Eindrücke aus Venedig

This page wants to highlight a few typical moments and places and tries to capture a bit of the characteristic atmosphere that makes Venice so special.
Explore the old fish-market, watch the Regata Storica and admire the gold and grace of the Pala d’Oro and the mosaic floors in the Basilica di San Marco.
In addition to these main attractions, I like to encourage you to discover the beauty of those other little things, which will make every journey a very individual experience: small little streets, canals and enchanting night time strolls through the historic center.

Venedig ist eine Stadt der Gegensätze. Es gibt dort bunte Obst- und Fischmärkte, belebte Plätze, volle Cafés, prunkvolle Paläste mit prächtigen Sälen und elegante Gondeln.

Auf der Piazzetta San Marco
Auf der Piazzetta San Marco

Wenn ich morgens über den Fischmarkt bei Rialto gehe, um für das Mittagessen noch etwas zu besorgen, bin ich immer begeistert, was es dort alles zu sehen gibt. Manchmal liegt dort ein riesiger halber Thunfisch auf einigen mit Eis gefüllten Eimern und ein Verkäufer hat als Touristenattraktion den Kopf eines Haifisches ausgestellt. Auch sehr eindrücklich finde ich die Regatta Storica am ersten Septembersonntag.

Vielleicht hat man das Glück, wie ich, einen der begehrten Plätze auf einer Terrasse am Canal Grande zu bekommen und von dort aus die lange und farbige Zeremonie komplett von oben zu überblicken. Jede Bootsmanschaft hat eigene Trikots in unterschiedlichen Farben und aus allen Häusern hängen große Fahnen, so daß der ganze Canal Grande einen wirklich festlichen Eindruck macht. Außerdem hat man während der Regatta die seltene Gelegenheit, den großen Kanal einmal völlig ohne Motorboote zu sehen.

Die Rialtobrücke
Die Rialtobrücke

Ebenso farbig erscheint die Stadt während des Karnevals. Mir gelang es einmal, unbemerkt auf den großen Balkon des Dogenpalastes zu gelangen und von dort die gute Aussicht auf das Karnevalstreiben der Piazetta zu genießen. Ganz Venedig wird während des Karnevals zu einem großen Maskenball. Auf allen Plätzen spielt Musik, überall gibt es die hervorragenden venezianischen Karnevalskrapfen zu kaufen und die Gassen zwischen Markusplatz und Rialto sind so vollkommen verstopft mit Besuchern, daß die Polizei Einbahnverkehr einführen muß. Ähnlich eindrucksvoll ist das Redentorefest am dritten Julisonntag. Viele Venezianer feiern auf lampiongeschmückten Booten und bewundern die vielen leuchtenden Feuerwerksraketen, welche um Mitternacht abgeschossen werden und die Stadt mit einem ganz besonderen farbigen Glanz schmücken.

Canal Grande
Der Canal Grande

Während des Winters, aus dem nur die Karnevalstage (früher Monate) herausstechen, ist Venedig dagegen ganz anders. Zwischen 12 und 14 Uhr treibt es alle Menschen nach draußen und an die Zattere (Promenade), um dort das Wenige Sonnenlicht zu genießen, was zu bekommen ist. Wenn es ab 16 Uhr wieder anfängt kälter zu werden, laufen nur noch die von Venedig begeisterten Touristen in den Gassen.
Doch gerade dann, wenn die Stadt im Nebel versinkt und man tatsächlich das Gefühl bekommt allein auf einigen Pfählen in der Lagune zu sein, ist Venedig am stimmungsvollsten. Die Liebhaber Venedigs ziehen ihre vorsorglich eingepackten Gummistiefel an und stapfen damit von „S. Martha bis S. Elena“, d.h. von einem Ende zum anderen.
Die Photographen nutzen die Nebelzeit, um melancholische, graue „Postkarten“ zu produzieren und die Vaporettofahrer sind glücklich, weil sie nicht fahren müssen. In sehr vielen Reiseführern wird Venedig im Winter als Geheimtip schmackhaft gemacht und auch ich kann jedem der traumartigen Urlaub mag Venedig im Nebel empfehlen. Alles Surreale wird durch die begrenzte Sicht und den kalten Wind, der durch die engen, dunklen Gassen fegt, noch verstärkt. Die meisten Geschäfte haben geschlossen, die Wäscheleinen hängen leer zwischen den feuchten Hauswänden, und jede Begegnung in den wie ausgestorben wirkenden Gassen hat etwas Gespenstisch-Dramatisches an sich. Besonders fasziniert, wenn es in Venedig schneit. Das kommt leider nur sehr selten vor. Viele kennen aber die Schwarzweißbilder, auf denen sich venezianische Straßenlaternen, mit einem zartem Weißschleier überzogen, vom zugeschneiten Untergrund absetzen. Die Gondeln plätschern ungenutzt und sorgfältig abgedeckt an ihren Pfählen und die Kanäle sind im Winter noch dunkler und undurchsichtiger als sonst. Während man vielleicht vom Nebel umschlossen, frierend, nach einer gemütlichen Cappuccinobar Ausschau hält, erscheint es fast unmöglich vorzustellen, daß Venedig auch völlig anders sein kann.

2 Gondeln in Venedig
Gondeln in Venedig

An sonnigen Tagen spiegeln sich die bunten Fassaden im Wasser der Kanäle, eine Harmonika spielt unterhaltende Schlager für die Gondelpassagiere und ein Papagei babbelt aus seinem Käfig hinter geöffneten Fenstern.
Früher muß Venedig einen noch prächtigeren Eindruck gemacht haben. Die Gebäude aus Marmor und poliertem Granit, die Einrichtung aus exotischen Hölzern, die wertvollen, weichen Seiden- und Brokattapeten und dazu die feingearbeiteten Gläser, Vasen und Kronleuchter. Die Luft in den Palästen ist getränkt von seltenen fremdländischen Gewürzen, Kräutern und Ölen.

Blick über die Dächer von Venedig
Blick über die Dächer von Venedig

Die Gondeln umwickelte man mit den buntesten und kostbarsten Stoffen, manche Hausfassade wurde teilweise vergoldet und mit farbenfrohen Fresken bemalt. Das helle Sonnenlicht, welches sich in den farbigen Glasfenstern brach, warf bunte Flecken an die Wände der geschmückten Säle im Innern. Wo es nur möglich war, übertrieb man es maßlos mit dem Zuschaustellen des eigenen Vermögens. Sicherlich nicht ohne Grund entstanden zwischen dem 14. Und 17. Jahrhundert umfassende Antiluxusgesetze, welche dann doch sehr listig umgangen wurden.

Teatro La Fenice
Im Teatro La Fenice

Für vieles gab es Verbote und Regeln: Beispielsweise für ein Kleidungsstück durfte nur eine begrenzte Menge Stoff verwendet werden. Das Tragen von mehr als 12 Dukaten teuren Perücken sowie von teuren Fächern oder Pelzen war verboten. Es gab sogar Antiluxusgesetze, welche den Palast- und Fassadenbau betrafen, und für die Innenausstattung durfte nur eine bestimmte Menge Brokat und Seide verwendet werden. Doch wurden die meisten dieser hauptsächlich den Adel betreffenden Gesetze umgangen. Nachdem zum Beispiel alle Gondeln schwarz lackiert sein mußten, wurden sie überschwenglich mit bunten Stoffen und Lampions beladen.

Auch heute noch macht die Gondel einen perfekt gestalteten Eindruck. Die „Forcola“ (Rudergabel) kann man sogar im Museum of Modern Art in New York bewundern. Die verschiedenen Auflagepunkte dieser besonderen Rudergabel erlauben es dem Gondoliere die Übersetzung seiner Schläge besser zu steuern. Der „Ferro“, das gezackte Eisen am Bug, welches mit 20 Kilogramm Gewicht hilft die Gondel zu stabilisieren und ein Ziel abzuschätzen, symbolisiert mit seinen sechs Zacken die sechs venezianischen Stadtteile „Sestieri“. (Mehr Informationen über die Stadtteile von Venedig sind im Kapitel Rundgang).

Nighttime strolls in Venice
Nächtlicher Bummel am Canal und über die Brücken von Venedig

Nur dadurch, dass die Gondel asymmetrisch ist (die linke Seite ist 24 cm breiter als die rechte), kann sie gut geradeaus fahren. Wenn man sich eine leere, vertaut am Ufer schwimmende Gondel anschaut, sieht man auch, wie sie immer leicht schräg im Wasser liegt. Der Gondoliere rudert rechts und bildet das Gegengewicht. Durch die gekrümmte Mittschiffslinie lenkt die Gondel nach jedem Ruderschlag eine leichte Drehung und gleicht so die einseitige Drift nach links aus, bringt sich immer wieder fast von alleine in die richtige Richtung. Je nach Beladung und Gewicht der Passagiere, klappt das meistens doch sehr gut und der Gondoliere muss seinem Boot nicht nach jedem Ruderschlag nach vorn auch noch einen Drehimpuls zu Seite hin geben.

Die Pala d`Oro ist für mich immer ein Beweis für die Liebe der Venezianer zu kostbaren Materialien. Eine so große Menge so künstlerisch miteinander kombinierter Edelsteine wie am Altarbild der Markuskirche findet man sonst selten. 426 Perlen, 330 Granate, 320 Smaragde, 255 Saphire und zahllose Rubine, Amethyste und Topase sind die funkelnde Fassade der Pala d`Oro.

Goldenes Mosaik in Venedig
Goldenes Mosaik

Auch die vielen Wandmosaiken, welche Venedig zu bieten hat, kann man in Zusammenhang mit der Pala d`Oro sehen. Durch ihre Goldflächen und ihre edelsteinartigen Farben erscheinen sie wie eine Fortsetzung der Pala d`Oro zu sein. (Idee nach dem Buch von Lars Cassio Karbe „Venedig oder die Macht der Phantasie: Die Serenissima-ein Modell für Europa“, Diederichs Verlag, München 1995)
Immer mit Venedig verbunden sind für mich auch die begeisternden Fußbodenmosaiken, welche den Betrachter bei genauerem Hinsehen wie in eine andere Dimension verrücken. Zum Beispiel in der Kirche Santa Maria della Salute, wo das zentrale Mosaik fast den ganzen Innenraum erfaßt. Es ist aus ziemlich großflächigen Steinen gemacht, dennoch ist es so fein gearbeitet, daß man eine schwungvolle Linie ohne Unterbrechung bis zur gegenüberliegenden Wand des Zentralbaus verfolgen kann. Die Fußbodenmosaiken der Markuskirche sind eher kleinflächig, aber auch mit so anspruchsvollen perspektivischen Formen, daß man manchmal mit dem Fuß zurückschreckt, um einer nicht wirklich vorhandenen Stufe auszuweichen.

San Marco
Mit dem Vaporetto verlassen wir San Marco und fahren in den Canal Grande hinein

Durch die enorme Süd-Ost-Ausdehnung, welche Venedigs Seereich hatte, ist das Stadtbild Venedigs auch besonders von byzantinischen Bauelementen geprägt. Ein aufmerksamer Beobachter wird sicher oft seine Freude haben, wieder einmal etwas Byzantinisches entdeckt zu haben, wie zum Beispiel den Fondaco dei Turchi. Mit der venezianischen Gotik sind arabische Formen eng verbunden, was man zum Beispiel am Palazzo Contarini-Fasan gut erkennen kann. Doch ebenso zum venezianischen Charakter gehört das streng Rationale, was im Arsenal früher anschaulich gewesen sein mag. Nur durch das Arsenal konnte der lange Erfolg Venedigs im Handel, der ja ausschließlich auf Basis des Schiffsverkehrs stattfand, überhaupt ermöglicht werden. Schon während des 14. Jahrhunderts wurden im Arsenal seriell Schiffe hergestellt, so daß zum Beispiel in Kriegszeiten bis zu 16000 Arbeiter innerhalb von 12 Stunden eine Galeere fertigten. Das ist für damalige Zeiten, lange vor den großen Fabriken des Industriezeitalters eine schier ungeheure Leistung.