Straßenfotografie in Paris

Um eine fremde Stadt kennenzulernen, gehe ich immer am liebsten spazieren. Auf den Straßen, in der Metro, auf Plätzen und in Parks trifft man die Menschen, erlebt die einzigartige Architektur und findet all die Besonderheiten, die schließlich das eigene, selbst gewonnene Bild der Stadt ausmachen.

Hier zeige ich nun in kleinen Galerien eine Auswahl mit bewußt ganz wenigen, dafür aber in meinen Augen besonders geglückten Fotos aus Paris. Sozusagen meine Lieblingsbilder.

In einer riesigen und alten Stadt wie Paris laufen viele Wege zusammen. Besonders in allen kulturellen Bereichen ist Paris ein führendes Zentrum und neben New York, London und Tokio eine der wichtigsten  „Global Cities“ der Welt.

Solche Orte, wo viele Ströme zusammenfließen, sind spannend und pulsieren vor Leben und Energie.

Bei einem Spaziergang entlang der Seine bekommt man einen guten Eindruck von der Stadt und ihren vielen Brücken. 

Europas größte Bürostadt „La Défense“, das Hochhausviertel im Westen von Paris, ist ohne die Menschen dort wie ausgestorben. Vormittags bin ich über leere Plätze und einsame Brücken gewandert. Nur ein paar Tauben gurrten auf der riesigen Treppe des Grande Arche.

Mit der Zorki und dem schönen Street Candy Film habe ich mir Europas größte Bürostadt, das Hochhausviertel La Défense im Westen von Paris angeschaut. 

Ab 12 Uhr strömen plötzlich überall Menschen aus den Bürotürmen. Foodtrucks verteilen kleine braune Papiertüten mit Essen aus aller Welt: Exotische Caribic Bowls, gesunde Salädchen, deftige Burger… Für jeden ist etwas dabei und innerhalb weniger Minuten verteilen sich tausende gut gekleidete Menschen über die Plätze, um Brunnen und Wasserflächen, auf Treppenstufen und Parkbänke. Überall wird entspannt aber dennoch sehr manierlich und rücksichtsvoll gepicknickt, Boule gespielt oder mit den Kollegen geplauscht.

Mittagspause im Büroviertel La Défense. Diesen stark unterentwickelten Schwarzweißfilm (JCH StreetPan 400) habe ich anschließend vielen unterschiedlichen digitalen Prozessen ausgesetzt: Mehr Kontraste, künstliche Farben und Filter wurden hinzugefügt.
So bilden die Fotos einen eigenartigen Gegensatz zur modernen Architektur und Effizienz der hochspezialisierten Menschen, die hier arbeiten. Einerseits wirken sie altmodisch, andererseits sind sie durch den übertriebenen Prozess, dem sie ausgesetzt wurden, eine  Metapher für das komplexe Arbeitsleben in den umgebenden Bürotürmen. 

Der Hügel Montmartre war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Kunst schlechthin. Was hier passierte, hatte weitreichende und kaum zu überschätzende Relevanz für die ganze Entwicklung der Malerei. Wer die Möglichkeit hatte, kam nach Paris und fand hier Inspiration, Austausch aber auch die nötige Freiheit, um seinen eigenen Ausdruck zu entwickeln.

Der Washi Film „F“ ist ein feiner Röntgenfilm. Wenn man ihn richtig behandelt, zaubert er fantastische Lichter und weiche, fast magische Bilder. 
Durch die sommerlich heiße Entwicklung sind hier jedoch viele Fotos kaputt gegangen. 

Richtig geglückt ist dafür die letzte Aufnahme einer jungen Mutter in der Metro. Dieses Foto wäre eigentlich sehr stark unterbelichtet gewesen. Durch die unfreiwillige Push-Entwicklung ist es jetzt aber das Highlight meines Ausflugs zum Montmartre. 

Paris – eine junge Mutter in der Metro

Trotz seiner vielen historisch gewachsenen, ganz unterschiedlich bevölkerten Stadtteile, ist das architektonische Erscheinungsbild von Paris sehr einheitlich. Die bürgerlichen großen Stadthäuser im Zentrum sehen alle gleich aus. Die Pariser sind stolz auf ihre graublaue Dachlandschaft und wenn man vom Eiffelturm über die Stadt schaut, dominiert bis zum Horizont ein erstaunlich einheitlich grau-weißes Häusermeer. Nur die Bürotürme im Viertel La Defense heben sich ab und in der Ferne ahnt man die Großwohnsiedlungen in den Banlieues.

Ein weiter Blick über Paris bietet sich vom Eiffelturm, dem Wahrzeichen der Stadt. 

Fotografisch wollte ich Paris rein analog erfassen. Ich war mit zwei Kameras unterwegs und habe versucht für jede Kamera den jeweils passenden Stil zu finden.

Meine original russische LOMO LC-A ist die klassische traditionelle Lomo. Das ist die ursprüngliche Kamera, mit welcher damals in Prag eine Gruppe Wiener Studenten die Praxis der experimentellen Schnappschussfotografie erfunden hat. Ich habe sie aus Sibirien in einem exzellenten Zustand geschickt bekommen und diese Parisreise war ganz offensichtlich das erste fotografische Abenteuer dieses Exemplars.

Die Zehn Goldenen Regeln der Lomografie… Hier eine Auswahl mit Schnappschüssen von meinen Streifzügen durch Paris mit der Lomo LC-A. 

Meine Zorki 4K ist dagegen trotz ihrem rustikalen und oft herablassend belächelten Image als „Leica des armen Mannes“ eine sehr feine und ausgereifte Kamera. Die Qualität der Bilder hat man mit der Zorki ganz in der eigenen Hand. Ich liebe besonders Fotos mit weit geöffneter Blende. Beim Jupiter 9 Objektiv mit 85 mm Brennweite bekommen die Fotos dadurch eine sehr weiche, traumhafte und beinahe malerische Atmosphäre. Alles wirkt kostbar, einzigartig und Menschen erscheinen fast wie Schauspieler zauberhaft hinterm Vorhang auf der Bühne eines kleinen altmodischen Theaters.

Ob Liebesschlösser in der „Stadt der Liebe“, beim Bummeln in verwinkelten Passagen oder zum Spiel mit dem bunten Licht in der Sainte-Chapelle – hier ein paar Eindrücke mit der Zorki in Paris. 

Nach einer Woche in der Stadt habe ich sehr viele Fotos mitgebracht. Für mich besonders in Paris war das Thema „Street Photography“. Straßenfotografie mit Menschen ist in meinen Augen einerseits die schwierigste, andererseits die schönste Facette der Fotografie. Tausend nicht gemachte Bilder spuken mir durch den Kopf. An jeder Ecke sieht man schöne Situationen, sieht wunderschöne junge Frauen, Situationskomik, charaktervolle Gesichter, den Zauber des Alltags… Alles zieht vorüber und nur ganz selten schaffe ich es meine Scheu zu überwinden, bin schnell genug und erwische den richtigen Moment. Digital ist es einfacher. Aus einer Masse an Fotos, in schneller Folge geschossen und mit der Möglichkeit auch kleine Ausschnitte in ordentlicher Qualität zu wählen, kann man den Menschen ganz anders auf die Pelle rücken. Analoge Straßenfotografie ist sehr viel zerbrechlicher. Man muss ein Gespür für die Situationen entwickeln, Film und Kamera sehr gut kennen und schnell und beherzt sein. Aber selbst wenn nur ein Foto auf der ganzen Filmrolle geglückt ist, freut man sich hinterher viel mehr.

Fotos mit Menschen sind hinterher oft am interessantesten. Aus der großen Masse an Fotos mit der Lomo LC-A habe ich hier meine Lieblings-Schnappschüsse ausgewählt. 

Meine schwarzweißen Fotos aus Paris sind alle sehr stark über- oder unterentwickelt. Wie auch in Indien, hatte ich in Paris lauter verschiedene Filme und habe auch einzelne Fotos oft sehr unterschiedlich belichtet.
Was am Ende all dieser manuellen Prozesse übrig bleibt, ist manchmal auch allein technisch gesehen interessant oder zumindest kurios. Je nach Gesichtspunkt kann man auch in diesen Prozessen, im Zusammenspiel des Inhaltlichen mit dem Technischen eine gewisse Poesie entdecken.

Dieser Film (LOMO Berlin) wurde zweimal entwickelt. Nach dem ersten Mal habe ich ihn wieder gebleicht und noch nass für kurze Zeit in die Sonne gelegt. Anschließend wurde er erneut entwickelt. So habe ich, ganz analog, den spritzigen Wassertropfen-Effekt hinbekommen. 

Die Existenz mancher Fotos ist für mich schließlich fast wie Zauberei: Es sind dabei so unwahrscheinliche Umstände, so haarscharf gerade noch glückliche Faktoren… Was da alles in perfekter Konstellation zusammengetroffen ist, um schließlich in Form dieses einen Fotos in die Welt zu treten, da bleibt mir dann nur noch ungläubiges Staunen.

Beispielsweise ist der ganze Film vom Montmartre extrem überentwickelt und sieht fast aus wie Griesbrei. Aber nur durch diese Überentwicklung ist das eine vormals hoffnungslos unterbelichtete Foto von einer jungen Mutter in der U-Bahn doch noch etwas geworden. Nur durch die zu hohe Temperatur, die „falsche“ Zeit oder vielleicht auch aufgrund der selbstgerösteten Kaffeebohnen, aus denen ich mein Caffenol gemischt habe, erkennt man plötzlich den friedlichen Gesichtsausdruck oder den besonderen Blick eines Typen, der vormals einfach nur im Schatten eines Cafés saß.

Es sind all diese Zufälle, die für manche dieser Fotos wie ein fantastisches Uhrwerk zusammen greifen und die für mich den Zauber der analogen Streetfotografie ausmachen.