibt. 

Wo früher der Ausstellungspalast Palais du Trocadéro stand, ist jetzt eine luftige Freifläche mit dem wohl berühmtesten Blick auf den Eiffelturm.

Am Trocadéro, der großen Aussichtsplatform mit Blick auf den Eiffelturm, kann man sehr gut Menschen beobachten. 

Luftige Menschen, Vögel und warmes Herbstlicht auf der Freifläche am Trocadéro.

Trotz seiner vielen historisch gewachsenen, ganz unterschiedlich bevölkerten Stadtteile, ist das architektonische Erscheinungsbild von Paris sehr einheitlich. Die bürgerlichen großen Stadthäuser im Zentrum sehen alle ähnlich aus. Die Pariser sind stolz auf ihre graublaue Dachlandschaft und wenn man vom Eiffelturm über die Stadt schaut, dominiert bis zum Horizont ein erstaunlich einheitlich grau-weißes Häusermeer. Nur die Bürotürme im Viertel La Defense heben sich ab und in der Ferne ahnt man die Großwohnsiedlungen in den Banlieues.

Ein weiter Blick über Paris bietet sich oben vom Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt. 

Der Eiffelturm muss ständig neu gestrichen werden. Wenn man die winzigen Arbeiter zwischen den Verstrebungen herumklettern sieht, bekommt man einen Eindruck von der Größe und ingenieursmäßigen Meisterleistung.

An einem bedeckten kalten Märztag bin mit dem superfeinen Fuji-Acros-Film und der Zorki vom Eiffelturm bis zum Gare du Nord quer durch die Stadt gelaufen.

Die LOMO LC-A ist die klassische traditionelle Lomo. Das ist die ursprüngliche Kamera, mit welcher damals eine Gruppe Studenten die Praxis der experimentellen Schnappschussfotografie erfunden hat. Ich habe eine noch neue original verpackte aus Sibirien geschickt bekommen und diese Parisreise war ganz offensichtlich das erste fotografische Abenteuer meines Exemplars.

Die Zehn Goldenen Regeln der Lomografie… Hier eine Auswahl mit Schnappschüssen von meinen Streifzügen durch Paris mit der Lomo LC-A. 

Für mich besonders in Paris war das Thema „Street Photography“. Straßenfotografie mit Menschen ist in meinen Augen einerseits die schwierigste, andererseits die schönste Facette der Fotografie. Tausend nicht gemachte Bilder spuken mir durch den Kopf. An jeder Ecke sieht man schöne Situationen, sieht wunderschöne junge Frauen, Situationskomik, charaktervolle Gesichter, den Zauber des Alltags… Alles zieht vorüber und nur ganz selten schaffe ich es meine Scheu zu überwinden, bin schnell genug und erwische den richtigen Moment. Digital ist es einfacher. Aus einer Masse an Fotos, in schneller Folge geschossen und mit der Möglichkeit auch kleine Ausschnitte in ordentlicher Qualität zu wählen, kann man den Menschen ganz anders auf die Pelle rücken. Analoge Straßenfotografie ist sehr viel zerbrechlicher. Man muss ein Gespür für die Situationen entwickeln, Film und Kamera sehr gut kennen und schnell und beherzt sein. Aber selbst wenn nur ein Foto auf der ganzen Filmrolle geglückt ist, freut man sich hinterher viel mehr.

Fotos mit Menschen sind hinterher oft am interessantesten. Aus der großen Masse an Fotos mit der Lomo LC-A habe ich hier meine Lieblings-Schnappschüsse ausgewählt. 

Die Zorki 4K ist dagegen trotz ihrem rustikalen und oft herablassend belächelten Image als „Leica des armen Mannes“ eine sehr feine und ausgereifte Kamera. Die Qualität der Bilder hat man mit der Zorki ganz in der eigenen Hand. Ich liebe besonders Fotos mit weit geöffneter Blende. Beim Jupiter 9 Objektiv mit 85 mm Brennweite bekommen die Fotos dadurch eine sehr weiche, traumhafte und beinahe malerische Atmosphäre. Alles wirkt kostbar, einzigartig und Menschen erscheinen fast wie Schauspieler zauberhaft hinterm Vorhang auf der Bühne eines kleinen altmodischen Theaters. Aber auch das Jupiter 8 ist sehr lichtstark und mit seinen 50 mm gut für die Street Photography geeignet. Für Reisen ist schließlich das Jupiter 12 Objektiv ideal. Mit 35 mm Brennweite entspricht es am ehesten unserem modernen Bildgeschmack, der etwas weitwinkeliger ist als früher, auf alten Fotografien.

Ob Liebesschlösser in der „Stadt der Liebe“ oder Spiele mit Licht und Farben in der Sainte-Chapelle – hier sind bunte Eindrücke der Zorki in Paris auf Farbfilm. 

Wenn man Filme mit Caffenol selber entwickelt, kann man regelmäßig kleine Überraschungen erleben. Einige meiner Filme aus Paris sind stark über- oder unterentwickelt. Wie auch in Indien, hatte ich in Paris lauter verschiedene Filme und habe auch einzelne Fotos oft unterschiedlich belichtet. Die Entwicklungszeiten muss man dann mehr schlecht als recht abschätzen. Was am Ende all dieser manuellen Prozesse übrig bleibt, ist manchmal auch allein technisch gesehen interessant oder zumindest kurios. Je nach Gesichtspunkt kann man auch in diesen Prozessen, im Zusammenspiel des Inhaltlichen mit dem Technischen eine gewisse Poesie entdecken.

Dieser Film (ein LOMO Berlin Film) wurde zweimal entwickelt. Nach dem ersten Durchlauf habe ich ihn wieder gebleicht und noch nass für kurze Zeit in die Sonne gelegt. Anschließend erneut entwickelt. So habe ich, ganz analog, den spritzigen Wassertropfen-Effekt hinbekommen. 

Es sind manchmal so unwahrscheinliche Umstände, so haarscharf gerade noch glückliche Faktoren… Was alles in perfekter Konstellation zusammengetroffen ist, um dann in Form dieses einen geglückten Fotos in die Welt zu treten… Wer versucht, Straßenfotografie und gelungene Schnappschüsse zu machen, erlebt viele verpasste Situationen.

Oft denke ich, das wäre jetzt schön gewesen. Das könnte interessant sein. Aber nur selten erwischt man den Moment genau perfekt und drückt im richtigen Augenblick den Auslöser. Analog geht das auch nicht so schnell und mit meiner Lieblingskamera, der Zorki, muss man auch noch eine ganze Menge einstellen. Schließlich ist für mich die Existenz mancher Fotos deswegen fast wie Zauberei.

Beispielsweise ist der Washi-F Röntgenfilm vom Montmartre extrem überentwickelt und sieht fast aus wie Griesbrei. Aber nur durch diese Überentwicklung ist das eine vormals hoffnungslos unterbelichtete Foto von einer jungen Mutter in der U-Bahn doch noch etwas geworden. Nur durch die zu hohe Temperatur, die „falsche“ Zeit oder vielleicht auch aufgrund der selbstgerösteten Kaffeebohnen, aus denen ich mein Caffenol gemischt habe, erkennt man plötzlich den friedlichen Gesichtsausdruck oder den besonderen Blick eines Typen, der vormals einfach nur im Schatten eines Cafés saß.

Es sind all diese Zufälle, die für manche dieser Fotos wie ein fantastisches Uhrwerk zusammen greifen und die für mich den Zauber der analogen Street Photography ausmachen.

Spaziergang über die Seine an einem warmen Herbstabend:

Titelfoto Analog Indien Caffenol Palolem Beach

Licht und Kaffee. Analoge Fotos aus Indien

Erfahrungen und Gedanken aus meiner experimentellen Laborküche auf Reisen. 

Übersicht meiner Filme für das Projekt in Indien

Inhaltsverzeichnis:

Reisen und Fotos gehören einfach zusammen. Speziell durch analoge Fotografie bekommen Erinnerungen in unserer digitalen Zeit eine ganz besondere Materialität, Poesie und eine fast schon haptische Wahrheit. 

In diesem Beitrag möchte ich meine analogen Fotos aus Indien zeigen und Notizen dazu niederschreiben: Gedanken über das Fotografieren, Kameras, die  verschiedensten Filme und wie ich mit Kaffee unterwegs in Indien in Hotelzimmern und Strandhütten Filme entwickelt habe und was mir dabei alles passiert ist. 

„Was ich sehe, ist nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit. Alles ist Abstraktion. Schönheit entsteht erst in der Zuwendung“

Wie in einem Magazin soll diese Seite zum herumblättern einladen. Es ist nicht nötig all den Text zu lesen. Überfliegt einfach die Fotogalerien, schaut vielleicht einzelne Fotos genauer an und scrollt hin und her. Das Herzstück sind die mit Kaffee unterwegs entwickelten und direkt vor Ort eingescannten indischen Schwarzweißfotos. Interessant sind oftmals aber auch die Motive der Farbfilme und einfach wunderschön sind Licht und Farben der Diafilme. Auf das für jeden etwas dabei ist und auf das jeder etwas für sich mitnehmen kann. 

Erste Eindrücke von Mumbai. Mit Caffenol und Natron entwickelte Filme. Ein Spaziergang durch Colaba und erste Fotos aus dem Trubel und Gewusel des Bazar Distrikts: 

Reisefotos, wenn sie nur Orte dokumentieren sollen, sind schnell langweilig. Aber wenn sie mir etwas bedeuten, weil sie mich erinnern, weil sie etwas bestimmtes zeigen, dass mir aufgefallen ist, dann können sie interessant werden. Zeichnen und Fotografieren sind für mich deshalb das gleiche. Beides schafft einen Zusammenhang zwischen meinem Leben und den ganzen Ereignissen um mich herum. Beides ist ein Weg sich zu positionieren. 

Sightseeing in Mumbai – Ein Vormittag mit dem CineStill X-Pro 50 Daylight Film und der Zorki4K.

Im Foto wird der Augenblick zu Material. Und das Fotomaterial wird zum Zeitzeuge. Fotos sind immer auch eine Abstraktion und dadurch eine eigene Interpretation. Aber genau in dieser Materialität liegt auch ihre Schönheit. Die Vereinfachung, ausgewählte Details, kurze, flüchtige Momente, Eindrücke im Straßenleben können plötzlich fast ein bisschen sowas wie Ewigkeit und Wahrheit werden. Situationen werden herausgestellt, das Eigenleben der Dinge kann im Foto nachklingen.  „Licht und Kaffee. Analoge Fotos aus Indien“ weiterlesen