Erfolgreich Malen III

Erfolgreich Malen III: Professionalität und Außenwirkung
Kann man von seiner Kunst leben? Wie in jedem Job, muss man dafür professionell arbeiten. Es gibt viele gute Gründe, den Schritt ins professionelle Künstlerleben zu wagen – wer es wirklich tut, wird aber auch wissen dass es eben nicht nur mit drei Schritten getan ist.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle, um meine Serie „Erfolgreich Malen“ abzuschließen, kurz aufzeigen, wie das Bild nach außen treten kann und wie es ein erfolgreiches Bild sein könnte.

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Erfolgreich Malen II

Erfolgreich Malen II: Verdichtung und Tiefe
Viele Menschen möchten gerne malen. Hier habe ich einige Erfahrungen und Ansätze zusammengestellt, die es erleichtern sollen in das künstlerische Schaffen hineinzufinden.

Ich will versuchen, möglichst konkrete Impulse zu geben, vor allem aber möchte ich Mut machen, Neues auszuprobieren und immer weiter zu malen: Solange man unterwegs ist, kann man auch wo Neues ankommen.

Nach dem rein technischen Anfang geht es hier als nächstes darum, einen persönlichen Arbeitsansatz und einen eigenen Bezug zum Bild zu finden.

In drei Schritten zum eigenen Bild:  „Erfolgreich Malen II“ weiterlesen

Erfolgreich Malen I

Erfolgreich Malen I – Der Anfang
Viele Menschen möchten gerne malen. Hier habe ich einige Erfahrungen und Ansätze zusammengestellt, die es erleichtern sollen in das künstlerische Schaffen hineinzufinden.

Ich will versuchen eine möglichst konkrete Anleitung zu geben, obwohl ich weiß, dass das nicht gelingen kann. Trotzdem: Vielleicht hilft es, wenn man sich zunächst tatsächlich einfach ganz rational und strategisch mit der Kunst und dem Bild auseinandersetzt. Spätestens wo es an das eigentliche Malen geht, bei den Fragen nach Farbe und Komposition, möchte diese Anleitung jedoch wirklich nur noch Ausgangspunkt für eigene Wege sein und ermutigen die Regeln bewußt zu brechen und ein eigenes Spiel zu beginnen.

In drei Schritten zum ersten Bild: 

1. Thema und Motive finden
Erste Inspiration zu finden kann einfacher sein, wenn man über Dinge nachdenkt, die von Bedeutung sind oder einen begeistern. Man kann für diese Gedanken dann ein Bild suchen und sie in die eigene Arbeit integrieren. Verschiedene Techniken auszuprobieren, kann einen bei der Entwicklung von Ideen unterstützen und einen dazu anregen, etwas Neues zu versuchen und ins Schaffen zu kommen. Der Blick auf die Werke anderer Künstler kann ebenfalls hilfreich sein.
Als Ausgangspunkt, um überhaupt anzufangen, muss man sich klar machen was das eigene Thema ist. Allgemeine, große Oberthemen sind z.B. „Leben & Tod“, „Kämpfen & Scheitern“, „Natur & Architektur“, „Suchen & Reisen“, „Sehnsucht & Liebe“ oder „Portrait & Akt“.

Wie entsteht ein neues Bild?

Was findet man gut, worauf hätte man Lust, was ist einem wichtig?

Nachdem man so das eigene „Sujet“ eingegrenzt hat, gilt es ganz konkrete Motive zu entdecken. Dafür eignen sich Recherchen in Büchern und vor allem im Internet: Auf Tumblr, Instagram, Flickr, Pinterest, in Blogs sowie auf Kunst- und Designwebseiten. Hier kann man studieren, was beliebte Motive sind. Welche Fotos werden am meisten „reblogged“, „gelikt“ oder kommentiert?

Ein eigenes Archiv, ein übersichtliches System bzw. Ordner oder Pinnwände helfen beim Sortieren und Filtern. Gute Motive sind eher allgemeine, unverfängliche Bilder, welche Raum für Interpretation und Projektion durch den Betrachter lassen. Als Motive für die gegenständliche Malerei und Zeichnungen eignen sich besondere markante Orte und Landschaften, Sehenswürdigkeiten, junge Frauen oder Kinder, männliche Figuren rückseitig, (so dass man sich mit ihnen identifizieren kann) Statussymbole, Stillleben… Dagegen sollte man Text, Markennamen und Logos besser vermeiden.

Arbeitsplatz im Atelier an der Kunsthochschule

Hat man sich so eine Sammlung mit interessanten Motiven aufgebaut, kann man weiter filtern.
Mit Google Trends können aktuelle Interessen untersucht werden. So lassen sich Themen finden, die zur Zeit viele Menschen beschäftigen. Um hier nicht auszuufern, orientiert man sich am besten am anfangs definierten Inhalt/Schwerpunkt der eigenen Arbeit; wenn z.B. Sport Ihr Ding ist, müssen Sie sich nicht mit aktuellen Filmtrends oder Einzelhandelsunternehmen beschäftigen – obwohl sich natürlich auch sehr spannende Überschneidungen ergeben können. Man sollte Informationen auch immer hinterfragen und wenn einem etwas auffällt, schauen worum es eigentlich geht: Z.B. Was ist der Inhalt von Büchern oder Filmen, die gerade viele Menschen interessieren? Abgesehen vom Plot, worum geht es wirklich? Warum mögen so viele beispielsweise Fantasy oder Manga?
Ebenfalls mit Google Trends kann man auch gut vergleichen: Wie sich etwa das Interesse an Malerei im Vergleich zur Fotografie oder allgemein zur Kunst als Bereich verhält und wie es sich auch von Land zu Land unterscheidet.

Ölfarben warten auf ihren Einsatz

Schafft man sich solcherart einen Überblick, muss man allerdings immer bedenken, dass es Inhalte gibt, die sehr schnell auch wieder „Schnee von gestern“ sind. Zu speziell sollte man deshalb nicht werden und immer wieder den eigenen Bezug hinterfragen. Man kann nur ehrlich und authentisch mit einem Thema umgehen, wenn es auch in einem Bezug zum eigenen Leben steht. Gerade Malerei als eher langlebige Kunstform sollte eine gewisse Zeitlosigkeit haben. Bei Schlagworten wie „Ozonloch“, „Golfkrieg“ oder „Griechenlandkrise“ sollte man also aufpassen und sie inhaltlich wieder auf die allgemeineren Oberthemen reduzieren: Natur & Menschen.

Eine große Schwierigkeit gerade am Anfang einer neuen Malerei-Serie ist oft, sich aus all den unendlichen Möglichkeiten für ein ganz konkrete Bild zu entscheiden.

Aus dieser Analyse muss sich noch kein konkretes, vollständiges Bild ergeben, das man malen könnte. So eine Recherche kann aber Inspirationsquell sein und helfen eine konkrete Richtung und einen Ausgangspunkt zu finden. Und warum nicht auch einfach mal ein hübsches Model abzeichnen, die Akropolis oder den kleinen Marktplatz vor der Türe – Hauptsache ist, man fängt an.

2. Farben
Die Lieblingsfarbe der meisten Menschen ist Blau. Gefolgt von Rot, Grün, Schwarz, Rosa und Gelb. Eher unbeliebte Farben sind Braun, Orange und Violett.

Auswahl mit schönen Erdtönen und Blau

Inspiration für die zu wählenden Farben kann z.B. Goethes Farbenlehre mit dem Farbkreis und den Farbtafeln sein. Spannend sind aber ebenso aktuelle Kollektionen von wichtigen Modedesignern, die Trendfarben einer bestimmten Zeit (z.B. 70er und 80er) und vor allem die eigenen Beobachtungen aus der Natur und unmittelbaren Umgebung.

Ausdrucksstark werden Farben, wenn man „charaktervolle Farben“ kombiniert z.B. aus dem Farbkreis beispielsweise Blau/Rot, Grün/Orange, Gelb/Blau… Dazu passen dann immer Schwarz, Grau und Weiß.

Ein komplementärer Kontrast (Rot/Grün, Blau/Orange, Gelb/Violett) darf auch auftreten, mehrere sollte man aber besser vermeiden – sonst wirkt es zu bunt. Malt man komplementär, sollten die Farben nicht gleich stark sein sondern die eine Farbe nur unterstützend für die andere. So z.B. eine große grüne Fläche mit einem kleinen Rot oder eine große orange Fläche mit einem kleinen Blau. Durch diese Kombinationen erhöht man die Leuchtkraft. Wichtige Farben sollten am besten wenigstens zweimal im Bild auftreten.

3. Komposition
Man sollte sich nicht mit den industriellen, vorgegebenen Formaten zufrieden geben. DIN Normen muss man hinterfragen; bei Papierarbeiten kann man einen eigenen Rahmen definieren und Platz zum Rand lassen. Leinwände kann man in eigenen Formaten zusammenbauen. Beispielsweise würde es ja auch etwas aussagen, wenn ein Kriegsbild im Format 39×45 cm gemalt ist, wenn ein Akt im Goldenen Schnitt gehalten wird oder wenn eine Serie mit Portraits genau 12 oder eben genau 13 Arbeiten umfasst.

Verschiedene Formate: Wichtig ist, ein eigenes zu finden

Das Bild kann ein Vorne und Hinten haben. In Landschaften sollte ein Weg hineinführen, Portraits sind im Hintergrund unscharf bzw. ist generell die Umgebung von wichtigen Elementen undeutlich oder abstrakt, um nicht vom Wesentlichen abzulenken.

Abgesehen von Portraits oder Akten sollte man Menschen eher vermeiden. Gesichter stellen immer die Frage nach Sympathie oder Antipathie und führen dadurch vom Bild weg. Akte sollten nicht zu detaillierte Gesichtszüge haben. Gute Portraits gehen weit über Auge, Nase und Mund hinaus – dennoch müssen diese wichtigen Gesichtsinsignien natürlich stimmen und richtig gemalt sein. Kontrolliert man das Bild ab und zu über einen kleinen Taschenspiegel, bewahrt man hier den frischen, ungetrübten Blick. Bei Zeichnungen sind u.a. die äußere Gesichtslinie mit der Kinnpartie und die Augen ganz besonders wichtig. Fühlt man sich technisch noch unsicher, kann man für die ersten Anlagen, Vorzeichnung und Umrisse einen Projektor als Hilfsmittel nehmen oder von Monitor oder Leuchtkasten abpausen – allerdings funktioniert das nur begrenzt: Die meisten Bilder entstehen schließlich eher wie eine Collage aus mehreren Elementen.

Bei der Komposition kann man auch mit einer „Bedeutungsperspektive“ spielen und Wichtiges größer machen. Eine gewisse Instabilität kann das Bild spannend machen: Wenn große Flächen oder Schweres oben ist, schwebt oder balanciert wird und nicht satt einfach unten ruht, möchte man wissen wie es ausgeht und hat mehr Spaß beim Zuschauen.

Horizontale Linien schaffen Ruhe, vertikale Linien wirken besonders trennend. Zu einfache geometrische Formen (Kreise, Dreiecke oder Quadrate) sollten aufgebrochen werden; sind sie mittig im Bild, ordnet sich ihnen alles andere unter.

Markante Formen können sich gut an anderer Stelle im Bild leicht verwandelt wieder finden lassen (wie Farben auch). Schraffierung und Muster können schließlich eine weitere Ebene in das Bild bringen, Formen festigen und die Komposition unterstützen oder aufbrechen.

Abstrakte Fotos und inspirierende Situationen

Die Welt ist voller abstrakter Formen, Muster, Figuren und Linien.

Wenn man aus dem fahrenden Zug heraus fotografiert, lange belichtet, wenn sich etwas im Wasser spiegelt oder ganz einfach wenn etwas aus seinem gewöhnlichen Zusammenhang heraus nicht sofort erkennbar wird, entstehen Fotos, die sich nicht gleich erschließen. Oberflächen, Reflexionen, Unschärfen…

Unterwegs finden sich eigentlich täglich solche Situationen. Zweige werfen ihre Schatten an eine Wand, die Sonne bricht durch kleine Ritzen oder das Wasser kräuselt sich besonders funkelnd. Auch aus der Nähe betrachtet, sieht einiges sehr sonderbar aus.

Über die Jahre habe ich eine ganze Menge solcher Dinge gesammelt und hier möchte ich jetzt eine kleine Auswahl mit meinen interessantesten abstrakten Fotos zeigen. Diese Bilder wollen nichts ablichten, sie zeigen aber auf ihre Art sehr unterschiedliche Qualitäten. Besonders die klaren Linien, herausstechende, leuchtende Farben, die geometrischen Strukturen, Muster und Kompositionen finde ich interessant. In den Unschärfen entstehen Flächen, Lichter zeichnen ihren Weg durchs Bild und neue, unerwartete Figuren werden sichtbar.

Ganz gewöhnliche Dinge oder alltägliche Gegenstände können spannend aussehen, weil man den Kontext nicht gleich erkennt. Durch den Zufall, aus etwas ungewöhnlichen Perspektiven oder aus dem Moment heraus entstehen dann Formen, Flächen, spannende Situationen und Bildkompositionen:


Die Natur hat wirklich unendliche Formen und entwickelt immer weiter neue, wunderschöne Muster und Figuren. Von weit oben staunt man ebenso wie ganz nah, im Makrobereich. 


Speziell Oberflächen sind eine weite Spielwiese. Man kann sich über Sand im Wind genauso wundern wie über tanzende Herbstblätter, zugefrorene Seen, Frühlingswiesen, zerdrückte Erdkrümel oder kalten Kaffee:


Licht, Schatten, Spiegelungen und Reflexionen zeichnen oft komplexe, feine Silhouetten auf Hauswände, Zimmerdecken, Waldseen oder Pfützen:


Schließlich gibt es die technischen, experimentellen Abstraktionen der Kamera: Lange Belichtungen, Bewegungen oder Unschärfe abstrahieren eine eigentlich sonst ganz konkrete Situation bis zur völligen Unkenntlichkeit.

Ich experimentiere gerne aus fahrenden Zügen oder indem ich meine Kamera drehe und extra verwackele. Ganz nah fokussierte Fensterscheiben zeigen bunte Lichter im Hintergrund nur noch als riesige Farbflecken.
Das schöne an die­ser­art Fotos sind vor allem die besonders klaren Linien und leuchtenden Farbflächen. Die Bilder sind meistens sehr geometrisch, haben eine ganz präzise Farbigkeit und eine sehr schlichte Komposition:

Solche Fotos finde ich besonders, weil sie oft unerwartet anders werden. Durch die Abstraktion und das Experiment kann man sich auch gut die eigenen ästhetischen Kriterien bewußt machen – warum gefällt mir das eine, warum das andere vielleicht nicht so sehr? Oft ergeben sich auch gute Vorlagen für eine weitere Verarbeitung – als Zeichnung oder mit Farbe.

Lichter, Situationen und Bewegungen können durch das fotografische Experiment zu einem sehr guten Ausgangspunkt für neue Bilder werden und bekommen Raum ihre eigene Poesie zu entfalten. Ganz nebenbei schult man schließlich auch den eigenen Blick und öffnet sich dadurch immer mehr für inspirierende Momente und neue, spannende Zusammenhänge.

RGB als Instrument der Phänomenologie

Hier kommt eine kleine Abhandlung über die Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Die Idee habe ich schon etwas länger; sie war eigentlich sogar in dem Sinne gemeint, dass ein Bild nur dann vollkommen sein kann, wenn es die wesentlichen Qualitäten von allen drei Grundfarben in sich vereint. An dieser Stelle möchte ich aber, weniger provokativ, zunächst nur einen Ansatz schildern: Eine Methode, wie man aus den Qualitäten der Farben eines Objektes heraus Rückschlüsse auf Bedürfnisse und Ziele ziehen kann und damit ein Instrument erhält, um seine Umwelt ganz neu zu entdecken. 

Am Anfang steht die Idee, Farbe etwas weiter gefasst zu sehen. Dabei erschließt sich der Gehalt einer Farbe besonders gut, wenn man sie mit andern Farben vergleichen kann. Es gilt also zunächst, die Dynamik der Relation zu den anderen Farben auszuloten und assoziativ den symbolischen Gehalt einer Farbe einzugrenzen. 
Dabei unterscheiden wir vorab die ganz grobe Tendenz einer Farbe. Räumlich gesehen bewegen wir uns dafür von der Tiefe nach Vorne – von Blau (tief) über Gelb (zwischen) hin zum Rot (nach vorne drängend). 

Die tiefe Weite des Himmels ist Blau – mit schwarz-weißen Störchen ein schönes Sommerbild

Denkt man sich dann Blau als Symbol für Himmel oder Atmosphäre… Nun wird vielleicht jeder ein anderes, persönlich gefärbtes Blau vor Augen haben. Im Vergleich zu Rot und Gelb fällt es allerdings leicht, eher dem Blau das Tiefe zuzuschreiben. Pauschal, verallgemeinernd finden wir sogar bei allem mit einer gewissen Tiefe das Blau: Der Horizont verschwindet im Blau, der Himmel ist Blau (je höher man fliegt, wird das Blau zum Weltall hin immer tiefer und dunkler) und Seen werden an ihren tiefen Stellen noch blauer. 

Weiter übertragen kann man Blau auch als typisch für „Wissen“ sehen. Spontan beobachten kann man entsprechend, dass Seriosität, Wissenschaft und Erfahrung oft mit Blau präsentiert werden. Auch die Logos von Versicherungen sind oft Blau, dass kann helfen, einem auf Vertrauen und Sicherheit ausgelegten Unternehmen die notwendige beruhigende und verlässliche Ebene beizufügen. Wer „den Blues hat“, ist vielleicht nicht so aktiv und eher melancholisch gestimmt – taucht mit seinen Gedanken in die Tiefe…
Wir können also feststellen, dass Blau im Vergleich zu den anderen beiden Grundfarben eher Assoziationen in die Tiefe weckt. Eine feinere Ausdifferenzierung sollte allerdings jeder für sich selber machen; es macht außerdem wirklich Spaß, den Dingen, Menschen, Tagen etc. um sich herum bestimmte farbige Qualitäten zuzuschreiben. 

Mit der Beobachtung, dass Blut auf dem Rückweg durch die Venen im Kreislauf blauer ist, kommen wir nun zu den anderen Farben. 
Bei ähnlich verallgemeinernden Betrachtungen zu den Grundfarben Rot und Gelb, finden sich nämlich auch weitere universale Basiseigenschaften, welche für die jeweilige Farbe stehen. Für Gelb kann man das Licht, Morgenlicht, die aufgehende Sonne, die Entwicklung im Verlauf, die Sonne und die Eigenschaft des >zwischen etwas zu sein< sehen. Dem Rot dürfte entsprechend eher das Feuer, der Sauerstoff und die Kraft / Power zugesprochen werden. Entsprechend tritt es im Vergleich auch nach Vorne – allein deswegen, weil uns das Kräftige, Schnelle, Stechende, Aggressive, Direkte natürlich viel unmittelbarer angeht und auch besser zu greifen ist. Ebenso passt die Säure in den Bereich Rot, während sich das Basische im Blauen bewegt (entsprechend der Farbskala beim Lackmuspapier). Man denke sich nur die fast schon beliebige Wirkung eines blauen STOP-Schildes. Und mit dem Hinweis ACHTUNG verbindet man auch besser Rot, als Gelb oder Blau. 

Eine kleine Auswahl mit Fotos von Regenbögen und Lichtbrechungen im Prisma:

Als Symbol stehen alle Farben gleichwertig nebeneinander für die Freude und den Ausdruck von Leben und sind bei jeder ganzheitlich gedachten Form von Existenz notwendig. Man darf also vermuten, dass die Farben, als ein wesentlicher Teil des Daseins, jede Entwicklung begleiten. Durch ihre Dominanz oder eben gerade durch ihr offensichtliches Fehlen, welches natürlich auch entsprechende, komplementäre Eindrücke hervorruft… Jede Entwicklung äußert sich folglich in bestimmten Farben oder Farbkombinationen.  

Mohnblume in grüner Wiese

Am Beispiel der Mohnblume ist, wie bei vielen anderen Pflanzen auch, zu sehen, dass sie am Anfang aus einer Mischfarbe von Rot, Gelb und Blau, aus der braunen Erde entsteht. Reines Schwarz, wie die entsprechend ausgewogene Einheit von RGB ergeben könnte, ist strenggenommen nur denkbar.
Die additive Farbmischung, eine Einheit von RGB auf Basis von Lichtfarben, ergibt Weiß. Das Weiß entsteht aber nur in unserem Auge. Strenggenommen durch eine „Reizüberflutung“ – durch unsere  Wahrnehmung des Spektrums aller drei Grundfarben gleichzeitig. Mit einem Prisma kann man es wieder aufbrechen und die einzelnen Farben getrennt wahrnehmen.
Die subtraktive Farbmischung wird dagegen Schwarz, indem man Cyan, Magenta und Gelb zusammenkippt. Aber wie tüchtig man nun auch mischt: Das Schwarz wird nie richtig tiefschwarz. Es kann sich diesem Ideal immer nur annähern, denn durch seine Geworfenheit in eine Umwelt kann es nie ganz ausgewogen sein. Weil Schwarz also nur theoretisch Schwarz wird, braucht man in der Druckpraxis auch ein extra Schwarz: Das „Key“ – so spricht man vom CMYK-Farbmodell. Die schwarze Schlüsselplatte (Key plate)  spart nebenbei auch Farben, weil sehr viele Teile eines Drucks ja gar nicht bunt sein müssen. Für einen noch „schwärzeren“ Eindruck gibt man beim Druck übrigens manchmal sogar zusätzlich etwas Cyan (Blau) zum Schwarz, um dieses „tiefer“ zu machen.
Im Prinzip würde Schwarz aber immer dunkler bzw. noch schwärzer sein können und ist dadurch eigentlich nie richtig Schwarz, sondern Braun.
Sehen wir Schwarz oder Weiß, haben wir also in Wirklichkeit eine sehr irdische Erscheinung vor uns – vereinen diese Extreme doch alle drei Grundfarben in sich: Weiß durch additive Farbmischung, Schwarz durch subtraktive Farbmischung.
Ich finde Schwarz und Weiß auch eine schöne Metapher für das Leben: Als äußerste Form der Farben, die gerade so, aus einem rein geistigen Zustand in die Verhältnismäßigkeiten, das Kräftespiel und die Abhängigkeiten des Lebens getreten sind.

Schwarz bzw. Braun als Farbe der Erde, hat dabei oft schon einen Stich, ein Übergewicht zum Gelb (z.B. Ocker). Nach den obigen Überlegungen über das Wesen vom Gelb, würde Erde durch diese farbliche Tendenz in sich überwiegend „gelbe“ Eigenschaften tragen; diese beinhalten (mehr als Blau, welches eher der Ursprung, oder Rot, welches eher das Ziel wäre) den Impuls zur Entwicklung. Erde ist somit farblich ein sehr schöner Ausgangspunkt. 
Die Mohnblume wächst nun aus der Erde heran und bildet eine schöne, rote Blüte (als Produkt der Entwicklung einer Mohnblume sehen wir, heute nur auf Farben fixiert, besonders die rote Blüte. (Die Kapsel würde unter einem anderen Blickwinkel sicherlich ein gleichwertiges Produkt neben der Blüte darstellen.) Zum Grün der restlichen Pflanze bildet die rote Blüte den sehr starken Komplementärkontrast als äußerstes Ziel, welches mit farblichen Mitteln erreichbar ist. Der grelle Komplementärkontrast zeigt dabei in seinem Extrem den Gipfel der Entwicklung unserer Mohnblume an. Jetzt könnte man sich fragen, warum der Pflanzenstiel ausgerechnet grün ist. Pflanzen sind sehr häufig am Anfang ihrer Entwicklung Grün, was zunächst auf einen Rot-Mangel rückschließen lassen könnte. Ein Mangel an Kraft ist aber doch ganz offensichtlich nicht wirklich feststellbar – kann man immerhin beobachten, wie selbst kleine grüne Pflänzchen sogar ganz robuste, schwarze Teerstraßen sprengen. Eine eigentlich ja eher „rote“ Begabung. Überlegt man es sich recht, merkt man aber: Rot ist die ganze Zeit mit dabei! Während der Entwicklung, im Wachstum als Komplementärfarbe, im Ergebnis als leuchtende Farbe der Blüte und bei der verwelkenden Blume als wesentlicher Teil des Brauns. 

An dieser Stelle hilft es vielleicht, sich kurz über das Wesen der Komplementärkontraste klar zu werden: Jede Farbe ruft aus sich heraus eine ganz bestimmte Gegenfarbe hervor.

Beim Sonnenuntergang scheinen alle drei Grundfarben miteinander zu kämpfen

Schauen wir z.B. lange auf eine helle rote Fläche und dann auf eine weiße Wand, sehen wir an der Wand das Nachbild der hellen roten Fläche in Grün (vgl. Nachbild, Entoptischer Eindruck, Nachwirkung des Netzhautbildes). Ein ganz wichtiger Wunsch jeder Farbe ist es, ihre Komplementärfarbe hervorzubringen – nur so kann sie ihre maximale Wirkung sicher entfalten. Wie ein Magnet, sucht eine Farbe also ihr Komplementär, ihre Erfüllung und ideale Ergänzung. Anders herum betrachtet, kann man aus einem Ding gleichzeitig auf den größten Wunsch, auf die Feder, die es antreibt, auf seine Motivation rückschließen.

In diesem Sinne ist die große Motivation des Grüns sein komplementäres Rot zu finden, weil es nur gemeinsam mit diesem richtig vollendet strahlen kann. Wir sehen also, das in Kontrasten eine geradezu magnetische Kraft steckt, die einzig und allein die verbindende Erfüllung sucht. Starke Kontraste schaffen entsprechend eine hohe Spannung, wie ein Gewitter – bevor es blitzt. 
Außer bei Farben, gibt es natürlich auch in anderen Bereichen Kontraste: Wer zu lange nur einseitige Szenen betrachtet (z.B. Wölfe, Löwen und Schafe friedlich zusammen auf einer Blumenwiese unter Regenbögen oder übertrieben bearbeitete Supermodels), wird in sich mit der Zeit Bilder von Gemetzel, Mord, Totschlag, Krankheit und Entstellungen aufsteigen sehen. Wer sich nur mit Blumen, Duft und zarten Klängen umgibt, wird mit der Zeit sicher krank oder traurig werden, wenn er nicht anders einen Ausgleich findet. 
Der Komplementärkontrast fungiert bei unserer Farbbetrachtung also als Ziel: Die grüne Pflanze strebt ihrem Ziel (der Blüte) entgegen. Während des Wachstums, wenn sehr viel Kraft auf ein Ziel hinstrebt, finden wir folglich die Komplementärfarbe Rot. Im Verwelkungsprozess, nachdem das Ziel erreicht wurde, geht die Pflanze immer mehr in die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Umwelt über. Eine Komplementärfarbe zur Tertiärfarbe Braun kann man sich dabei ausrechnen, indem man den Farbstich des Brauns als Aufhänger nimmt. Wahrscheinlich tendiert die Verwelkungsfarbe ins Orange – demnach wäre das Komplementär während der Verwelkung etwas im Blauen, tiefen Farbbereich (Rotorange-Blaugrün / Gelborange-Blauviolett). 

Wenn sie verblühen, werden die Blumen wieder bräunlich

Das Beispiel der Mohnblume zeigt also, wie sich aus der fast schwarzen Erde durch Blau (Wasser, Wissen, Ursprung, Tiefe etc.) und Gelb (Licht, Entwicklung, begleitend, verbindend, Zwischenzustand etc.) eine grüne Pflanze bildet. Aus dem Grün wächst schließkich eine Blüte (Rot), welche letztendlich im Zuge des Verwelkungsprozesses wieder annähernd in den Ausgangszustand (Braun / Schwarz) zurück bzw. weiter verwandelt wird.
Im zeitlichen Verlauf des Lebenszyklus hat dabei jede Farbe eine unterschiedlich starke Ausprägung, während des ganzen Prozesses sind aber immer irgendwie alle drei Grundfarben beteiligt: Entweder direkt oder komplementär, als Ziel, als Qualität der zu vollbringenden Leistung (Kraft des Wachstums) oder als begleitende Eigenheit der Umwelt, aus der alles entsteht und in die am Ende auch alles wieder aufgeht.


Schließlich kann man also festhalten, dass man die wesentlichen Eigenschaften, welche die Grundfarben Rot, Gelb und Blau ausmachen, in der Umwelt jederzeit an allen Objekten wiederfinden kann. Wir geben den Farben vielleicht auch genau deswegen ihre spezifische Charakteristik, weil wir sie eben mit diesen Eigenschaften in unserer Umwelt erleben.
Auf eine einzelne Pflanze übertragen können uns die Farben anzeigen, an welcher Stelle sie sich in ihrem Entwicklungsprozess bzw. Zyklus befindet. Der Unterschied zwischen lebenden und toten Erscheinungen ist dabei, dass die Toten ihre Farbgebung nicht mehr autonom beeinflussen können, also ganz in den äußeren Umständen aufgelöst sind. 

Nach diesen ganzen Worten hier nun eine kleine Auswahl mit Blüten, vor allem Rosen, welche ich fotografiert habe um die Beobachtungen bunt und in voller Pracht zu ergänzen:

Kitschy art

Recently, on the internet …

platanenallee

MK: You know the matter of Kitsch is that, it’s bloody beautiful but empty! like 100 other beautiful meaningless things that we know! There is no depth no meaning, no question no answer. It’s just what it is and it’s beautiful with no doubt, but empty!

BB: emptiness is at least honest. i can see beauty in emptiness. but it also scares us. we like to see meaning in the world, but if there isn’t, it’s not less beautiful.

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