Street Photography in Paris

Um eine fremde Stadt kennenzulernen, gehe ich immer am liebsten spazieren. Auf den Straßen, in der Metro, auf Plätzen und in Parks trifft man die Menschen, erlebt die einzigartige Architektur und findet all die Besonderheiten, die schließlich das eigene, selbst gewonnene Bild der Stadt ausmachen.

Dieses Portfolio soll in mehreren kleinen Galerien eine Auswahl mit besonders geglückten analogen Fotos aus Paris zeigen. Sozusagen meine Lieblingsbilder aus mehreren Aufenthalten. Sommer, Herbst, Winter… Alles auf Film und alles selbst entwickelt.

Ankunft in Paris. Brücke über die Gleise am Gare de l’Est

In einer großen und alten Stadt wie Paris laufen viele Wege zusammen. Besonders im kulturellen Bereich ist Paris ein führendes Zentrum und neben New York, London und Tokio eine der wichtigsten „Global Cities“ der Welt. Solche Orte, wo viele Ströme zusammenfließen, sind spannend und pulsieren vor Leben und Energie.

Ein neuer Film, ein neuer Tag. Auftakt mit ersten Eindrücken von Paris. 

Es macht Spaß mit Lieblingskamera und frisch eingelegtem Film durch die Straßen zu schlendern oder im Cafe zu sitzen und von einem kleinen Bistrotisch aus die Menschen zu beobachten.

Street Photography mit der Zorki4K und Jupiter 12 Objektiv. 

Mitten in der Seine liegt die Île Saint-Louis mit ihren schmalen Straßen und alten großen Häusern. Vom Quartier Latin aus kann man hier herüber gehen nach Marais, in den Stadtteil gegenüber am rechten Ufer der Seine.

Mit einem Spaziergang entlang der Seine bekommt man einen schönen Eindruck von der Stadt.

Direkt vor dem Louvre liegt die Brücke Pont des Arts. An einem sonnigen Sommerabend in Paris im Juli scheint alles nochmals leichter, lockerer und unbeschwerter. Warmes Licht am Ufer der Seine färbt dann auch meine Fotos eher feierlich und festlich.

Mit 9,6 Millionen Besuchern im Jahr 2019 ist der Louvre das meistbesuchte Kunstmuseum der Welt. Wenn alle diese Gäste vor dem Louvre ein Selfie machen würden, wären das über 25000 Selfies am Tag. Jede Stunde über 1000 und alle vier Sekunden ein Selfie…

Auch nach dem das Museum geschlossen hat, findet man noch viele Menschen vor dem Louvre. Rollschuhfahren oder einfach mit Freunden zusammen sitzen…

Europas größte Bürostadt „La Défense“, das Hochhausviertel im Westen von Paris, wirkt während der Arbeitszeit, wenn alle Menschen am Schreibtisch sitzten, wie ausgestorben.

Erste Eindrücke vom Pariser Büroviertel La Defense mit der Lomo Kamera. 

Vormittags bin ich über leere Plätze und einsame Brücken gewandert. Nur ein paar Tauben gurrten auf der Treppe des Grande Arche.

Mit der Zorki und dem schönen Street Candy Film habe ich mir Europas größte Bürostadt, das Hochhausviertel La Défense im Westen von Paris genauer angeschaut. 

Ab 12 Uhr strömen plötzlich überall Menschen aus den Bürotürmen. Foodtrucks verteilen kleine braune Papiertüten mit Essen aus aller Welt: Exotische Caribic Bowls, gesunde Salädchen, deftige Burger… Für jeden ist etwas dabei und innerhalb weniger Minuten verteilen sich tausende gut gekleidete Menschen über die Plätze, um Brunnen und Wasserflächen, auf Treppenstufen und Parkbänke. Überall wird entspannt aber dennoch sehr manierlich und rücksichtsvoll gepicknickt, Boule gespielt oder mit den Kollegen geplauscht.

Die Japan Bridge von dem japanischen Architekten Kisho Kurokawa zwischen den Hochhäusern im Büroviertel La Defense.

Mittagspause im Büroviertel La Défense. Diesen stark unterentwickelten Schwarzweißfilm (JCH StreetPan 400) habe ich anschließend vielen unterschiedlichen digitalen Prozessen ausgesetzt: Mehr Kontraste, künstliche Farben und Filter wurden hinzugefügt.
So bilden die Fotos einen eigenartigen Gegensatz zur modernen Architektur und Effizienz der hochspezialisierten Menschen, die hier arbeiten. Einerseits wirken sie altmodisch, andererseits sind sie durch den übertriebenen Prozess, dem sie ausgesetzt wurden, eine  Metapher für das komplexe Arbeitsleben in den umgebenden Bürotürmen. 

Der Hügel Montmartre war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Kunst schlechthin. Was hier passierte, hatte weitreichende und kaum zu überschätzende Relevanz für die ganze Entwicklung der Malerei. Wer die Möglichkeit hatte, kam nach Paris und fand hier Inspiration, Austausch aber auch die nötige Freiheit, um seinen eigenen Ausdruck zu entwickeln.

Eindrücke eines ganz normalen Nachmittags an einem eher grauen Herbsttag am Montmartre in Paris heute. 

Der Washi Film „F“ ist ein feiner Röntgenfilm. Wenn man ihn richtig behandelt, zaubert er fantastische Lichter und weiche, fast magische Bilder.
Zu heiß in Caffenol entwickelt, wird er allerdings, wie jeder andere Film auch, grobkörnig. An warmen Sommertagen, besonders bei langen Entwicklungszeiten von 60 Minuten und mehr, ist das eine Gefahr, an die man besser denken sollte.

Sommerlich kräftige Fotos mit dem Röntgenfilm „Washi F“ am Montmartre. 

Richtig geglückt ist dafür die letzte Aufnahme einer jungen Mutter in der Metro. Dieses Foto wäre eigentlich sehr stark unterbelichtet gewesen. Durch die unfreiwillige Push-Entwicklung ist es jetzt aber das Highlight des ganzen Films.

Street Photography in der Metro mit Zorki-Kamera und in Caffenol entwickeltem Röntgenfilm „Washi F“:  

Paris – eine junge Mutter in der Metro

Wo früher der Ausstellungspalast Palais du Trocadéro stand, ist jetzt eine luftige Freifläche mit dem wohl berühmtesten Blick auf den Eiffelturm.

Am Trocadéro, der großen Aussichtsplatform mit Blick auf den Eiffelturm, kann man sehr gut Menschen beobachten. 

Luftige Menschen, Vögel und warmes Herbstlicht auf der Freifläche am Trocadéro.

Trotz seiner vielen historisch gewachsenen, ganz unterschiedlich bevölkerten Stadtteile, ist das architektonische Erscheinungsbild von Paris sehr einheitlich. Die bürgerlichen großen Stadthäuser im Zentrum sehen alle gleich aus. Die Pariser sind stolz auf ihre graublaue Dachlandschaft und wenn man vom Eiffelturm über die Stadt schaut, dominiert bis zum Horizont ein erstaunlich einheitlich grau-weißes Häusermeer. Nur die Bürotürme im Viertel La Defense heben sich ab und in der Ferne ahnt man die Großwohnsiedlungen in den Banlieues.

Ein weiter Blick über Paris bietet sich oben vom Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt. 

Meine original russische LOMO LC-A ist die klassische traditionelle Lomo. Das ist die ursprüngliche Kamera, mit welcher damals eine Gruppe Wiener Studenten die Praxis der experimentellen Schnappschussfotografie erfunden hat. Ich habe eine noch neue original verpackte aus Sibirien geschickt bekommen und diese Parisreise war ganz offensichtlich das erste fotografische Abenteuer meines Exemplars.

Die Zehn Goldenen Regeln der Lomografie… Hier eine Auswahl mit Schnappschüssen von meinen Streifzügen durch Paris mit der Lomo LC-A. 

Meine Zorki 4K ist dagegen trotz ihrem rustikalen und oft herablassend belächelten Image als „Leica des armen Mannes“ eine sehr feine und ausgereifte Kamera. Die Qualität der Bilder hat man mit der Zorki ganz in der eigenen Hand. Ich liebe besonders Fotos mit weit geöffneter Blende. Beim Jupiter 9 Objektiv mit 85 mm Brennweite bekommen die Fotos dadurch eine sehr weiche, traumhafte und beinahe malerische Atmosphäre. Alles wirkt kostbar, einzigartig und Menschen erscheinen fast wie Schauspieler zauberhaft hinterm Vorhang auf der Bühne eines kleinen altmodischen Theaters. Aber auch das Jupiter 8 ist sehr lichtstark und mit seinen 50 mm gut für die Street Photography geeignet.

Ob Liebesschlösser in der „Stadt der Liebe“ oder Spiele mit Licht und Farben in der Sainte-Chapelle – hier ein paar Eindrücke der Zorki in Paris auf Farbfilm. 

Nach einer Woche in der Stadt habe ich sehr viele Fotos mitgebracht. Für mich besonders in Paris war das Thema „Street Photography“. Straßenfotografie mit Menschen ist in meinen Augen einerseits die schwierigste, andererseits die schönste Facette der Fotografie. Tausend nicht gemachte Bilder spuken mir durch den Kopf. An jeder Ecke sieht man schöne Situationen, sieht wunderschöne junge Frauen, Situationskomik, charaktervolle Gesichter, den Zauber des Alltags… Alles zieht vorüber und nur ganz selten schaffe ich es meine Scheu zu überwinden, bin schnell genug und erwische den richtigen Moment. Digital ist es einfacher. Aus einer Masse an Fotos, in schneller Folge geschossen und mit der Möglichkeit auch kleine Ausschnitte in ordentlicher Qualität zu wählen, kann man den Menschen ganz anders auf die Pelle rücken. Analoge Straßenfotografie ist sehr viel zerbrechlicher. Man muss ein Gespür für die Situationen entwickeln, Film und Kamera sehr gut kennen und schnell und beherzt sein. Aber selbst wenn nur ein Foto auf der ganzen Filmrolle geglückt ist, freut man sich hinterher viel mehr.

Fotos mit Menschen sind hinterher oft am interessantesten. Aus der großen Masse an Fotos mit der Lomo LC-A habe ich hier meine Lieblings-Schnappschüsse ausgewählt. 

Wenn man Filme mit Caffenol selber entwickelt, kann man regelmäßig kleine Überraschungen erleben. Einige meiner Filme aus Paris sind stark über- oder unterentwickelt. Wie auch in Indien, hatte ich in Paris lauter verschiedene Filme und habe auch einzelne Fotos oft unterschiedlich belichtet. Die Entwicklungszeiten muss man dann mehr schlecht als recht abschätzen. Was am Ende all dieser manuellen Prozesse übrig bleibt, ist manchmal auch allein technisch gesehen interessant oder zumindest kurios. Je nach Gesichtspunkt kann man auch in diesen Prozessen, im Zusammenspiel des Inhaltlichen mit dem Technischen eine gewisse Poesie entdecken.

Dieser Film (Ein LOMO Berlin Film) wurde zweimal entwickelt. Nach dem ersten Mal habe ich ihn wieder gebleicht und noch nass für kurze Zeit in die Sonne gelegt. Anschließend erneut entwickelt. So habe ich, ganz analog, den spritzigen Wassertropfen-Effekt hinbekommen. 

Es sind manchmal so unwahrscheinliche Umstände, so haarscharf gerade noch glückliche Faktoren… Was alles in perfekter Konstellation zusammengetroffen ist, um dann in Form dieses einen geglückten Fotos in die Welt zu treten… Wer versucht, Straßenfotografie und gelungene Schnappschüsse zu machen, erlebt viele verpasste Situationen.

Oft denke ich, das wäre jetzt schön gewesen. Das könnte interessant sein. Aber nur selten erwischt man den Moment genau perfekt und drückt im richtigen Augenblick den Auslöser. Analog geht das auch nicht so schnell und mit meiner Lieblingskamera, der Zorki, muss man auch noch eine ganze Menge einstellen. Schließlich ist für mich die Existenz mancher Fotos deswegen fast wie Zauberei.

Beispielsweise ist der Washi-F Röntgenfilm vom Montmartre extrem überentwickelt und sieht fast aus wie Griesbrei. Aber nur durch diese Überentwicklung ist das eine vormals hoffnungslos unterbelichtete Foto von einer jungen Mutter in der U-Bahn doch noch etwas geworden. Nur durch die zu hohe Temperatur, die „falsche“ Zeit oder vielleicht auch aufgrund der selbstgerösteten Kaffeebohnen, aus denen ich mein Caffenol gemischt habe, erkennt man plötzlich den friedlichen Gesichtsausdruck oder den besonderen Blick eines Typen, der vormals einfach nur im Schatten eines Cafés saß.

Es sind all diese Zufälle, die für manche dieser Fotos wie ein fantastisches Uhrwerk zusammen greifen und die für mich den Zauber der analogen Street Photography ausmachen.

Spaziergang über die Seine an einem warmen Herbstabend: