Mit Fotos möchte ich verstehen, welche Chancen und Perspektiven Europa hat und was uns verbindet. Dafür bereise ich gezielt Länder in Europa, die nicht zur EU gehören. Wie geht es den Menschen dort? Welche Ziele und Möglichkeiten haben sie?
Durch diesen Perspektivwechsel hoffe ich, mehr über das Wesen Europas zu erfahren.
Hier sind nun Fotos aus Kiew, Sarajevo, Georgien und Istanbul ausgewählt.
Wie sind die Fotos entstanden?
Fotos sind nie objektiv. Jede Aufnahme setzt einen bestimmten, persönlichen Fokus. Die Subjektivität meiner Fotos wird durch ungewöhnliche Perspektiven, Lichtreflexionen, die Vignette der alten Objektive und manchmal auch durch die Körnigkeit und Farbigkeit der Filme zusätzlich betont. Ich mag die Materialität des Fotos an sich und suche gezielt Aufnahmen, die durch ihre eigentümlichen Spuren zeigen, dass sie ein Foto sind.
Im Vorübergehen, bei vielen langen Wanderungen in den Städten fotografiere ich alles, was meinen Blick festhält. Hinterher, zu Hause und mit zeitlichem Abstand entwickele ich die Filme, schaue mir die Bilder an und sortiere die Serien aus dem, was vorliegt.
Vielleicht haben meine Fotos gerade durch diese Unintentionalität beim Fotografieren und das sich spielerische Einlassen auf die unkontrollierbaren Aspekte der Situation die Möglichkeit, etwas freier und unabhängiger von mir ihre eigene Gestalt zu finden und ein Stück vom Wesen der abgelichteten Motive wiederzugeben.
Ich hoffe, dass durch die Fotoserien über die Zeit ein Klang und eine Ahnung wächst, wie es um die Wünsche, Träume und die Zukunft der Menschen in Europa bestellt sein könnte.
Am äußersten Rand von Europa:
Der Bosporus in Istanbul. Die Grenze nach Asien ist fließend, oft funkelnd und kann mit der Fähre durchaus angenehm teetrinkend überquert werden.
Ortaköy-Moschee und Bosporus-Brücke
Auf der Fähre über den Bosporus
Warten auf die Fähre von Kadıköy nach Eminönü
Schiffe und Boote auf dem Bosporus
Morgenlicht auf der Fähre unterwegs von Asien nach Europa
Funkelndes Wasser mit Schiffen auf dem Bosporus
Licht und Menschen auf der Fähre über den Bosporus unterwegs von Europa nach Asien
Der Leanderturm (türkisch Kız Kulesi, „Mädchenturm“), ein Leuchtturm im Bosporus mit funkelnder Sonne
Licht und Wasser – funkelnde Sonnenstrahlen und zartes Lens-Flare-Pentagon der Kamera über dem Bosporus
Wie ist der Text entstanden?
Es gibt viele gute Gedanken zu Europa. Doch kann man wirklich von einer gemeinsamen europäischen Identität sprechen? Frieden, Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit sind keine ausschließlich europäischen Werte. Auch das Christentum hat seine Wurzeln nicht in Europa. In der Kunst und Architektur gibt es keinen einheitlichen Stil: Byzantinische Bauwerke in Venedig, maurische Kunst in Spanien, Stabkirchen in Skandinavien …
Statt staatlichen sind es vielmehr regionale Entwicklungen, einzelne Persönlichkeiten und Stilepochen, die Europa geprägt haben. Eine klar abgegrenzte „abendländische Kultur“ hat es in dieser Form eigentlich nie gegeben. Früher haben sich die Menschen auch nicht als „europäisch“ wahrgenommen.
Trotzdem erlebe ich heute, dass mir die Idee eines gemeinsamen Europas ein Gefühl von Sicherheit gibt. Die Wirtschaft und die digitale Welt sind vernetzt. Es gibt globale Probleme, die von einzelnen Staaten nicht mehr alleine gelöst werden können. Dann ist es tröstlich, sagen zu können: „Wir“. Europa als Hort des guten Lebens. Ein Bollwerk gegen die Imperialisten, Tyrannen und Freaks da draußen…
„Wer an Europa zweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“ – Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg
Multilaterale Institutionen wie die EU haben in ihrem Kern meiner Meinung nach etwas sehr Hoffnungsvolles. Ich finde es gut zu wissen, dass wir mit unseren Nachbarn verbunden sind. Es ist wichtig, dass Menschen einfach und unbürokratisch reisen, ihre Familie und Freunde besuchen und Geschäfte machen können und die Welt ist sicherer, wenn wichtige politische Entscheidungen nicht von einzelnen Führern allein getroffen werden, sondern im Austausch miteinander entstehen.
Am äußersten Rand von Europa:
In Ushguli. Ein isoliertes Bergdorf im Kaukasus. Wehrtürme, Blumenwiesen, Gletscher und weite Landschaften in Swanetien, Georgien.
Ushguli – Ansicht vom Ortsteil Chvibiani mit Blumenwiese
Ushguli – Wehrtürme in Chazhashi
Ushguli – Wehrturm mit Lichthof oben auf einem Hügel über Chazhashi
Ushguli Ansicht vom Ortsteil Chazhashi
Ushguli – Ansicht vom Ortsteil Murkmeli
Ushguli – Wolkenberge über dem mit Schneefeldern gescheckten Berggipfel mi
Ushguli – Ruine der mittelalterlichen Königin Tamari Burg
Ushguli – Weite Aussicht mit Blumenwiese I.
Ushguli – Weite Aussicht mit Blumenwiese II.
Blühende Bergwiesen, weite Täler und der Gipfel des Schchara über 5000 Meter hoch oben in den Wolken. Wehrtürme, die den Jahrhunderten trotzen, Wachhunde, deren zotteliges Fell mehr an Bären als an Haustiere erinnert. Graue, braune Farben und dunkelgrüne Wiesen. Ushguli fühlt sich sehr an, wie am Rande Europas; irgendwie auch am Rande der westlichen Welt. Hinter den Bergen ist Russland.
Kleine Wanderwege führen einige Kilometer in verschiedene Richtungen durch das Tal oder hoch auf die umliegenden Gipfel – aber es sind nur ein paar Monate im Jahr, in denen alles so zugänglich ist. Auch im Sommer muss ich oben in den Bergen meinen Weg durch einsame Schneefelder suchen. Markierungen gibt es nur selten. Im Winter ist Ushguli oft viele Tage vom Rest der Welt abgeschlossen. Manchmal fällt der Strom aus. Wer hier lebt, muss sich selbst versorgen, gegenseitig unterstützen und in der kleinen Gemeinschaft des Dorfes Regeln, Wege und Absprachen finden, die für alle irgendwie funktionieren.
Ein Augenmerk auf Grün- und Brauntöne. Dunkelgrüne Wiesen, Gletscher, verwitterte Mauern, Felsen und Hundefelle: Die Farben Ushgulis auf verschiedenen Farbfilmen.
Ushguli – Ortteil Zhibiani mit der Zorki auf seltenem Svema Color 100 Farbfilm aus der Ukraine
Ushguli – ein großer zotteliger Straßenhund
Ushguli – Fenster mit Vorhang
Altes Auto vor alten Häusern in Ushguli
Ushguli – Zhibiani abends
Die Lamari-Kirche oberhalb von Ushguli
Ushguli – Farben der Häuser mit Grün, Gelb und Brauntönen
Ushguli – Ein Wachhund unter einer bunten Lichterkette
Blick über Ushguli-Chazhashi auf das Tal und die Straße Richtung Mestia
Ushguli – mit grünen Feldern und Wiesen zwischen den Bergen des Großen Kaukasus
Grüner Zaun in grüner Landschaft – Vor der Lamari-Kirche in Ushguli
Abgelegener Blick, hinter einem Wäldchen die Hügel hoch in die Wolken beim Enguri-Fluss in der Nähe von Ushguli
Sonnige und wolkige Flecken auf den grünen Hängen im Tal Richtung Schchara-Gletscher
Blick über Ushguli mit weiter Landschaft, Schneebergen und Wolken um den Gipfel des Schchara
Felsen, Eis und Schnee im Großen Kaukasus
Vor dem Schchara-Gletscher. Kleine Menschen, Felsen, Geröll und Brauntöne
Blick auf Ushguli-Chazhashi durch das Jupiter 9 85mm Objektiv auf abgelaufenem Fuji-Film
Einzelne Sonnenstrahlen und Blumenwiese in Ushguli
Als Gemeinschaft bietet Europa mehr Sicherheit und ist ein lebenswerterer Ort, als es einzelne Nationalstaaten wären, die sich gleichgültig oder sogar feindselig gegenüberstehen.
Um ein Gespür für die Zukunft und die Chancen Europas zu entwickeln, muss man es auch von außen betrachten. Europa ist weit mehr als nur die EU. Um die großartigen Möglichkeiten und das Glück, vereint zu sein, wirklich zu begreifen, sollten wir verschiedene Perspektiven einnehmen. Besonders wertvoll sind dabei die Sichtweisen der Menschen, Städte und Länder an den Rändern Europas. Das waren ungefähr meine Gedanken beim Start dieses Portfolios.
Straßenfotografie in Kiew: Menschen in der U-Bahn, auf dem Chreschtschatyk, im Park, am Fluss Dnepr, zwischen Denkmälern…
Silhouetten von Menschen und Denkmälern im Gegenlicht
Abendspaziergang auf dem Chreschtschatyk – ohne Autos
Blumengeschäft in der Metro von Kiew
Menschen auf einem Denkmal
Menschen, vertieft in einer Kirche in Kiew
Ein Soldat wirkte sehr bewegt. Er lief länger hin und her und machte viele Fotos
Brautpaar am Ufer des Dnepr
Ein Straßenkünstler sprayt Planeten auf dem Chreschtschatyk
Wandbild und Straßenkünstler und Händler auf dem Andreassteig in Kiew
Spiegelungen von Passanten in einer Pfütze
Auf der Parkbrücke, der Fußgängerbrücke über den Dnepr
Ein sonniger Morgen im Stadtpark an einem Winterwochenende in Kiew
Gegenlicht mit Autos auf dem Kreschatik
Der Text „первая телемортация Рика и Марти“ könnte übersetzt heißen: „Die erste Tele-Mortifizierung von Rick und Morty“. „Telemortifizierung“ könnte auf einen Begriff aus einem Science-Fiction oder einen Spaßbegriff anspielen, der mit „Tele-“ (wie Telefon oder -transformation) und „Mortifizierung“ (was „Tod“ oder „Verfall“ bedeutet) kombiniert wird. Es könnte sich also um eine „Teleportierung“ handeln. „Rick und Morty“ könnte auch ein Bezug zu einer populären Serie sein, die oft mit abstrusen oder absurden Konzepten spielt.
Eine junge Frau am Fenster der Metro an der Station Dnipro
In der U-Bahn in Kiew an einem Wintertag
Alle Menschen in Europa teilen eine gemeinsame Zukunft
Europa ist klein. Auf etwa 10,5 Millionen Quadratkilometern tummeln sich historisch schon immer viele verschiedene Menschen. Von Åland bis Andalusien, ob Basken, Bretonen oder Bayern… Jedes Volk hat seine eigene Geschichte, traditionelle Trachten, Brauchtum, kulinarische Spezialitäten und Musik. Eine Sache teilen jedoch alle Menschen in Europa, und das ist die gemeinsame Zukunft auf engem Raum. Was die Menschen in Europa verbindet, ist der Wunsch, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und die Hoffnung, dass es vorangeht. „Was verbindet die Menschen in Europa?“ weiterlesen
Die Zorki 4K ist seit 5 Jahren meine treue Begleiterin bei allen Fotoabenteuern. Es ist eine robuste, rein mechanische Kamera. Mein Modell wurde 1974 gebaut – dieses Jahr wird meine Lieblingskamera 50!
Zu diesem runden Jubiläumsgeburtstag möchte ich hier nun ihre besten Fotos zeigen. Die glücklichsten Schnappschüsse, gelungensten Ergebnisse der gemeinsamen Zeit… Es soll sichtbar werden, was die Kamera kann und warum sie meine Lieblingskamera ist.
Der Geburtstag selbst wurde gebührlich gefeiert: Es gab eine Party mit Ballon, Yes-Törtchen und sogar eigene Briefmarken für die Post im Jubiläumsjahr. Ein Fotobuch hält die 50 schönsten gemeinsamen Erinnerungen fest.
Die Geburtstagsparty:
Geburtstagstisch für die Zorki
Geburtstagsgeschenk Fotobuch
Ballon zum 50. Geburtstag der Zorki
Aber wie kann es jetzt weitergehen? Geburtstage haben immer auch etwas mit Zukunft zu tun und die Fotografie ist ein großes Feld!
Hier soll ein Beitrag entstehen, der in den nächsten Monaten und Jahren weiter wachsen kann. Dafür habe ich 50 Impulse gesammelt. Fragen an die Fotografie. Stimuli, die provozieren, triggern, mit denen sich Fotografinnen und Fotografen beschäftigen können und die oft auch wahrlich nicht einfach und kurz beantwortet werden können.
Teil 1:
50 Fotos zum 50. Geburtstag
Die Zorki hat ihren Charakter und das Jupiter 12 Objektiv verleiht so manchem Foto eine eigene Prägung. Aber für mich sind sie das Dreamteam. Würde ich mit einer teuren Leica nachts unbekümmert durch Palermo schlendern? Will ich mehrere Kilo Fotoausrüstung über Mumbais Märkte schleppen? Hält der Akku an einem frostigen Wintertag bei Minus 12 Grad? Können mir Meerwasser und Sand etwas anhaben? Die Zorki hat null Elektronik. Es gibt keine Batterien. Sie ist leicht, ich kann alles einstellen, und vor allem ist sie zuverlässig! Sie funktioniert bei jedem Wetter, schnappt und surrt sauber ihre Zeiten ab, und mit dem praktischen Spannhebel kann ich in besonderen Situationen auch mal schnell viele Fotos hintereinander schießen.
Die Auswahl der Fotos war schwierig. Was möchte ich zeigen? Worum geht es eigentlich? Fotos können auch angeben: „Schaut mal, wo ich überall war!“ Manche Fotos sind eher private Erinnerungen. Der experimentelle Aspekt ist beim analogen Fotografieren ebenfalls interessant: Abgelaufene Filme, alternative Filmentwicklungsmethoden…
Mir ist wichtig, dass es nicht nur gute, sondern besondere Fotos sind. Es sollen Fotos sein, über die ich mich richtig freue! Nicht nur, weil sie gelungen sind, sondern weil auch ein bisschen Glück dabei war. Manchmal passiert es. Dann fügen sich die Dinge zusammen und ZACK, hat man genau den richtigen Augenblick erwischt: Eine Straßenszene, ein Blick, Lensflares an der genau richtigen Stelle, die Szene passt perfekt zur Emulsion des Films… Solche Fotos sind wie ein Geschenk. Zu jedem dieser 50 ausgewählten Bilder kann ich etwas erzählen. Es sind glückliche Momente, in denen ich eine Resonanz erlebt habe: Nicht nur ich, sondern die Welt und meine Kamera vereint. Hier sind 50 Fotos, die wir gemeinsam geschaffen haben.
In meinem Beitrag über Kunstmarketing sammle ich allgemeine Tipps und Ideen, wie Kunstschaffende mit dem Thema Marketing umgehen können. Man kann meinem Marketingkonzept jedoch vorwerfen, es wäre zu verträumt. Schließlich frage ich ganz zentral am Anfang: “Was wäre das Beste, was mir und meiner Kunst passieren könnte?“
Künstlerinnen und Künstler schaffen ihre Werke und hoffen dann, diese zu verkaufen. Ein Unternehmen würde es anders machen, viel zielorientierter. Es würde nicht einfach drauflosproduzieren und dann versuchen, die geschaffenen Produkte zu Geld zu machen. Vor der Produktion würde man zunächst versuchen, mehr über die Zielgruppe und ihre Bedürfnisse zu erfahren. Und erst anschließend entsprechende Produkte entwickeln.
Diese Möglichkeit der „marktorientierten Kunstproduktion“ möchte ich an manchen Stellen auch nicht ohne leichte Ironie aus meiner persönlichen Künstlersicht beleuchten. Indem ich teilweise überspitzt und schablonenhaft Zielgruppen beschreibe und Kunst als Produkt darstelle, möchte ich zeigen, dass Marketing kein Selbstzweck ist.
So manches schillernde Phänomen auf dem Kunstmarkt wirft Fragen auf. Wie steht es um die Authentizität und Integrität der künstlerischen Arbeit? Wird Kunst lediglich als marktorientiertes Produkt geschaffen, das auf Basis von Analysen und Trendforschungen entwickelt wird?
Dieser Beitrag will versuchen, die Zielgruppe von zeitgenössischer Kunst und ihre spezifischen Präferenzen zu erforschen. Anhand der gewonnenen Informationen gehen wir dann auf künstlerische Produkte ein und schauen, wie sich Kunstschaffende am Markt orientieren können.
Miau! Wie kommt es zu diesen schrecklichen Bildern? Aus meinem Entwurfsschrank hab ich kleine Kritzeleien und Skizzen mit KI zu „dekorativer Kunst“ verwurstet. Indem wir die Beliebigkeit und Austauschbarkeit künstlich generierter Kunstwerke erkennen, möchte ich eine Lanze für mehr Menschlichkeit brechen. Am Ende des Beitrags sieht man meine originalen Vorlagen für die Illustration.
Wer Kunst macht, muss sich von der Masse abheben, um gesehen zu werden. Dieser Druck schafft aber auf Dauer auch große Probleme. Es entstehen immer weniger “echte” Kunstwerke. Stattdessen sehen wir immer mehr künstlerische Marken und spezifische Designs. Formelhaftes Arbeiten ist in meinen Augen Dekoration und solche Kunst bleibt ohne gesellschaftliche Bedeutung. Zwei herrliche Bücher, die man in diesem Zusammenhang lesen kann, sind: “Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst” von Kolja Reichert und “Kunst hassen: Eine enttäuschte Liebe” von Nicole Zepter.
Mini-Marketingstrategie für Eilige.
To-do-Liste:
1. Ziele setzen:
Definiere SMART-Ziele für deine künstlerische Karriere. Überlege, was für dich und deine Kunst am besten ist.
Die Abkürzung „SMART“ steht übersetzt im Deutschen für:
S – Spezifisch
M – Messbar
A – Attraktiv
R – Realistisch
T – Terminiert
2. Zielgruppe verstehen:
Identifiziere potenzielle Galerien, Sammler oder deine spezielle Zielgruppe. Wo und an wen möchtest du deine Kunstwerke verkaufen? Verstehe ihre Bedürfnisse und Interessen.
3. Dein Produkt, Instrumente und Aktivitäten auswählen:
Entscheide dich für Kunstwerke und Angebote, die deine künstlerische Integrität bewahren. Denke nicht nur an Verkäufe, sondern berücksichtige auch Ausstellungen, Kunstpreise und Stipendien als Ziele.
4. Maßnahmen planen:
Schaffe Inhalte und erzähle Geschichten zu deiner Kunst (Storytelling und Kontextualisierung). Nutze soziale Medien, eine eigene Webseite und arbeite mit lokaler Presse zusammen und baue Partnerschaften und Kooperationen auf.
5. Erfolg bewerten:
Verfolge den Erfolg: Wie viele Klicks, Likes, Kommentare, Verkäufe oder Feedback hast du erreicht? Prüfe, was gut funktioniert hat und sammle Ideen zur Verbesserung für zukünftige Aktivitäten. Passe deine Strategie an.
In diesem Beitrag möchte ich Fotos aus Mailand zeigen. Es sind analoge Fotos, die ich mit meiner alten Lieblingskamera, der Zorki 4K gemacht habe. Aber zusätzlich soll auch ein Text entstehen. Weil eigentlich gibt es viel zu erzählen. Warum ich die Fotos gemacht habe, wieso ich genau sie aus den vielen hundert Fotos ausgewählt habe und weshalb sie mir etwas bedeuten – das alles kann interessant sein.
Nun ist das Problem jedoch, dass ich angefangen habe, mit einer KI zu arbeiten. Ich habe einen langen Prompt für Chat GPT geschrieben und daraus sind Texte entstanden, die man typischerweise nehmen könnte, wenn man Fotos präsentiert. Nach all diesen Worten fällt es mir jetzt schwer, so zu tun, als wäre nichts gewesen. Ich möchte gerne, dass mein Text interessant wird und spannend zu lesen ist. Und vielleicht hat die KI ja recht. Schon der vorgeschlagene Titel „Mailand durch die Linse der Zeit“ ist ja mal gar nicht so schlecht. Da ich nun diese fantastischen technischen Möglichkeiten habe, wäre ich nicht dumm, sie nicht zu nutzen?
Zum Start kommen hier meine Gedanken: Ich möchte meine neuesten Fotos aus Mailand präsentieren. Viele Fotos zeigen Menschen, einige jedoch auch Mailand als wirtschaftliches Zentrum Italiens mit Hochhäusern, moderner Architektur und einer sehr guten Infrastruktur. Mir ist es wichtig zu zeigen, wie sich Mailand vom Rest Italiens unterscheidet. Ich habe bereits viele Fotos aus Italien auf meiner Webseite, darunter romantische schöne Städte wie Venedig oder aufregende und lebendige Städte wie Palermo. Mailand ist jedoch anders. Es ist eine moderne europäische Großstadt und eine Wirtschaftsmetropole. Deshalb fand ich vor allem die Menschen interessant: Wie sie abends an den Navigli-Kanälen flanieren, wie sie in der schönen alten Straßenbahn ein Buch lesen oder wie sie elegant gekleidet auf dem Dach des Mailänder Doms so adrett und perfekt gestylt aussehen, dass sie einem Modekatalog entsprungen scheinen. Ich finde auch die Parallelwelten einer so großen Stadt spannend: Z.B. die Lieferboten mit ihren durch etliche Zusatz-Akkus aufgepimpten E-Bikes, wenn sie an der Porta Ticinese auf Bestellungen warten. Digitale Ritter einer neuen Welt…
Menschen in Milano
Beim Teilen von Fotos geht es nicht nur um die Bilder selbst. Das Teilen ist mehr als nur Kommunikation, es ist ebenso ein sozialer Akt und eine Art, sich seiner selbst zu vergewissern. Unser Selbst konstituiert sich auch durch die Art und Weise, wie wir uns mitteilen.
Je nachdem, welche Worte ich finde und wie ich es schaffe, von meinen Erlebnissen und Gedanken zu berichten, baue ich um mich herum mit der Zeit eine eigene, einzigartige Welt. Wenn der Beitrag dann fertiggeschrieben und veröffentlicht ist, wird er zu einem Teil meines Lebens und Erinnerns. Schreiben ist eine Gelegenheit, das Erlebte zu reflektieren und abzuschließen. Speziell das Schreiben im Internet ist vor allem eine Form der Selbstkommunikation, da ich die meisten Besucher meiner Webseite ja gar nicht kenne.
Wie in jeder Kunstform braucht der Mensch auch beim Schreiben ein feines Taktgefühl. Während des Schreibens fühlt man sich fast begleitet von einem kleinen Team unsichtbarer, imaginärer Leser. Man ist beim Schreiben nicht wirklich allein. Worte und Aussagen werden abgewogen, aneinander angepasst und strukturiert, so dass sie letztendlich den richtigen Ton treffen und einen inneren Klang erzeugen, der idealerweise zu den Bildern passt und den Beitrag interessant und gut lesbar macht.
Obwohl ich ein großer Fan schöner Worte und blumiger Ausschmückungen bin, gibt es dabei eine unsichtbare Grenze. Es kann passieren, dass Sprache zu viel wird. Wie Glitzer oder Zuckerstreusel. Dann kippt sie plötzlich um. Manche Sätze der KI klingen für mich einfach nur noch kitschig und die inneren Bilder, die sprachlichen Evokationen wirken falsch. Es ist eine unfreiwillige Ironie. Ich weiß, dass eine künstliche Intelligenz keine Gefühle und auch keine eigenen Erfahrungen hat. Und mit diesem Wissen fühlt es sich dann nicht nur falsch, sondern auch lächerlich an, wenn sie mit großem Getöse über meine grandiosen Erlebnisse in Milano berichtet.
Die folgenden Texte von Chat GPT sind fett, meine Texte normal. „Fotos und Text. Milano“ weiterlesen
Eine schwarz-weiße Entdeckungsreise durch die Straßen und Märkte von Palermo und Catania. Die ersten warmen Sonnentage am Meer, lebendige Plätze mit Musik, blühende Mandelbäume und Orangenduft.
Mit meiner Zorki Kamera möchte ich in diesem Beitrag den einzigartigen Charakter von Sizilien näher betrachten. Sizilien ist eine eigene Welt. Die Insel ist anders als der Rest von Italien. Das Essen, die Menschen, die Kultur und Geschichte …
Abenteuer auf dem Straßenmarkt La Fiera in Catania
Blick von oben auf den Markt La Fiera in Catania
Der Straßenmarkt La Fiera
Stoffballen
Artischocken auf dem Straßenmarkt La Fiera in Catania
Verkäufer, Poster und viele Menschen auf dem Straßenmarkt La Fiera
Shopping auf dem Straßenmarkt La Fiera
Als Motiv kommt für mich alles infrage, was das Auge fesselt. Alles, was ich sehe und wo mein Blick hängen bleibt, kann theoretisch ein gutes Motiv sein. Indem ich mich bei der Ausrüstung auf eine Kamera mit 35 mm Festbrennweite beschränke, kann ich mich auf das konzentrieren, was vor mir liegt, und werde nicht von der Technik abgelenkt.
Frischer Fisch vom Fischmarkt in Catania
Im Durchgang beim Fischmarkt
Frische Fische
Madonna am Rand des Fischmarktes
Verkäufer auf dem Fischmarkt
Menschen auf dem Fischmarkt
Espresso Pause auf dem Fischmarkt
Handeln, glückliche Kunden auf dem Fischmarkt
Frisches Gemüse
Frische Fische kaufen auf dem Fischmarkt in Catania
Jeder Schwarz-Weiß-Film hat eine eigene Ästhetik und kann dazu beitragen, die Stimmung und Atmosphäre eines Ortes oder einer Situation zu verstärken. Durch das Spiel von Hell und Dunkel, die spezielle Gradation, Tonwertabstufung und die Körnigkeit des Films bekommt das Bild ästhetische Qualitäten, die in ihrem Ausdruck bewusst künstlerisch eingesetzt werden können.„Sizilien“ weiterlesen
Die Möglichkeit, mithilfe künstlicher Intelligenz neue Bilder quasi aus dem Nichts zu generieren, ist im Sommer 2022 immer bekannter geworden. Es ist klar, dass man sich als Künstler auch damit beschäftigen und eine eigene Meinung dazu bilden muss.
Die Wirklichkeit war in der Fotografie schon immer ein wichtiges und ganz wesentliches Thema. Unter dem Titel „Jenseits der Unendlichkeit“ habe ich begonnen, analoge Fotos digital zu manipulieren, neue Negative zu erstellen und letztendlich wieder analoge Handabzüge zu machen. Teilweise habe ich meine Prints auch noch mit analogen Mitteln (Seifenblasen, Lichterketten etc.) in der Dunkelkammer künstlerisch weiter bearbeitet.
Ein Einhorn galoppiert an einem heißen Sommerabend über die Rheinauen
Delfine tummeln sich im stillen Spiegel des Rheins
So kann ich mithilfe künstlicher Intelligenz analoge Fotos von Delfinen im Rhein und Einhörnern erstellen. Besonders gelungen finde ich aber auch eher subtilere Bilder, wo man die Manipulation auf den ersten Blick gar nicht mehr erkennt: Giftschlangen am Flussufer, badende Menschen gemeinsam mit exotischen Tieren …
Badespaß für Jung und Alt am sommerlichen Rheinufer.
Krähen fliegen auf über diesem fein verästelten Baum oben auf einem weiten Hügel.
Ein Roboter auf dem Markt in Bologna.
Nessie mit Kind im Rhein vor Bonn. Mit einem Ausflugsdampfer nähern sich schaulustige Touristen.
Delfine tummeln sich im Spiegel des glatten Rheinwassers an einem heißen Sommerabend.
Eigentlich wartete ich auf ein Pärchen, das pittoresk über die Brücke schlendert. Vielleicht war es zu viel Sonne heute. In einem Augenblick erscheint dieses galoppierende Einhorn über den trockengelegten Rheinauen.
Im ausgetrockneten Flussbett des Rheins werden Kamelkarawanen eingesetzt, weil die Schiffe kaum noch Fracht transportieren können. Ein Jungtier hat sich von der Gruppe gelöst und trottet etwas abseits durch die Steinwüste des vertrockneten Flusses.
Giftschlangen schlängeln sich am Kiesstrand in Bonn und stellen laufenden Mädchen nach
Cool rauchende Schaufensterlady in Paris
Löwenzahn mit verlorenem Zahn und kleinem Schattenlöwe
Römer im Römerbad in Bonn
Die Skyline von Bonn im Abendlicht mit Lensflare
In der historischen analogen Fotografie auf lichtempfindlichem Filmmaterial wird die Großartigkeit aber auch die Beschränktheit des eigenen Sehens und Wahrnehmens meiner Meinung nach schön sichtbar. Gleichzeitig bietet die analoge Fotografie durch ihre physische Kausalität reichlich Überraschungen und materialimmanente neue fotografische Qualitäten. Den Umgang mit alten Kameras und analogen Filmen erlebe ich als ehrliches und authentisches Arbeiten.
Diese Perspektive auf die Fotografie ist mir als Hintergrund wichtig. Künstlerische Fotografie entsteht jedoch erst, wenn man trotz allem versucht, über die Technik hinaus und hinter die Beschränkungen vorzudringen. Der Titel „Beyond Infinity / Jenseits der Unendlichkeit“ möchte in diesem Sinne Arbeitsauftrag sein. Er will aufzeigen, was trotz der Beschränktheit auf eine alte Messsucherkamera und Schwarzweissfilm alles möglich ist. Ausgangspunkt für diese Serie ist immer die analoge Zorki-Kamera. Danach ist jedes zusätzliche Mittel erlaubt: Scanner und digitale Bildbearbeitung, künstliche Intelligenz, hochauflösende Laser, um neue Negative aus digitalen Vorlagen zu erstellen … Die Technik bildet den Rahmen für künstlerische Vorhaben. An der Beschränktheit dieses Rahmens kann sich jedoch auch die Fantasie entzünden, Neues passieren und künstlerische Fotografie entstehen, die bestenfalls über sich selbst hinausweist.
Fotos zeigen die Spuren, sie erinnern an unsere Wege und verweisen auf unsere Zeit und unseren Raum. Dennoch gibt es auch sehr viel, was eine Kamera nicht darstellen kann. Ein Foto ist immer eine Abstraktion und zeigt nur einen kleinen Ausschnitt. Der größte Teil der erlebten Wirklichkeit wird vom Foto nicht berücksichtigt.
Selbst gemachte analoge Handabzüge haben manchmal einen leicht amateurmäßigen, aber gerade deswegen auch vertrauten Charme. Solche Fotografie gilt oft als der Wirklichkeit entsprechend, im Gegensatz zu digitalen Bildern, wo man mittlerweile gewohnt ist, dass sie stark bearbeitet werden. Umso seltsamer ist es dann, meine altmodisch anmutenden Fotos anzuschauen. Tatsächlich wurden analoge Fotos jedoch auch früher schon bearbeitet, man denke beispielsweise an die Glasplattennegative des Fotografen Frank Eugene (1865-1936).
Die Indexikalität ist das wesentliche Merkmal eines Fotos. Der Bruch zwischen Referent und dem letztendlich vorliegenden Bild ist heute durch die Möglichkeit für jedermann, auch als Amateur täuschend echt wirkende Bilder fast aus dem Nichts zu generieren, noch einmal größer geworden. Aus dem Kino und von digitalen Fotos kennen wir künstlich generierte Bilder bereits sehr gut. Aber dass analoge Handabzüge aus der privaten Dunkelkammer plötzlich Fabelwesen oder frei erfundene Situationen zeigen, sind wir noch nicht gewohnt.
Mit der Arbeit an dieser Serie möchte ich zeigen, dass meine alte analoge Messsucherkamera alles fotografieren kann, was ich mir vorzustellen vermag. Sie wird im wahrsten Sinne des Wortes zur Zauberkamera. Und auch mit analogen Bildern habe ich unendliche Möglichkeiten.
Im Rahmen der Ausstellung „Unheimlich.Großartig“ habe ich meine Arbeiten im Atelierhaus Darmstadt gezeigt.
Eine Auswahl habe ich gerahmt, die andere Auswahl versucht möglichst pur als Silbergelatine Handabzug auf alten Baryt- und PE Papieren sichtbar zu machen.
Hier ein kleiner Auszug aus der Laudatio von Bettina Bergstedt zu unserer Vernissage:
„So schafft Georg Cevales surreale Bilder, wenn er mit einer alten sowjetischen Zorki-Kamera mithilfe von künstlicher Intelligenz seine Bilder bearbeitet. Sein Motiv: „Vater Rhein“, romantischer Mythos im 19. Jahrhundert. Der Fotograf Cevales setzt auf Irritation. Wenn Fotografie lange als das Abbild der Wahrheit galt, so erscheinen ein springender Delfin oder ein badender Dinosaurier im Rhein ‒ analog auf Silbergelatine oder Barytpapier gebannt, wie zwei sich ausschließende Behauptungen. Der surrealistische Lyriker und Essayist Pierre Reverdy sagte: „Je entfernter und richtiger die Beziehungen der beiden nebeneinanderstehenden Realitäten sind, desto stärker wird das Bild sein, desto stärker seine gefühlsmäßige … und seine poetische Aussagekraft“. So verweisen diese beiden Wahrheiten ‒ Delphin und Rhein, in die Zukunft. Ob so oder anders, wer weiß schon, welche Lebewesen aufgrund von Klimawandel einmal den Rhein bevölkern werden?“
Dieses Jahr sind künstliche Intelligenzen und all die Möglichkeiten, welche sich mit der Entwicklung dieser Technologie auftun, immer mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Kunstdiskussion mit einer KI:
Im Rahmen dieses Beitrags möchte ich eine kleine Spielerei starten: Die Texte und alle Bilder dieses Beitrags wurden mithilfe verschiedener künstlicher Intelligenzen entwickelt. Ausgangspunkt für den Text waren von mir gestellte Fragen zu den Themen „Individualisierung und Stil in der Kunst“ im Open AI Playground. Ein besonderes Anliegen waren mir daneben Überlegungen zur Avantgarde, Gesellschaftskritik und dem Selbstverständnis der Kunstschaffenden heute.
Wie sind die Texte entstanden?
Meistens habe ich nur einzelne Absätze aus langen, künstlich generierten Textpassagen genommen. Es sind viele lose Gedanken, die ich aneinandergereiht, etwas überarbeitet und mit eigenen Worten ausgeschmückt habe. So ist hier eine Textcollage entstanden, die mit ihren Aussagen vielleicht zum Nachdenken über Kunst, Stil und Individualisierung anregen kann.
Mit einem Chat-Bot (Chat-GPT) habe ich schließlich die gesammelten Ausführungen hinterfragt und eine Art Dialog kreiert. In den kursiv geschriebenen Texten sind die Antworten.
Wie sind die Bilder entstanden?
Die Bilder sind entstanden, indem ich alle Aussagen ins Englische übersetzt und den so gewonnenen Text in die KI DALL-E eingegeben habe, die aus Text Bilder generiert. Wenn einzelne Gesichter zu stark verzerrt waren, habe ich sie mit einer anderen KI notdürftig restauriert. Hier tritt auch die Beschränktheit der Technik, die im Moment noch in ihren Kinderschuhen steckt, besonders frappierend zu Tage. Das Titelbild ist ebenfalls eine digitale Collage. Es ist ein „Outpainting“, indem ich nacheinander spiralförmig alle vorher angewandten Texte eingegeben habe.
Was macht eine Lieblingskamera so kostbar? Ein Mensch, der sich geliebt fühlt, versprüht einen ganz besonderen Glanz. Aber können auch Dinge funkeln? Wollen Kameras lichte Augenblicke des Glücks erhaschen? Das Schillern der Morgenröte? Das Leuchten in den Augen?
Weiter Blick von der Edge-Aussichtsplattform, 336 Meter hoch über der Stadt:
Als Arete (griech. ἀρετή) beschreibt man die besondere Tauglichkeit einer Sache. Ihre wesentliche Qualität, durch die sie ihre Aufgabe erfüllt. Was wäre wohl dann die Arete meiner Lieblingskamera? Ich habe sie nach New York gebracht und mit ihr eine Woche lang ausführlich die Stadt erkundet. Meine Überlegung dazu war: Was würde sich eine Kamera wünschen, wenn sie könnte? Was wäre der Lebenstraum dieser kleinen alten Zorki? Und bevor es hier jetzt zu sentimental wird: An mich dachte ich auch. Ich wollte gerne in die Stadt. Dinge haben keine Seele. Ganz ehrlich, Name und Marke der Kamera sind für das Bild eigentlich gleichgültig. Vor allem, wenn man sich klar macht, dass das analoge Foto durchs Objektiv gemacht wird und auf Film entsteht.
In Harlem habe ich gewohnt und hier war ich die meiste Zeit unterwegs:
New York – Gemütliches Zimmer im Harlem Flophouse
Wie Zauberstäbe brauchen auch Kameras einen Träger, eine Idee und eine Absicht dahinter. Ein Fotoapparat folgt im Moment des Auslösens strikt seinen eigenen technischen Gesetzmäßigkeiten. Als künstlerisches Instrument betrachtet sind Kameras jedoch nicht autonom. Äußere Umstände, Ideen, Wahrnehmungen, Überlegungen und sogar Gefühle des Fotografen spielen für das Bild ebenfalls eine wesentliche Rolle.
Letztendlich dachte ich einfach, weder gefühlsduselig noch völlig rational, mit meiner Lieblingskamera müsste ich doch sicher ganz besonders schöne Fotos machen können. Und New York war dann die ‚coolste‘ Stadt, die ich mir für diesen Versuch denken konnte.„Lieblingskamera in New York“ weiterlesen
Hier möchte ich Fotoexperimente aus den Bergen sammeln. Es ist ein Portfolio mit meinen Erfahrungen beim Versuch, nur mit einfachsten Mitteln analog zu fotografieren.
Kommt mit auf eine Reise in die Dolomiten und entdeckt den Look verschiedener Filme und den Zauber von Caffenol, einem selbstgemischten Entwickler auf Kaffeebasis.
Die Reise beginnt: Vorbereitung und Ausrüstung.
Mit vollem Rucksack bin ich im Sommer in die Berge gefahren. Im Gepäck hatte ich jedoch nicht nur alle meine Lieblingskameras, sondern auch Wechselsack, Caffenol, Fixierer und Entwicklungsdöschen.
Ewig zu warten, bis man seine Ausbeute begutachten kann, erschien mir keine gute Lösung. Deswegen ist sogar ein Reise-Scanner mit dabei. So habe ich ein kleines, aber komplettes Berglabor und kann ungestört arbeiten, Fotos machen und die Filme direkt entwickeln und die Ergebnisse anschauen.
Experimente mit verschiedenen Filmtypen: Von Klassikern bis zu Exoten.
Mir macht es sehr viel Spaß, neue Filme auszuprobieren. Dabei recherchiere ich vorher den Stil eines Films und versuche passende Themen und Motive zu finden. Manche Filme schillern in silberigem Glanz und erinnern an alte Kinolegenden, manche sehen besonders düstrer aus…
Die Zorki mit Jupiter 9 Objektiv, feinem ORWO Film und selbst gemischtem Caffenol
Fotoapparat: Meine russische Spiegelreflex mit Helios Objektiv
Frisch entwickelter Film mit neugierigem Besuch
Caffenol: Ein selbstgemischter Entwickler auf Kaffeebasis.
Mein Caffenol-Rezept ist inzwischen ausgiebig erprobt und funktioniert eigentlich mit allen Filmen.
Caffenol-C-L
300 ml Wasser
5 g. Wasch-Soda
3 g. Vitamin C
12 g. Löslicher Kaffee
1 Meßlöffel (< 0,5 g.) Kaliumbromid
300 ml passen genau in eine kleine Jobo Filmentwicklungsdose. 70 Minuten Entwicklungszeit sind ein guter Richtwert bei 20 Grad. Die ersten 10 Minuten hin und wieder bewegen und vorsichtig schütteln. Anschließend kann man den Film 60 Minuten einfach nur stehen lassen.
Der Vorteil dieser Semi-Stand Entwicklung ist, dass sich das Caffenol anfangs gleichmäßig verteilt, danach wirkt der Entwickler aber ausgleichend. Ich habe das Gefühl, dass sich der Film nimmt, was er braucht. Caffenol C-L ist außerdem durch das wenige Soda nicht so stark und mit der langen Zeit von 70 Minuten ist es ein gutmütiges Entwickeln, welches manche Fehler verzeiht.
Ergebnisse aus dem Berglabor:
Der ORWO DN21 ist einer meiner Lieblingsfilme. Er ist sehr fein und perfekt für die Landschaftsfotografie geeignet. Weil er nur 16 ISO hat, kann man auch bei helllichtem Tage mit weit geöffneter Blende fotografieren und das Jupiter 9 Objektiv kann mit ihm seinen ganzen Charme entfalten.
Hier eine Auswahl mit dem ORWO DN21. Die Bilder wirken fein, scharf, hell, freundlich und besonders auch in den Mitten differenziert. Es ist ein fabelhafter Film für sonnige Ferientage mit einem lichtstarken Objektiv.
ORWO DN21 – Große Wolken beim Wandern oben über die Wiesen
ORWO DN21 – Silbrig glänzende Dolomiten
ORWO DN21 – Immer am Bergkamm entlang wandern
ORWO DN21 – Wolken und Wind oben in den Bergen
ORWO DN21 – Große Wolkenlandschaft
ORWO DN21 – Bergpanorama mit Wolken 1
ORWO DN21 – Bergpanorama mit Wolken 2
ORWO DN21 – Der Agner mit Wolken
Die Ergebnisse des ORWO DN21 wirkten so exquisit, dass ich sie zuhause mit einem guten Scanner nochmal eingelesen habe um genauer hinzuschauen. Tatsächlich ist er so superfein, dass man kaum noch Korn erkennen kann und selbst an weniger dichten Stellen findet sich noch eine erstaunliche Tiefe mit Bildinformationen.
Der ORWO TC27 ist eigentlich ein Verkehrsüberwachungsfilm mit Potenzial im Infrarot Bereich. Er hat zwar feines, aber doch deutliches Korn und ist 400 ISO schnell. Auf mich wirkt er teilweise etwas gräulich, wenn nicht sogar melancholisch und erinnert z.B. an eine Vorort-Reportage, an Pommes und Dosenbier mit wenig Glamour… Stimmungsmäßig eher wie ein Verwaltungsakt, wie ein Blitzerfoto oder wie eine Dokumentation aus alten, vergangenen Tagen.
Über den beinahe frugalen Look des ORWO TC27 habe ich mich sehr gefreut. Ein so schillerndes Bokeh, wie ich es bei den filigranen Gräsern am Bachlauf gemacht habe, hätte mit jedem anderen Film kitschig werden können. Hier wirkt es aber erstaunlich unprätentiös. Die Einsamkeit und leicht wehmütig anklingende Abendstille eines entlegenen Bergdorfs passt auch gut zu diesem Film, finde ich.
ORWO TC27 – Berge mit Kratzern am Fels
ORWO TC27 Bergbild ohne Kratzer am Fels
ORWO TC27 Abendsonne auf dem Berggipfel
ORWO TC27 Wolken am Berg
ORWO TC27 Blick am frühen Abend durch das Tal unten am Wildbach
ORWO TC27 Bokeh-Studie 1
ORWO TC27 Bokeh-Studie 2
ORWO TC27 Divieto Scarico Immondizie
ORWO TC27 Berg hinter Bäumen an einem bewölkten Tag
ORWO TC27 Wildbach Wasser
ORWO TC27 Bergabend, unterbelichtet
ORWO TC27 Rosen vor Holzwand
Einmal Innehalten, die Waldeinsamkeit spüren und den kleinen Dingen Achtsamkeit schenken. Was klingt wie eine Weisheit aus der Meditationsapp im Smartphone habe ich auf fünf Metern Waldweg probiert. Ein solider, zuverlässiger Film dafür ist der Kodak Tri-X 400. Unten auf dem Waldweg ist das Licht auch tagsüber eher schummrig und das besondere am Tri-X 400 ist der erstaunliche Dynamikumfang mit schön definierten Mitten. Man kann eigentlich nicht viel falsch machen, ich finde es einen echten Allrounder und fein ist er obendrein auch noch.
Hier eine Auswahl mit besonders feinen Fotos mit dem Kodak Tri-X 400. Kleinigkeiten auf einem kurzen Stückchen Waldweg.
Kodak Tri-X 400 – Altes Wurzelholz mit umwobenen Steinen
Kodak Tri-X 400 – Feine Netze und Verästelungen prägen sich in der empfindlichen Emulsion ab
Kodak Tri-X 400 Die gleichmäßige Struktur der Lamellen zum wirren Strudel des Vintage-Bokehs mit dem Helios Objektiv
Kodak Tri-X 400 – Die kleine Welt der Waldameisen
Kodak Tri-X 400 – Fast wie Noten ziehen sich die kreisrunden Löcher über das tote Holz
Kodak Tri-X 400 – Die Feinheit des Spinnennetzes hebt sich durch die weit geöffnete Blende räumlich vollständig vom Hintergrund ab.
Hier ein besonderes Sahnehäubchen: Der JCH Streetpan. Es ist ein schneller Film, mit 400 ISO und einem enormen Dynamikumfang. In Caffenol ist er mir leider nie geglückt und ich hatte bisher wenig Glück: Zu heiße Entwicklung, Natron statt Waschsoda… Diesmal, meine Sommerzeit in den Bergen war schon fast vorüber, wollte ich es nocheinmal probieren.
Bergbilder des JCH Streetpan. Wolken, Morgensonne Wasserfälle und Abendlicht. Ein vielfältiger und edler Film mit großem Dynamikumfang.
JCH Streetpan – Wasserfall mit großen Felsbrocken
JCH Streetpan – Kleine Wasserfälle, die sich von Becken zu Becken gießen
JCH Streetpan – Badevergnügen am Wasserfall in den Bergen
JCH Streetpan – Morgenlicht in den Dolomiten
JCH Streetpan – Wolken und Morgenlicht am Agner 1
JCH Streetpan – Wolken und Morgenlicht am Agner 2
JCH Streetpan – Auch im Dunkelgrau des Waldes sehr fein ausdifferenziert
JCH Streetpan – Wasserfall mit stürzendem Baum
JCH Streetpan – Blick am Morgen in das Bergtal
JCH Streetpan – Leuchtende Wolke mit den letzten Strahlen der Abendsonne
JCH Streetpan – Bergsicht mit Wolken und Bäumen
JCH Streetpan – Wolken verfangen sich oben in den Bergen
Wenn man ihn ganz leicht unterbelichtet, erinnert das samtige Mattschwarz des JCH Streetpan fast an eine Kohlezeichnung. Das Korn hat etwas Puderiges. Das Bild wirkt durch die Breite an dunklen Grautönen schwebend, als könnte man es mit einer Hand verwischen. Wolken kommen besonders dramatisch heraus. Allerdings ist auch das silbern glänzende Dolomitgestein, welches in Wirklichkeit freundlich und hell scheint, dunkel und mystisch.
Die Civetta gilt als einer der schönsten Berge in den Dolomiten. Auf dieser Wanderung nahm ich erneut meine treue Zorki-Kamera, hier allerdings ergänzt durch einen Gelbfilter. Gelbfilter helfen den Himmel dramatischer zu gestalten und heben insbesondere die Wolken besonders hervor. In der Landschaftsfotografie bietet es sich an, besonders feine Filme zu nehmen und auch leichte Grüngelb- oder Gelbfilter können dann zusätzlich helfen, das Foto besser zu konturieren.
Wanderung an der Civetta entlang mit der Zorki und leichtem Gelbfilter auf Ilford PAN F 50.
Monte Pelmo im Morgenlicht
Wanderung mit Freunden an der Civetta
Lago Coldai und Blick auf die Civetta
Die Civetta
Civetta mit Lens Flare
Hinter der Civetta führt der Weg in dieses Tal
Kleine Bäume auf einer Wiese oben bei der Civetta
Wolken und Bergspitzen mit Baum beim Rifugio Vazzoler
Berge wie Türme in den Wolken in der Nähe vom Rifugio Vazzoler
Räumliche Tiefenwirkung. Die verschiedenen Ebenen der Berge am Abend.
Der Ilford PAN F 50 ist eigentlich ein sehr feiner, klassischer Film – diesmal allerdings im Berglabor leicht unterentwickelt, was die Schatten zusätzlich schwärzt und den Himmel und die Gewitterwolken noch mehr zur Geltung bringt.
Sehr deutlich kommt der Filter-Effekt bei diesem Versuch zur Geltung: Ilford SFX 200 mit 720er Infrarotfilter. Das ist ein Filter, der das gesamte sichtbare Licht bis 720 nm blockiert. Dadurch muss man aber auch deutlich längere Belichtungszeiten kalkulieren. Hier habe ich die meisten Fotos mit der Zorki und maximal geöffneter Blende (beim Jupiter 12 Objektiv ist das 2.8) etwa 1/60tel Sekunde oder sogar etwas länger, allerdings immer aus der Hand belichtet.
Berge, Morgenlicht und am Wasserfall. Erste Infrarot-Versuche mit 720er Filter und in Kaffee entwickelt.
Morgenlicht mit Infrarot-Filter
Infrarot Aufnahme am Wasserfall
Am Wasserfall
Bergpanorama mit Ilford SFX 200 und 720er IR Filter
Feine Fotos aus dem Berglabor: In manchen meiner anderen Beiträge sammele ich feine Fotos. Dort ist es schön zu sehen, wie fein und dynamisch analoges Fotomaterial auflösen kann, wie viele Details sichtbar werden und was die Technik alles leisten kann. Allerdings ist das eigentlich nicht so sehr Thema in meinem Berglabor. Hier soll es vor allem darum gehen, zu zeigen, wie mit einfachsten Mitteln und quasi aus dem Reiserucksack heraus analog fotografiert und entwickelt werden kann.
Der ADOX CMS 20 II ist nun allerdings so fein geworden, dass ich nach dem Urlaub die Negative aus dem Berglabor auch einmal mit meinem guten Scanner zu Hause eingelesen habe. Hier sind die Ergebnisse.
Wenn man dem Wildbach Tegnàs immer weiter hinauf in die Berge folgt, kommt irgendwann die Quelle. Es ist ein magischer Ort, wo das Wasser überall aus den Felsen und zwischen den Steinen hervor quirlt und voller Lebenslust seine Reise hinab ins Tal antritt.
Am Wildbach
Der Monte Agnèr
Pflanzen in seitlichem Abendlicht vor dem dunklem Hintergrund des Waldes
Feinste Spinnenweben beim Blick nach oben zwischen den Bäumen
Quelle. Wo das Wasser unter den Felsen hervor sprudelt
Einer der schönsten Filme für Landschaftsfotografie ist sicherlich der japanische Fuji Acros. An einem winterlichen Neujahrstag wollte ich meiner Lieblingskamera einmal diesen besonderen Leckerbissen gönnen. Die Detaildichte, die feinen Kontraste und die differenzierten Dunkelgrautöne haben mich sehr überrascht.
Feine Fotos zu Neujahr. Mit meiner Lieblingskamera und Fuji Acros Film im Val d’Angheraz. Entwickelt habe ich den Film noch auf der Hütte, eingescannt jedoch wieder Zuhause im Atelier, mit meinem guten hochauflösenden Scanner.
Monte Agnèr mit frischem Neuschnee
Blick ins Val d’Angheraz
Sonniger Waldweg
Kleine Hütte am Ende des Tals, unterhalb der Croda Granda
Im Val d’Angheraz sprudelt das Wasser des Wildbaches „Tegnas“ unter den bemosten Felsen am Fuß der Croda Granda hervor
Im Quellgebiet des Tegnas.
Spiegelung im Bachlauf
Bergdorf mit Wintersonne
Hoch hinauf. Auf teilweise schwierigen Steigen bin ich hier früh morgens 1800 Meter hoch auf das Hochplateaus Altopiano der Pale di San Martino gewandert.
Es ist fast wie auf dem Mond. So hoch oben findet man sich in den Bergen in einer anderen Welt wieder. Es war ein wolkiger Tag mit viel Regen. Völlig durchnässt und wegen des schlechten Wetters sehr einsam war ich auf dem „Sentiero 766 Albireo“ unterwegs.
Dabei hatte ich die Zorki mit dem Jupiter 9 Objektiv. Es ist ein weiches 85 mm Objektiv mit riesigen Gläsern und großer, weit öffnender Blende. So haben die Fotos auf dem eher unempfindlichen Film „Lomography Babylon 13“ einen traumartigen, leicht isolierenden Charakter. Tatsächlich enthalten ist im Lomo Babylon 13 Film das feine ORWO DN21 Material, welches wir schon von früheren Experimenten kennen.
In diesem Fall fand ich die 85 mm Brennweite gut. Es scheint, als ob man in einem kleinen altmodischen Theater die Vorhänge öffnet und auf eine Bühne schaut, wo sich das Geschehen dann abspielt. Aber es wirkt nicht so, als ob man wirklich mittendrin und mit dabei wäre. Besonders eindrucksvoll ist das Spiel der Wolken um die Berggipfel. Ich mag die weichen Unschärfen und Vignetten gegenüber den schroffen Felsen und freue mich über die kurzen Risse in der Wolkendecke, wenn die Sonne scheint.
Nach einem langen Tag in den Bergen ist hier meine vielleicht umfangreichste Galerie: Pale di San Martino mit der Zorki und dem Jupiter 9 Objektiv auf Lomography Babylon 13 Film.
Entwickelt und gescannt im Berglabor Dolomiti.
Wolken mit Gipfel beim Aufstieg
Linien des Grates
Palagruppe mit dunklem Himmel
Wolkenfetzen und Felsen 3
Ein schwarzer Fels ragt steil über das Tal. Im Hintergrund das kleine Örtchen Gares
Wolkenfetzen und Felsen 2
Wolkenfetzen und Felsen 1
Die Focobongruppe
Die Marmolada in der Ferne
Tiefenwirkung mit verschiedenen Ebenen und Grautönen
Blick über das Val d`Angheraz
Hier einmal ein weicher, rundgeschliffener Berg
Die Marmolada mit Wolken und unscharfem Vordergrund
Berg mit Himmel und Wolken
Pian del Miel – eine Wiese mit Steinböcken hoch oben in den Bergen
Blick über die benachbarten Gipfel zwischen den Wolken 2
Blick über die benachbarten Gipfel zwischen den Wolken 1
Wolkendecke und Berge Nachmittags
Wie auf dem Mond. Hoch oben auf dem Hochplateau
Wie eine Zahnreihe schauen die Bergspitzen durch die Wolken
Monte Agner und Wolken von oben betrachtet
Das Hochplateau Altopiano Pale di San MArtino
Wolkenberge
Kleine Entwicklungsfehler mit Caffenol
Nach einem langen Sommer in den Bergen packte ich über Silvester erneut alles für mein Berglabor: Zorki, Caffenol, Fixierer und einen mobilen Scanner.
Alles, was man zum Fotografieren braucht: Zorki-Kamera, Entwicklungsdöschen, fertig gemischtes Caffenol, ein Fläschchen Fixierer und ein Scanner. Das Berglabor im Winter.
Der ORWO LF10 ist ein eigenartiger Film. Er trennt die Welt in eine helle und eine dunkle Seite. Wie ein Jedi-Ritter bei Star Wars muss man sich dann entscheiden, was man sehen will. Es gibt nämlich auch in den dunklen Bereichen durchaus feine Details. Der ganze enorme Dynamikumfang des Filmmaterials lässt sich indessen kaum ohne komplexe Software und Bildbearbeitung in ein digitales Foto packen. Also habe ich den Film zu hell gescannt.
Normal gescanntes Bergtal mit verschneiten Gipfeln
Hell gescanntes Bergtal mit verschneiten Gipfeln
Der düstere, sehr kontraststarke ORWO LF10 war mein erster Film in diesem Winter. Schneeberge, winterliches Bergdorf und Wildwasser.
Bergwand im Winter
Winterliches Bergdorf
Familienportrait
Scheune mit frischem Heu für die Ziegen im Winter
Am Wildbach
Schnee und Eiskristalle sind filigrane Wunderwerke. Während ich in den Winterferien ein Buch über den amerikanischen Forscher und Fotografen Wilson Bentley gelesen habe, wollte ich ausprobieren, wie weit und wie nah ich der Welt mit den beschränkten Mitteln in der Berghütte auf die Pelle rücken könnte.
Das Helios 44 Objektiv auf Makro-Rohr aus einer Toilettenpapierrolle.
Der Blick durch eine extrem vergrößernde Makro-Kamera eröffnet völlig neue Welten. Man vergisst alles andere um einen herum. Der Fokusbereich ist nur wenige Millimeter, Licht und Schatten schaffen dynamische Flächen mit Monsterbokeh und zwischen den Kreisen und blitzenden Lichtern treten für das eigene Auge kaum sichtbare Strukturen hervor.
Extreme Makrofotografie mit Klopapierrolle und der Zenit 3M Spiegelreflexkamera. Auf feinstem Kodak TMax 100 Film nach 70 Minuten Standentwicklung bei 20 Grad in Caffenol-CL.
Der Street Candy ATM400 ist ein Schwarzweißfilm, welcher ursprünglich für Sicherheits- und Überwachungskameras in Banken und Geldautomaten verwendet wurde.
In Caffenol entwickelt, wird er bei mir regelmäßig sehr grobkörnig. Details oder feine Strukturen funktionieren damit nicht mehr, für die Landschaftsfotografie finde ich ihn aus diesem Grunde nicht so gut geeignet. Bei großen Formen, weiten Flächen tritt das Korn jedoch schön hervor und die Fotos bekommen dadurch eine jenseitige, traumartige Attitüde. Augenblicke kurz vor der Zersetzung und vollständigen Auflösung der Welt.
Die wenigen Sonnenstrahlen an kurzen Wintertagen einfangen: Street Candy Film mit der Zorki in den Bergen. Bei Gegenlicht entstehen durch die Blende des Jupiter 12 Objektivs die fliegenden Pentagone: ⬟⭔⬠.
Fliegende Pentagone 1
Fliegende Pentagone 2
Fliegende Pentagone 3
Kleine Straße am Berghang
Im Flussbett
Verschneite Holzhütte oben in den Bergen
Selfie am Wasserfall
Spuren im Schnee
Waldweg mit Aussicht
Bergspiegelung in Schmelzwasser-Pfütze
Zum Neuen Jahr gab es kein Feuerwerk. Stattdessen bin ich mit meiner Stirnlampe vor der Zorki herumgerannt und habe Langzeitbelichtungen gemacht.
Analoge Lichtmalerei. Langzeitbelichtungen mit Drahtauslöser und Zorki4K im verschneiten Garten. Entwickelt mit Caffenol.
Lichtspuren und freie Formen mit der Zorki
Lichtspuren und freie Formen mit der Zorki
Lichtspuren und freie Formen mit der Zorki
Happy Little Accidents.
Wenn es mal nicht so läuft, wie geplant:
Es ist Teil des Spiels, wenn man Experimente macht, dass nicht alle Filme gelingen. Manche Filme zerkratzen, andere reißen. Ich finde es ein ehrliches und den schroffen Bergen angemessenes Arbeiten, wenn sich auch solche Spuren im analogen Material wiederfinden.
Was passiert, wenn am Anfang nicht ordentlich entwickelt wird, sieht man hier: Morgendliche Schafherde auf dem Weg zur Alm und ein etwas makaberes Stillleben mit toten Mäusen und verwitterter, bemooster Barbiepuppe, die ich im Wald gefunden habe.
Früh Morgens zieht eine große Schafherde durch das Dorf hoch auf die Alm
Falls jemand Schlafprobleme hat – Schäfchen zählen
Natura Morta – Stillleben mit toten Mäusen und Barbie 1
Natura Morta – Stillleben mit toten Mäusen und Barbie 2
Fatal war: Ich hatte keinen Messbecher und nur ein zu kleines Marmeladenglas. Da ich mein frisch angerührtes Caffenol ohne Vorwässern nicht in einem Rutsch, sondern in zwei Anläufen in das Entwicklerdöschen geschüttet habe, ist eine unschöne Linie über den ganzen Film entstanden. Gleichmäßiges Eingießen und sanfte Bewegung am Anfang des Entwicklungsprozesses sind, wie man sieht, essenziell.
Der ORWO P400 ist ein grober Film, der dadurch viel Charakter haben könnte. Leider ist aber auch das Trägermaterial sehr dünn und so habe ich in meinem doch eher rustikalen Berglabor beim Abstreifen direkt den ganzen Film zerkratzt.
Durch seine Körnigkeit hat der ORWO P400 einen ganz besonderen Look. Das Bild wirkt beinahe luftig und atmend. Wolken, Nebel, Silhouetten könnten damit wunderbar wirken.
ORWO P400 Blick auf die gegenüberliegende Bergwand
ORWO P400 Wolken an den Bergen
ORWO P400 Selfie in einer Grotte oben in den Bergen
ORWO P400 Tiefe Sonne und Wolken in den Bergen
ORWO P400 Tiefe Wolken am Abend in den Bergen
Der ORWO P400 kann in Caffenol sehr dunkel werden. Speziell, wenn man ihn überentwickelt bzw. zu heiß entwickelt, ist er kaum noch lesbar.
Bei einer Wanderung im Winter hatte ich ihn wieder dabei. Den Film habe ich anschließend bei Raumtemperatur, etwa 16-17 Grad, für 80 Minuten in meinem feinen Caffenol-Rezept standentwickelt. Ohne Scanner und ohne Computer war die Digitalisierung diesmal besonders knifflig. Letztendlich habe ich die Fotos abfotografiert und mit der App Snapseed, mithilfe des Kurven-Tools, in Positive umgewandelt.
ORWO P400 im Winter. Ohne Scanner und ohne Computer habe ich hier versucht den dunklen Filmstreifen vor einer LED-Lampe in der Hütte abzufotografieren. Die Fotos der Negative habe ich anschließend mit einer App auf dem Handy in Positive umgewandelt, damit man sie sich anschauen kann.
Negativ-Streifen Mt. Agner mit Bäumen
Fotoduell
Tal, in dem manchmal Schmelzwasser fließt.
Bergstraße mit dreieckigem Berg
Wanderweg durch verwüsteten Wald
Nach Sturm und Borkenkäfer stehen nur noch wenige Bäume
Gräser am Rande des Tals vor dunklem Hintergrund
Negativ-Streifen Val d’Angheraz
Mein Caffenol-Rezept funktioniert eigentlich ziemlich gut – nur die Temperatur sollte man im Rahmen von 20 Grad halten. Bei 7 Grad Standentwicklung über 3 Stunden ging es noch halbwegs gut. Der Film war fahl, aber fein durchgezeichnet. Nach 70 Minuten bei knapp 30 Grad am Kachelofen war der Streifen hingegen beinahe schwarz.
Hier eine Auswahl mit verschiedenen Filmen im Winter. Einige habe ich zu heiß am Ofen entwickelt, andere zu kalt; einige sind mir gerissen.
Der Agner im Winter
Wolke im Abendlicht
Eisballen am Wildbach
Winterberge
Silvesterspaziergang
Das Valle di San Lucano mit typischer U-Tal Form
Im Winter bricht die Sonne für wenige Stunden hinter den Bergen hervor.
Filmriss in den Bergen
Am Ende eine kleine Vorgeschichte. Der Auftakt für mein Berglabor…
Letztes Jahr im Winter war ich schon einmal in den Bergen und habe versucht dort nicht nur analoge Fotos zu machen, sondern den Film anschließend auch direkt zu entwickeln und zu digitalisieren. Nur hatte ich damals nichts dabei. Nur meine Zorki zum fotografieren.
Erstes Berglabor: Versuch einen Film im Topf mit Kaffee zu entwickeln und mit normalem Kochsalz zwei Tage lang auf dem Ofen zu fixieren.
Winterberge
Eiszapfen am Wildbach
Verfallenes Haus im Bergdorf
Beim Winterspaziergang
Winterspaziergang mit Sonne
In einem abgedunkelten Zimmer zog ich den Film aus der Kamera und legte das ganze Band in einen großen Kochtopf mit meiner Caffenolmischung. Das war damals das Delta-Rezept, welches schneller geht. 15 Minuten versuchte ich dann mit Gummihandschuhen vorsichtig den Film im Kochtopf zu bewegen, bis alles benetzt und entwickelt war. Schließlich legte ich ihn kurz in eine Schüssel mit etwas Essigwasser und zum Wässern in einen Eimer.
Mit Kaffe entwickelter Film zum Fixieren in Salzlösung
Auf dem Herd habe ich versucht, so viel Salz wie möglich in einem Liter warmem Wasser zu lösen. In dieser übersättigten Salzlösung habe ich anschließend den Film zwei Tage lang auf dem Kachelofen fixiert und hin und wieder durchgeschüttelt.
Ein Fehler war, dass das Fixierbad im Gurkenglas nicht lichtdicht war. Tatsächlich darf ein Film nach der Entwicklung noch nicht sofort ans Licht! Erst nach einer Weile im Fixierbad ist er nicht mehr empfindlich. So ist mein erster Filmentwicklungsversuch sehr dunkel geworden. Dennoch hat es funktioniert und es ergaben sich Negative, welche ich am Fenster gegen das Licht mit einer kleinen Digitalkamera abfotografieren konnte.
Zu Hause mit Wechselsack und Filmentwicklungsdose habe ich ein zweites Mal versucht, ob man einen Film in gesättigter Salzlösung fixiert bekommt. Es wäre einfach so cool, nur mit Hausmitteln… Diesmal ist der Film sehr schön geworden.
Nach zwei Tagen im Salzbad. Der fixierte Film sieht klar aus und lässt sich gut scannen und printen.
Mit Entwickler habe ich ein X auf den fixierten Film gezeichnet. Eigentlich dürfte man nichts sehen. Aber leider…
Nach ein paar Wochen habe ich ein Stück des Films wieder hervorgeholt und mit einem feinen Pinsel und KODAK Xtol Entwickler ein kleines X auf ein leeres, in Salz fixiertes Negativ gezeichnet. Leider wurde die Spur sofort sichtbar. Der Film war nicht richtig fixiert. Also auch wenn es zum Scannen und sogar Printen in der Dunkelkammer ausgereicht hat – wirklich sicher und haltbar ist das Ganze nach meiner Beobachtung leider nicht.
Zweiter Versuch. Winter in den Bergen. Mit Caffenol entwickelt und in Salz fixiert. Aber diesmal mit Filmentwicklungsdose.
Schneespaziergang oben auf dem Pass
Feine Linien im Schnee
Gegenlicht, Wintersonne oben auf dem Pass
Leuchtender Winterbusch
Blick durch das winterliche Tal
Selfie im Verkehrsspiegel
Winterberge mit Wald
Vereiste Äste am Wildbach
Längere Belichtungszeit am Wildbach
Im folgenden Winter war ich wieder in den Bergen, wieder ohne Fixierer. Diesmal wollte ich das Fixieren mit Salz beschleunigen. Meine Überlegung war die: Ammoniak könnte meine Salzlösung unterstützen, indem überschüssige Bromid-Ionen gebunden werden und sich das Gleichgewicht weiter in Richtung Auflösung des Silberhalogenids verschiebt. Dadurch arbeiten die beiden Komponenten synergistisch.
Mit in warmen Wasser stark gesättigter Salzlösung und etwas Ammoniak habe ich dann versucht die Fotos im Berglabor zu fixieren.
Wie wirkt Ammoniak beim Fixieren?
Ammoniak (NH₃) löst das unbelichtete Silberhalogenid (z. B. Silberbromid, AgBr) aus der Filmemulsion, indem es einen löslichen Silberkomplex bildet:
AgBr (s)+2NH3(aq)→[Ag(NH3)2]+(aq)+Br−(aq)
Am Ende hat man einen wasserlöslichen Diamminsilber-Komplex, der ausgespült werden kann. Ein großer Teil des lichtempfindlichen Silberhalogenid ist entfernt, das entwickelte Bild dagegen bleibt stehen.
Die Ergebnisse waren nach 70 Minuten Stand-Entwicklung bei 20 Grad in Caffenol C-L, einem Stoppbad mit Apfelessig und abschließend 17 Stunden in meinem Salz-Ammoniak-Fix zumindest soweit fixiert, dass ich sie gut im Reisescanner auf der Hütte digitalisieren konnte.
Ein Bild vom Cascata dell’Inferno habe ich anschließend digital weiterverarbeitet und einen röhrenden Hirsch mit etwas Bildrauschen und Bewegungsunschärfe eingefügt. In Erinnerung an mein Projekt Beyond-infinity. Magische Motive mit der Zorki-Kamera.
Cascata dell’Inferno mit künstlich hinzugefügtem KI-Hirsch. Im Berglabor Dolomiti mit Caffenol entwickelter Film, mit Ammoniak fixiert und mit Photoshop weiterbearbeitet.
Es ist schon witzig, wie sich Bilder finden lassen. Im Zusammenspiel der vielen Möglichkeiten, einerseits mit „primitiven“ technischen Mitteln, andererseits mit generativer KI und neuer Software. Es fasziniert mich immer wieder und ist schön zu sehen, wie man Prozesse steuern und in der Fotografie eigene Ideen umsetzen kann.
Fotografieren auf Reisen macht sehr viel Spaß. Aber auch wenn man zu Hause ist, kann man viel erleben und nicht nur Experimente machen. Oft ergeben sich daraus tatsächlich schöne, besondere Fotos und ganz neue Blickwinkel auf die eigene Stadt.
Über meine fotografischen Eskapaden in Bonn habe ich einen inzwischen sehr umfangreichen Beitrag mit vielen Hunderten Fotos geschrieben. Wer möchte, ist herzlich eingeladen zum Stöbern, Lesen und Fotos angucken: Bon(n) Expérimental – Fotos aus Bonn.
Über Marketing gibt es viele Bücher und Blogs. Jedes große Unternehmen hat Marketingexperten. Doch trotz all diesem professionellen Wissen für nahezu alle Wirtschaftszweige gibt es kaum brauchbare Tipps und Ideen für Künstlerinnen und Künstler. Bücher zum Thema Kunstmarketing richten sich fast ausschließlich an kulturelle Institutionen, an Museen oder Konzerthäuser. Die meisten angebotenen Lösungen sind entweder zu trivial und bestehen nur aus schlagwortartigen Plattitüden, oder sie sind viel zu groß und umfassend für Einmannbetriebe, Freiberufler und Soloselbstständige. Auch Videos auf Youtube helfen nur selten weiter, weil man sie nicht ohne Weiteres in eine eigene Strategie umwandeln kann.
Bacchusfeste im antiken Rom waren Feierlichkeiten, die von den Bacchanten und Bacchantinnen oft mit wildester Ausgelassenheit zelebriert wurden.
Das Bacchanal ist ein typisches Sujet in der Kunst und hat schon immer Sammlerinnen und Sammler angesprochen. Für meine Überlegungen zum Produkt- und Werkkonzept in der Malerei habe ich mich hier von Francesco Zuccarelli inspirieren lassen und ein kleinformatiges Bacchanal mit Öl auf Holz gemalt. Es ist quasi ein Kabinettstück, ein Bild, welches man unkompliziert besitzen kann, nicht teuer und speziell für kleine private Räume gedacht.
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht als weiterer Experte hervortun oder ein komplett neues Fass aufmachen. Aber ich möchte einen inspirierenden Text schreiben und konkrete Ideen zusammentragen. In diesem Beitrag will ich Tipps sammeln, die Künstlerinnen und Künstlern helfen können, mit dem Thema Marketing umzugehen. Dabei soll dieser Text immer weiter wachsen und nach und nach zu einer umfangreichen Marketing-Inspirationsquelle werden.
Wirtschaftliches Denken ist für Kunstschaffende oft ein besonderes Problem.
Vieles, was in der Wirtschaft funktioniert, kann theoretisch auch für Kunstschaffende gelten. Dennoch ist es in der Praxis nicht so einfach. Einerseits definieren sich Künstlerinnen und Künstler stark über ihre Tätigkeit. „Wollen Sie sich zur Hure des Marktes machen? Die Kunst ist frei!“ Kunstschaffende sind auch oft menschlich nicht ganz unkompliziert. Teilweise sind sie geradezu narzisstisch, selten kritikfähig und es fehlt ihnen jegliche professionelle Distanz zur eigenen Arbeit. Andererseits haben Kunstschaffende oft das Gefühl, alles zu können. Besonders wenn sie Geld brauchen, sind sie auch bereit (fast) alles zu machen: „Familienwappen? Porträts? Kopien? Ich male ihnen alles! Hauptsache, es kommt irgendwie Geld rein…“
Ikone, Öl mit echtem Lapislazuli und Gold auf Holz, 64 x 50 cm
Im Rahmen meiner Forschung zum Werk- und Produktkonzept in der Malerei habe ich diese Ikone mit Öl auf Holz gemalt.
Den Bildträger habe ich nach dem Hochwasser am Rheinufer gesucht, einige Jahre trocknen lassen und anschließend bemalt. Das Inkarnat ist auf Basis von zyprischem Ocker, der Kapuzenpulli mit Lapislazuli gemalt und die Heiligenschein-Krone aus Blattgold.
Wenn man in der Malerei über den Werkbegriff nachdenkt, ist die Ikone das Extrem. Eine Ikone ist quasi das Kunstwerk in seiner Reinform. Es gibt sogar in vielen Völkern Erzählungen über wundertätige Ikonen. Mit Gold und kostbarem Lapislazuli immer weiter überhöht und aufgeladen entsteht nach und nach ein richtiges ideelles Gegenüber.
Flexibilität ist am Anfang einer künstlerischen Karriere wichtig, um überhaupt zu überleben, genau darin liegt aber später auch eine Gefahr. Viele Künstlerinnen und Künstler haben kein eigenes Profil. Sie können alles und nichts. Niemand weiß, was sie eigentlich machen und wollen. Wer bin ich als Künstlerin? Wer bin ich als Künstler? Was mache ich?
Marketing für Kunstschaffende heißt zunächst, die eigene künstlerische Identität auszubauen.
Absinthfee, Öl auf Holz, 93 x 71 cm
Die grüne Absinthfee ist ein metaphorisches Konzept für künstlerische Avantgarde und die Entdeckung und den Dialog mit neuen, jenseitigen Welten.
Künstler wie Manet, Gauguin, Toulouse-Lautrec, Picasso oder Vincent van Gogh wurden von ihr inspiriert. Aber auch für weniger berühmte Namen, die oft am Rande der Gesellschaft lebten, quasi den „Punks des 19. Jahrhunderts“, war sie Trost, Inspiration und Muse. Die Absinth Fee (französisch La fée verte) kann als Symbol für das Bohème sein und für prospektives Gedankengut in einer sich wandelnden Gesellschaft stehen. Sie ist ein Zeichen für poetische Inspiration, für eine freie Geisteshaltung, neue Ideen und Transformation.
Viele Strategien beginnen mit einer sogenannten SWOT-Analyse. Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken? Für Künstlerinnen und Künstler ist das keine gute Herangehensweise. Die Risiken und Gefahren werden in den meisten Fällen erdrückend sein, die Chancen und Erfolgsfaktoren dagegen kaum auszumachen.
Wettbewerb und Konkurrenzkampf wirken manchmal albern.
Profilbildung in der Wirtschaft geht auch oft über die Wettbewerber. Im Vergleich zeigen sich dann die eigenen Stärken… Doch auch dieser Weg ist für uns im Kunstbereich keine gute Methode. Schließlich möchten Kunstschaffende ja einzigartig sein. Im Vergleich mit seinen Wettbewerbern kann man sich dann zwar wunderbar anpassen, gleichzeitig wird man aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten, Defizite und Schwächen erleben. Von Selbstzweifeln geplagt könnte man schließlich feststellen, dass es eigentlich alles schon gab. Viele haben vielleicht auch schon ähnliche Sätze gehört wie: „Deine Bilder erinnern mich total an…“ oder „du musst dir unbedingt mal den Künstler XY anschauen, der macht auch so Sachen.“
Besser als die klassische SWOT-Analyse ist es stattdessen den eigenen Wünschen einen Raum zu geben. Meine Marketingstrategie gründet deswegen auf Hoffnungen und Wünsche. Ich glaube, dass gerade im eigenen Willen und in Wünschen und Träumen eine ungeheure Kraft und großes Potenzial steckt. Und wenn man ihn richtig verfolgt, schärft dieser Weg auch die eigene Persönlichkeit und das eigene künstlerische Profil.
Eine gute Frage zu Beginn wäre: Was ist das Beste, was mir und meiner Kunst passieren könnte?
Im Anschluss kann man noch mehr ins Detail gehen: Will ich Bilder verkaufen? Möchte ich von Kuratoren und Galerien entdeckt werden? Möchte ich Preise oder Stipendien gewinnen? In den nun folgenden Absätzen will ich meine Ideen, Beobachtungen und Gedanken zu diesen drei konkreten Fragen zusammentragen.„Kunstmarketing“ weiterlesen