Digitale Collage über die Entwicklung eines eigenen Stils

Die Entwicklung eines künstlerischen Stils

Dieses Jahr sind künstliche Intelligenzen und all die Möglichkeiten, welche sich mit der Entwicklung dieser Technologie auftun, immer mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Ich habe mich mit den Möglichkeiten aus Text Bilder zu erzeugen beschäftigt. Dabei habe ich überlegt, wie man diese neue Technologie einsetzen könnte und auch, was das für die Fotografie bedeutet. 

Im Rahmen dieses Beitrags möchte ich eine kleine Spielerei starten: Die Texte und alle Bilder dieses Beitrags wurden mithilfe verschiedener künstlicher Intelligenzen entwickelt. Ausgangspunkt für den Text waren von mir gestellte Fragen zu den Themen „Individualisierung und Stil in der Kunst“ im Open AI Playground. Ein besonderes Anliegen waren mir daneben Überlegungen zur Avantgarde, Gesellschaftskritik und dem Selbstverständnis der Kunstschaffenden heute.

Der Begriff der Avantgarde wird heute auf vieles angewendet. Dabei hat er sich seit dem frühen 20. Jahrhundert immer wieder verändert und wurde oft auch missbraucht. Ähnlich wie beispielsweise das Wort „revolutionär“ heute in unterschiedlichen Zusammenhängen sehr häufig verwendet wird.
Spannend finde ich den Begriff, weil ihm schon immer der Gedanke innewohnte, dass Kunst in jedem Bereich des Lebens wichtig sein soll. Das Leben soll ein allumfassendes Gesamtkunstwerk sein. Nicht nur Malerei, auch Architektur, Einrichtung, Alltagsgegenstände – letztendlich auch Politik, die soziale Plastik. Heute kann sich auch der Barista bei Starbucks „Kaffeekünstler“ nennen.

Die Idee, Kunst in alle Bereiche des Lebens mit einzubeziehen, ist heute in meinen Augen immer noch oder wieder relevant. Viele Menschen versuchen heute ihr Leben so zu gestalten, dass es ein Kunstwerk ist. Sie versuchen auch in Alltagsdingen kreativ zu sein und in der Art, wie sie sich kleiden, einrichten, ernähren, durch ihren Musikgeschmack und die Orte, die sie aufsuchen, einen eigenen Stil zu entwickeln. Natürlich müsste man hier besser differenzieren. Schon zu Beginn war der Begriff Avantgarde unklar und umfasste tatsächlich viele einzelne Strömungen. Außerdem unterscheiden wir zwischen Kunst, Ästhetik, Design usw. Es gibt die Postmoderne, Neo-Avantgarde … Wenn man jedoch im Schweinsgalopp durch die Kunstgeschichte eilt, kann man heute durchaus Zusammenhänge zur ursprünglichen Idee der Avantgarde sehen. Insbesondere auch in der Idee des Widerstands gegen das System, im Protest gegen etablierte Machtstrukturen und im Hinterfragen der Deutungshoheit. Solche Übertragungen und Abgrenzungen von Begriffen zu zeitgenössischen Phänomenen und dem Kunstbetrieb machen mir viel Spaß.

Oftmals habe ich nur einzelne Absätze aus langen, künstlich generierten Textpassagen genommen. Es sind schließlich viele lose Gedanken, die ich aneinandergereiht und überarbeitet, mit eigenen Worten und Synonymen ausgeschmückt habe. So ist hier eine Textcollage entstanden, die mit ihren Aussagen vielleicht zum Nachdenken anregen kann und deren Inhalte man kritisch hinterfragen muss, manchmal vielleicht aber auch innerlich bejahen möchte. 

Die Bilder sind entstanden, indem ich alle Absätze ins Englische übersetzt und den so gewonnenen Text in die KI DALL-E eingegeben habe, die aus Text Bilder generiert. Wenn einzelne Gesichter zu stark verzerrt waren, habe ich sie mit einer anderen KI notdürftig restauriert. Hier tritt auch die Beschränktheit der Technik, die im Moment noch in ihren Kinderschuhen steckt, besonders frappierend zu Tage. 

Das Titelbild ist ebenfalls eine digitale Collage. Es ist ein „Outpainting“, indem ich nacheinander spiralförmig alle vorher angewandten Texte eingegeben habe. 

Nach einem Nachmittag in diesen künstlichen Welten mit inflationär vielen bunten Bildern und schier unendlich langen, künstlich zusammengeschriebenen Textpassagen ist mir etwas unwohl. Die Technik ist durchaus faszinierend. Ich frage mich aber, wo der Wert solcher Erzeugnisse liegt: Tatsächlich sind da ja einige Aussagen, die mir relevant erscheinen. Es gibt mit KI erzeugte Texte und gefundene Ideen, die ich gut finde und Bilder, die mir gefallen. Andererseits ist es aber auch so beliebig. So bleibt für mich die Frage nach dem Wert. Ich wüßte gerne, ob wir als Gesellschaft genügend humanistische Ideale und Selbstbewusstsein haben, um mit all den neuen Möglichkeiten durch künstliche Intelligenz umzugehen und dem ganzen Spuk eigene, weiterführende Aussagen gegenüberstellen können. In einer Pause vom Computer habe ich mich richtig über echte von Freunden erstellte Fotos und Bilder gefreut.  „Die Entwicklung eines künstlerischen Stils“ weiterlesen

Lieblingskamera in New York

Was macht eine Lieblingskamera so kostbar? Ein Mensch, der sich geliebt fühlt, versprüht einen ganz besonderen Glanz. Aber können auch Dinge funkeln? Wollen Kameras lichte Augenblicke des Glücks erhaschen? Das Schillern der Morgenröte? Das Leuchten in den Augen? 

Weiter Blick von der Edge-Aussichtsplattform, 336 Meter hoch über der Stadt: 

Als Arete (griech. ἀρετή) beschreibt man die besondere Tauglichkeit einer Sache. Ihre wesentliche Qualität, durch die sie ihre Aufgabe erfüllt. Was wäre wohl dann die Arete meiner Lieblingskamera? Ich habe sie nach New York gebracht und mit ihr eine Woche lang ausführlich die Stadt erkundet. Meine Überlegung dazu war: Was würde sich eine Kamera wünschen, wenn sie könnte? Was wäre der Lebenstraum dieser kleinen alten Zorki? Und bevor es hier jetzt zu sentimental wird: An mich dachte ich auch. Ich wollte gerne in die Stadt. Dinge haben keine Seele. Ganz ehrlich, Name und Marke der Kamera sind für das Bild eigentlich gleichgültig. Vor allem, wenn man sich klar macht, dass das analoge Foto durchs Objektiv gemacht wird und auf Film entsteht. 

In Harlem habe ich gewohnt und hier war ich die meiste Zeit unterwegs: 

Wie Zauberstäbe brauchen auch Kameras einen Träger, eine Idee und eine Absicht dahinter. Ein Fotoapparat folgt im Moment des Auslösens strikt seinen eigenen technischen Gesetzmäßigkeiten. Als künstlerisches Instrument betrachtet sind Kameras jedoch nicht autonom. Äußere Umstände, Ideen, Wahrnehmungen, Überlegungen und sogar Gefühle des Fotografen spielen für das Bild ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Letztendlich dachte ich einfach, weder gefühlsduselig noch völlig rational, mit meiner Lieblingskamera müsste ich doch sicher ganz besonders schöne Fotos machen können. Und New York war dann die ‚coolste‘ Stadt, die ich mir für diesen Versuch denken konnte.  „Lieblingskamera in New York“ weiterlesen

ORWO TC27

Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten

Mit vollem Rucksack bin ich im Juli in die Berge gefahren. Im Gepäck hatte ich jedoch nicht nur alle meine Lieblingskameras, sondern auch Wechselsack, Caffenol, Fixierer und Entwicklungsdöschen.

Ewig zu warten, bis man seine Ausbeute begutachten kann, erschien mir keine gute Lösung. Deswegen war sogar ein Reise-Scanner mit dabei. So hatte ich ein kleines, aber komplettes Berglabor und konnte drei Wochen lang ungestört arbeiten, Fotos machen und die Filme direkt entwickeln und anschauen.

Mir macht es sehr viel Spaß, neue Filme auszuprobieren. Dabei recherchiere ich vorher den Stil eines Films und versuche passende Themen und Motive zu finden. Filme mit stark S-förmiger Gradationskurve sehen beispielsweise oft besonders düster aus. Manche Filme schillern in silberigem Glanz und erinnern an alte Kinolegenden. Es gibt aber auch solide, robuste Klassiker wie den Kodak Tri-X 400. Das ist dann vielleicht langweiliger, funktioniert aber und liefert zuverlässige Ergebnisse.

Mein Caffenol-Rezept ist inzwischen ausgiebig erprobt und funktioniert eigentlich mit allen Filmen.

Caffenol-C-L
300 ml Wasser
5 g. Wasch-Soda
3 g. Vitamin C
12 g. Löslicher Kaffee
1 Meßlöffel (< 0,5 g.) Kaliumbromid

300 ml passen genau in eine kleine Jobo Filmentwicklungsdose. 70 Minuten Entwicklungszeit sind es bei 20 Grad. Die ersten 10 Minuten hin und wieder bewegen und vorsichtig schütteln. Anschließend 60 Minuten einfach nur stehen lassen.

Der Vorteil dieser Semi-Stand Entwicklung ist, dass sich das Caffenol anfangs gleichmäßig verteilt, danach wirkt der Entwickler aber ausgleichend. Ich habe das Gefühl, dass sich der Film nimmt, was er braucht. Caffenol C-L ist außerdem durch das wenige Soda nicht so stark und mit der langen Zeit von 70 Minuten ist es ein gutmütiges Entwickeln, welches manche Fehler verzeiht.


Hier die ersten Ergebnisse aus dem Berglabor. Morgendliche Schafherde auf dem Weg zur Alm und ein etwas makaberes Stillleben mit toten Mäusen und verwitterter, bemooster Barbiepuppe, die ich im Wald gefunden habe.

Ich verrate nicht, was es für ein alter Kinofilm war, denn leider ist er so verhunzt, dass spezifische, filmimmanente Qualitäten keine Rolle mehr spielen. 

Fatal war: Ich hatte keinen Messbecher und nur ein zu kleines Marmeladenglas. Da ich mein frisch angerührtes Caffenol ohne Vorwässern nicht in einem Rutsch, sondern in zwei Anläufen in das Entwicklerdöschen geschüttet habe, ist eine unschöne Linie über den ganzen Film entstanden. Gleichmäßiges Eingießen und sanfte Bewegung am Anfang des Entwicklungsprozesses sind, wie man sieht, essenziell.


Umso feiner ist der nächste Film geworden. Tatsächlich ist es einer meiner Lieblingsfilme, der ORWO DN21. Weil er nur 16 ISO hat, kann man auch bei helllichtem Tage mit weit geöffneter Blende fotografieren und das Jupiter 9 Objektiv kann mit ihm seinen ganzen Charme entfalten.

Hier eine Auswahl mit dem ORWO DN21. Die Bilder wirken fein, scharf, hell, freundlich und besonders auch in den Mitten differenziert. Es ist ein fabelhafter Film für sonnige Ferientage mit einem lichtstarken Objektiv. 

Die Ergebnisse des ORWO DN21 wirkten so exquisit, dass ich sie zuhause mit einem guten Scanner nochmal eingelesen habe um genauer hinzuschauen. Tatsächlich ist er so superfein, dass man kaum noch Korn erkennen kann und selbst an weniger dichten Stellen findet sich noch eine erstaunliche Tiefe mit Bildinformationen. „Berglabor und Fotoexperimente aus den Dolomiten“ weiterlesen

Kunstmarketing

Über Marketing gibt es viele Bücher und Blogs. Jedes große Unternehmen hat Marketingexperten. Doch trotz all diesem professionellen Wissen für nahezu alle Wirtschaftszweige gibt es kaum brauchbare Tipps und Ideen für Künstlerinnen und Künstler. Bücher zum Thema Kunstmarketing richten sich fast ausschließlich an kulturelle Institutionen, an Museen oder Konzerthäuser. Die meisten angebotenen Lösungen sind entweder zu trivial und bestehen nur aus schlagwortartigen Plattitüden, oder sie sind viel zu groß und umfassend für Einmannbetriebe, Freiberufler und Soloselbstständige. Auch Videos auf Youtube helfen nur selten weiter, weil man sie nicht ohne Weiteres in eine eigene Strategie umwandeln kann. 

Eine besondere Herausforderung ist, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit nicht immer und ausschließlich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten können und wollen.

Bacchanal, Öl auf Holz, 33 x 46 cm © Georg Cevales
Bacchanal, Öl auf Holz, 33 x 46 cm

Bacchusfeste im antiken Rom waren Feierlichkeiten, die von den Bacchanten und Bacchantinnen oft mit wildester Ausgelassenheit zelebriert wurden. 

Das Bacchanal ist ein typisches Sujet in der Kunst und hat schon immer Sammlerinnen und Sammler angesprochen. Für meine Überlegungen zum Produkt- und Werkkonzept in der Malerei habe ich mich hier von Francesco Zuccarelli inspirieren lassen und ein kleinformatiges Bacchanal mit Öl auf Holz gemalt. Es ist quasi ein Kabinettstück, ein Bild, welches man unkompliziert besitzen kann, nicht teuer und speziell für kleine private Räume gedacht.

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht als weiterer Experte hervortun oder ein komplett neues Fass aufmachen. Aber ich möchte einen inspirierenden Text schreiben und konkrete Ideen zusammentragen. In diesem Beitrag will ich Tipps sammeln, die Künstlerinnen und Künstlern helfen können, mit dem Thema Marketing umzugehen. Dabei soll dieser Text immer weiter wachsen und nach und nach zu einer umfangreichen Marketing-Inspirationsquelle werden. 

Vieles, was in der Wirtschaft funktioniert, kann theoretisch auch für Kunstschaffende gelten. Dennoch ist es in der Praxis nicht so einfach. Einerseits definieren sich Künstlerinnen und Künstler stark über ihre Tätigkeit. „Wollen Sie sich zur Hure des Marktes machen? Die Kunst ist frei!“ Kunstschaffende sind auch oft menschlich nicht ganz unkompliziert. Teilweise sind sie geradezu narzisstisch, selten kritikfähig und es fehlt ihnen jegliche professionelle Distanz zur eigenen Arbeit. Andererseits haben Kunstschaffende oft das Gefühl, alles zu können. Besonders wenn sie Geld brauchen, sind sie auch bereit (fast) alles zu machen: „Familienwappen? Porträts? Kopien? Ich male ihnen alles! Hauptsache, es kommt irgendwie Geld rein…“ 

Ikone, Öl mit echtem Lapislazuli und Gold auf Holz, 64 x 50 cm © Georg Cevales
Ikone, Öl mit echtem Lapislazuli und Gold auf Holz, 64 x 50 cm

Im Rahmen meiner Forschung zum Werk- und Produktkonzept in der Malerei habe ich diese Ikone mit Öl auf Holz gemalt.

Den Bildträger habe ich nach dem Hochwasser am Rheinufer gesucht, einige Jahre trocknen lassen und anschließend bemalt. Das Inkarnat ist auf Basis von zyprischem Ocker, der Kapuzenpulli mit Lapislazuli gemalt und die Heiligenschein-Krone aus Blattgold.

Wenn man in der Malerei über den Werkbegriff nachdenkt, ist die Ikone das Extrem. Eine Ikone ist quasi das Kunstwerk in seiner Reinform. Es gibt sogar in vielen Völkern Erzählungen über wundertätige Ikonen. Mit Gold und kostbarem Lapislazuli immer weiter überhöht und aufgeladen entsteht nach und nach ein richtiges ideelles Gegenüber.

Flexibilität ist am Anfang einer künstlerischen Karriere wichtig, um überhaupt zu überleben, genau darin liegt aber später auch eine Gefahr. Viele Künstlerinnen und Künstler haben kein eigenes Profil. Sie können alles und nichts. Niemand weiß, was sie eigentlich machen und wollen. Wer bin ich als Künstlerin? Wer bin ich als Künstler? Was mache ich? 

Marketing für Kunstschaffende heißt zunächst, die eigene künstlerische Identität auszubauen.

Absinthfee, Öl auf Holz, 93 x 71 cm © Georg Cevales
Absinthfee, Öl auf Holz, 93 x 71 cm

Die grüne Absinthfee ist ein metaphorisches Konzept für künstlerische Avantgarde und die Entdeckung und den Dialog mit neuen, jenseitigen Welten.

Künstler wie Manet, Gauguin, Toulouse-Lautrec, Picasso oder Vincent van Gogh wurden von ihr inspiriert. Aber auch für weniger berühmte Namen, die oft am Rande der Gesellschaft lebten, quasi den „Punks des 19. Jahrhunderts“, war sie Trost, Inspiration und Muse. Die Absinth Fee (französisch La fée verte) kann als Symbol für das Bohème sein und für prospektives Gedankengut in einer sich wandelnden Gesellschaft stehen. Sie ist ein Zeichen für poetische Inspiration, für eine freie Geisteshaltung, neue Ideen und Transformation.

Viele Strategien beginnen mit einer sogenannten SWOT-Analyse. Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. Für Künstlerinnen und Künstler ist das allerdings keine gute Herangehensweise. Die Risiken und Gefahren werden in den meisten Fällen erdrückend sein, die Chancen und Erfolgsfaktoren dagegen kaum auszumachen. 

Wettbewerb und Konkurrenzkampf wirken manchmal albern.

Profilbildung in der Wirtschaft geht auch oft über die Wettbewerber. Im Vergleich zeigen sich dann die eigenen Stärken… Doch auch dieser Weg ist für uns im Kunstbereich keine gute Methode. Schließlich möchten Kunstschaffende ja einzigartig sein. Im Vergleich mit seinen Wettbewerbern kann man sich dann zwar wunderbar anpassen, gleichzeitig wird man aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten, Defizite und Schwächen erleben. Von Selbstzweifeln geplagt könnte man schließlich feststellen, dass es eigentlich alles schon gab. Viele haben vielleicht auch schon ähnliche Sätze gehört wie: „Deine Bilder erinnern mich total an…“ oder „du musst dir unbedingt mal den Künstler XY anschauen, der macht auch so Sachen.“

Besser als die klassische SWOT-Analyse ist es stattdessen den eigenen Wünschen einen Raum zu geben. Meine Marketingstrategie gründet deswegen auf Hoffnungen und Wünsche. Ich glaube, dass gerade im eigenen Willen und in Wünschen und Träumen eine ungeheure Kraft und großes Potenzial steckt. Und wenn man ihn richtig verfolgt, schärft dieser Weg auch die eigene Persönlichkeit und das eigene künstlerische Profil. 

Eine gute Frage zu Beginn wäre: Was ist das Beste, was mir und meiner Kunst passieren könnte?

Im Anschluss kann man noch mehr ins Detail gehen: Will ich Bilder verkaufen? Möchte ich von Kuratoren und Galerien entdeckt werden? Möchte ich Preise oder Stipendien gewinnen?
In den nun folgenden Absätzen will ich meine Ideen, Beobachtungen und Gedanken zu diesen drei konkreten Fragen zusammentragen.  „Kunstmarketing“ weiterlesen

Identität und Präfiguration. Zum Umgang mit offenen Kunstsystemen. 

In der Kunst geht es am Ende immer auch um den Menschen. Dabei ist es manchmal jedoch gar nicht so einfach, die Menschen zu mögen. Für viele Probleme kann man die Menschheit verantwortlich machen. Allein die Umweltprobleme: Plastik im Meer, Artensterben, Klimawandel… Trotzdem ist die Menschenliebe für Künstlerinnen oder Künstler ein sehr wirksamer Antrieb und viele Arbeiten drehen sich um den Zweck des Menschseins oder das Verhältnis des Menschen zur Welt. 

Besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Menschen gern zu haben. Dabei hilft, wenn man sich klar macht, dass viele unserer globalen Probleme in Wirklichkeit nicht von einzelnen Menschen gemacht sind, sondern in der Form ihres Zusammenlebens gründen. Tatsächlich sind nur selten einzelne Menschen schuld. Unsere Probleme sind vielmehr Probleme der Gesellschaftsform: Es sind wirtschaftliche und politische Probleme, aber keine Probleme des Menschen an sich. Es gibt eine gemeinsame Verantwortung einer Gesellschaft, beispielsweise gegenüber der Geschichte und gegenüber gemeinsamen Idealen und Werten. Jedoch alle Menschen pauschal verantwortlich zu machen ist insbesondere auch deshalb unfair, weil die meisten Menschen mit den aktuellen Zuständen der herrschenden Elite, korrupten Politikern oder Militärdiktaturen absolut nicht einverstanden sind. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Es wäre zynisch, wenn man sie für die Situation in ihrer Heimat verantwortlich machte. Auch lebt beispielsweise die Hälfte der Menschen in armen Verhältnissen (48,4 % der Weltbevölkerung lebten 2013 von weniger als 5,50 Dollar am Tag) und hat überhaupt nicht genug Geld, um exzessiv zu konsumieren und viele Ressourcen zu verbrauchen. Die Menschen sind also nicht das Problem, sondern die Gesellschaftsform und sehr wenige einzelne Privilegierte, die unverhältnismäßig davon profitieren. 

„Identität und Präfiguration. Zum Umgang mit offenen Kunstsystemen. „ weiterlesen

Oben auf dem Gipfel, Gegenlicht

Wie Künstlerinnen und Künstler in Zukunft glücklich und effektiv arbeiten können. Mein Portfolio-Konzept.

Künstlerische Positionen bieten eigene Blickwinkel auf aktuelle Fragestellungen. Ob Gesellschaft, Umwelt oder wirtschaftliche Fragen – alles kann für Kunstschaffende interessant sein und die Antworten, Ideen und Positionen können helfen, aktuelle Probleme und Herausforderungen besser zu bewältigen.
So sind künstlerische Positionen relevant: nicht nur für das kunstinteressierte Publikum, sondern auch für ein eher am Thema interessiertes, aber ansonsten kunstfernes Publikum sowie für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.

Ich habe in diesem Zusammenhang zwei Felder ausgemacht, die ich verbessern möchte und zu denen ich mir an dieser Stelle Gedanken machen möchte:

1. Das Problem der Sozialen Medien:
Soziale Medien wie Twitter, Instagram oder ein Video bei Youtube sind eine gute Möglichkeit, um gesehen zu werden. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist dort aber nur kurz und wird der komplexen Thematik und der gewünschten Tiefe und Betroffenheit der künstlerischen Position selten gerecht. Eine Folge ist, dass viele Themen nur vereinfacht dargestellt werden. Die Sozialen Medien sind zunächst vielleicht kurz von Vorteil, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Langfristig sind sie aber ungünstig, wenn nichts weiter kommt bzw. wenn der nötige Hintergrund fehlt.

Soziale Medien funktionieren nur als Plattform für Kunst, wenn die Künstlerin oder der Künstler bekannt sind. Ungewohnte Sichtweisen, Avantgarde und künstlerische Positionen, die nicht im Mainstream sind, haben hier keine große Reichweite. Manchmal gibt es natürlich „One-Hit-Wonder“, beispielsweise lustige kleine Filme. Nur weiß dann meistens keiner mehr, vom wem sie ursprünglich eigentlich waren.

Schließlich ist ein Problem der Sozialen Medien, dass sie keinen Dialog ermöglichen. Oft wird das Publikum nur als Rezipient gesehen und kann nicht aktiv an der Kunst teilhaben. Soziale Medien ermöglichen es nicht, einen direkten Dialog zwischen Kunstschaffenden und Publikum zu führen.

Der hinterfragende, suchende Ansatz von vielen Kunstschaffenden lässt sich oft nicht kurz und einfach darstellen. Wie können künstlerische Ideen so vermittelt werden, dass sie besser sichtbar und greifbarer werden? Hier braucht es einen umfassenderen neu gedachten Ansatz für die Kunstvermittlung. Es muss ein kreatives und interaktives Umfeld geschaffen werden, welches die digitale Welt und die analoge Wirklichkeit gleichermassen darstellen kann. 

Exkurs über die Wahrheit:
Was die Wahrheit ist, kommt immer darauf an. Eine Aussage ist wahr, wenn sie etwas richtig beschreibt. Eine Aussage ist falsch, wenn sie etwas nicht richtig beschreibt. Wahrheit ist also eine Eigenschaft von Aussagen, nicht von Sachverhalten an sich. Nichts kann für sich alleine wahr oder falsch sein. Es ist immer nur die Darstellung eines Sachverhaltes, die wahr oder falsch sein kann. Deshalb ist es auch so wichtig, Raum für umfassende Darstellungen zu schaffen. Nicht nur mit Sprache wie in der Wissenschaft, sondern auch mit allen anderen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.
Wenn eine Aussage unklar ist, können wir sie nicht richtig bewerten. Auf der Suche nach Wahrheit können wir sie jedoch hinterfragen. Die Wahrheit ist dabei relativ und es kommt immer auf die Umstände an. Eine Aussage kann in einem bestimmten Kontext wahr sein, in einem anderen Kontext aber falsch. Beispielsweise ist die Aussage: „Es ist warm“ an einem Sommertag wahr, an einem Wintertag aber falsch. In einem Bild oder in einer künstlerischen Position kann jedoch das Verhältnis dargestellt werden. Die Wirksamkeit von „warm“ im Spiel mit „kalt“. So eine vergleichende Position würde die Umstände berücksichtigen und uns die Qualitäten von warm und kalt besser vermitteln. Der Wahrheitsgehalt einer Aussage kann sich also ändern, wenn sich die Umstände ändern. Dabei ist die Wahrheit oft auch subjektiv und hängt von der persönlichen Perspektive ab. Beispielsweise ist die Aussage „Ich bin wütend“ wahr, wenn die Person wütend ist. Wut ist jedoch ein komplexes Gefühl. Sie kann auch beispielsweise Ausdruck von Trauer sein, wenn eine Person nicht in der Lage ist, mit ihren Empfindungen umzugehen. Dann wäre die Aussage „Ich bin wütend“ nicht mehr zutreffend. Wir sehen: Wahrheit ist kompliziert und niemals nur schwarz oder weiß. Der Wahrheitsgehalt einer Aussage kann sich ändern, wenn sich die Perspektive ändert und hängt auch von der Komplexität des Sachverhalts ab. Eine klare Aussage über einen einfachen Sachverhalt kann wahr sein, in einem komplexen Sachverhalt aber falsch.
Über eine Reihe von Bildern, Gedanken, Texte und künstlerische Positionen zu einem Thema, wie beispielsweise „Wärme“ oder „Wut“, könnte man sich dem Sachverhalt umfassend nähern und daraus vielleicht die beste Antwort auf eine persönliche Frage finden.

 

2. Die Arbeitsweise in Projekten:
Projekte haben einen Anfang und ein Ende. Jedes Œuvre hat jedoch einen roten Faden, etwas, das über die zeitliche Begrenztheit der Projekte hinausführt.

Kunstschaffende arbeiten heute oft nur projektweise. Jedes Projekt hat aber nach seinem Anfang immer auch ein Ende, auf das oft nicht nur eine finanzielle Dürreperiode, sondern auch ein schwermütiges Motivationstief folgt. Dabei hätten die meisten Künstlerinnen und Künstler aber viel mehr mitzuteilen, als sie im zeitlichen Rahmen des Projektes ausdrücken konnten. Wie können sie sich motivieren, wie können sie weiter machen und woher nehmen sie ihre Inspiration? 

Im Prinzip können wir in jedem Werk eine rote Linie entdecken. Es gibt immer einen Faden, der sich durch das Œuvre zieht. Bei manchen Kunstschaffenden ist dieser Faden offensichtlich. Sie wollen ein bestimmtes Thema konsequent weiterarbeiten und es von allen Seiten beleuchten. Bei anderen ist der rote Faden vielleicht nicht ganz so gut greifbar. Dennoch ist er da. Oft ist es ein bestimmtes Material, eine bestimmte Technik oder ein Stil, der sich durch alle Arbeiten zieht. Langfristig interessant ist daneben aber vor allem auch das persönliche Thema, welches sich beim reflektierenden und umfassenden Blick über ein künstlerisches Werk herauskristallisiert. 

Wer ausschließlich die kurz und knackig zusammengefassten Ergebnisse eines Prozesses sieht, bekommt nur einen Teil der Wahrheit. Wichtig ist jedoch auch der Diskurs. Aspekte und Überlegungen des Diskurses sind ebenso wie das Ergebnis selbst Teil der künstlerischen Position.

Die künstlerische Wirklichkeit ist in Wirklichkeit kein Projekt und durch das vorgegebene abrupte Ende können viele Ideen nicht ihr volles Potenzial und die maximale Strahlkraft entfalten. Viel Potenzial verpufft und geht verloren. Gleichzeitig ist aber der öffentliche Druck, der mit dem Erreichen eines Projektziels einhergeht, auch sehr wichtig. Druck hilft um einzelne Positionen fertigzustellen, um „noch einmal alles geben“ und um die eigene Arbeit abzugrenzen. Die Arbeit in Projekten hat also Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist die Struktur, der Nachteil ist das Ende. 

Zunächst braucht es nur einen Perspektivwechsel, um aus dem Dilemma der Projektarbeit herauszukommen und sich weiterzubewegen. Anstatt in Projekten, denken wir uns die Arbeit in Reihen. So entsteht ein kreativer Prozess mit vielfältigen Positionen. Für die Struktur nehmen wir Meilensteine. Ausstellungen, Dokumentationen und Arbeitsberichte für Förderer sind alles nur Meilensteine, aber nicht das Ende der künstlerischen Arbeit. 

20000 Kilometer Fahrrad: Ein Portfolio zum Unterwegssein. 

 

Mein Lösungsvorschlag:
Ich möchte die Felder der Vermittlung und eine kontinuierliche Arbeitsweise verbinden. Das gelingt über einen multimedialen Ansatz. Dafür habe ich den Arbeitstitel „Portfolio“ gewählt. Portfolios sind eine strukturierte und systematische Methode, um Prozesse zu planen, zu reflektieren und zu dokumentieren. Gleichzeitig wachsen sie immer weiter und sind nie abgeschlossen.  „Wie Künstlerinnen und Künstler in Zukunft glücklich und effektiv arbeiten können. Mein Portfolio-Konzept.“ weiterlesen

Über das Interessante

In den vergangenen Wochen habe ich oft Notizen gemacht und viel gezeichnet. Hier möchte ich einige dieser Zeichnungen zeigen und aus meiner Sammlung an losen Gedanken herausschreiben, was interessante Dinge, Situationen und Menschen charakterisiert.
Generell würde ich gerne behaupten, dass alles interessant sein kann. Interesse ist vor allem eine innere Haltung und liegt nicht allein in den äußeren Dingen, sondern vielmehr auch in unserer Fähigkeit durch Empathie, Begeisterung und Phantasie mit der äußeren Welt umzugehen und dadurch unsere eigene Welt zu erfüllen und zu bereichern. 

Aber ganz von Anfang an: Was ist interessant?

Interessant ist zum Beispiel etwas Besonderes: Außerordentlich groß, ungeheuer wertvoll, selten, kostbar, extrem… Gerade wenn wir es noch nicht so richtig begreifen und kein festes Bild haben, wird unsere Phantasie angeregt. 

Interessant kann aber auch sein, wenn man eine Sache besser versteht, die einen viel beschäftigt hat. Etwas, wo man starke Gefühle und auch Widerstände erlebt hat. Dann sind neue Aspekte dazu interessant: Lösungen, Instrumente, Tricks, Wege die mich weiterführen und mir helfen, mein eigenes Projekt daraus zu machen. Interessante Themen schaffen Sinn, bewegen mich und ich kann sie in meinem Leben anwenden. Aber auch unnützes Wissen kann interessant sein und unterhalten. 

Das Wie ist entscheidend. 

Interessant ist vor allem die Eigenschaft von etwas. Interessant ist, wie es aussieht, wie es reagiert oder wie es gemacht wird. Was es ganz konkret ist, ist indessen schnell langweilig. Das Wie kann unser Interesse wecken und spannend sein. Sowie uns etwas interessiert, sind wir auch schon dazwischen und nehmen teil. Wenn wir uns angesprochen fühlen und involviert sind, nehmen wir all die Facetten wahr, die unser Leben insgesamt reicher und lebhafter machen.  „Über das Interessante“ weiterlesen

Poetische Fotos aus Berlin

Fotos einer Stadt schaffen über die Zeit einen persönlichen Raum der Erinnerungen. Hier möchte ich meine Berlin-Fotos zusammenfassen. Nachdem ich früher zwei Jahre dort gelebt habe, bin ich inzwischen nur noch selten in Berlin. Aber bei jedem neuen Besuch mache ich natürlich neue Fotos. An sonnigen Sommerabenden ebenso wie an verregneten Novembermorgen…

Küchentisch meiner alten Wohnung in Berlin

In diesem Portfolio sollen nur wenige, aber dafür besondere, interessante Bilder aus Berlin zu sehen sein. Und nach jedem Besuch kann die Sammlung um ein paar neue Fotos wachsen. 

Wie Berlin ist, kommt darauf an wen man fragt. Berlin ist Party, Geschichte, Politik, viel zu groß, unfreundlich, gentrifiziert, Hauptstadt, das grüne Umland, international, kreativ, Techno, arm aber sexy, häßlich und grau…  

Falls man der Stadt eine eigene Poesie zusprechen möchte, wäre es jedenfalls eher kein gemütlicher, heimelig-romantischer Zauber. Berlin ist nicht das Venedig des Nordens oder das Paris des Ostens. Aber etwas Eigenes ist Berlin auf jeden Fall.  

Schnappschüsse mit der legendären LOMO LC-A:

Ein Kriterium für meine Auswahl war „poetisch“. Ich wollte „dichterische“ oder „lyrische“ Bilder aussuchen und meinte damit den Wunsch, in irgendeiner Form beseelte Fotos zu finden. Deshalb sind es auch nur analoge Fotos. Im Gegensatz zu digitalen Fotos wirken analoge Fotografien einheitlich, rund und mehr aus einem Guss. Wie eine Glocke ohne Sprung. Die Dinge scheinen in der physischen Bildebene aufzugehen und wirken eben nicht ausgeschnitten oder isoliert, wie es oft bei digitalen Fotos der Fall ist. Die Emulsionsschicht ist wie eine Luftschicht, ein freier Raum, von Licht durchflutet. Im Bereich der Emulsion ist die Atmosphäre zum leben und atmen für das Bild. Es wird nichts berechnet, reduziert oder korrigiert. Die bildgebenden Prozesse sind chemischer Zauber, alchemistische Verwandlung… Echte, analoge Fotos sind physische, beinahe haptische Bilder. 

Schwarzweiße Fotos von Wänden und Spiegelungen: 

Drei inhaltliche Kriterien für ein poetisches Foto sind beispielsweise:

  • Wie ist es fotografiert? Der spielerische Umgang mit dem Was. Zufall, Glück oder Kunstgriff. Jedes Foto ist eine Abstraktion. 
  • Muss das Foto authentisch sein? Die Wirklichkeit liegt auch oft in falschen Farben, verwackelt oder unscharf vor uns. 
  • Gewöhnlich oder alltäglich? Alles was meinen Blick festhält, ist wert genug fotografiert zu werden. 

„Poetische Fotos aus Berlin“ weiterlesen

Kunst der Nachhaltigkeit – Ausstellung in der Galerie der Global 3000 Group in Berlin

Herzliche Einladung zu unserer Ausstellung:
„Kunst der Nachhaltigkeit“

Von mir gibt es einen mit Kaffee entwickelten Handabzug vom Rhein zu sehen.
Im Sommer 2020 bin ich mit Fahrrad und Zelt immer weiter den Rhein hinauf gefahren. Dabei ist dieses Foto entstanden.
Weil ich zu wenig Entwickler (Caffenol) genommen habe, ist der Film (ORWO P400) ungleichmäßig entwickelt. In diesem Fall ein „Happy Little Accident“ – so tritt nämlich der Himmel plötzlich schön dramatisch hervor und ich habe ein analoges High Dynamic Range Foto (HDR-Bild, Bild mit hohem Dynamikumfang) geschaffen.  

Rheinarm, mit Caffenol entwickeltes, analoges HDR Foto

Mit Kaffee Filme zu entwickeln und von diesen Filmen ebenfalls mit Kaffee in der Dunkelkammer große Abzüge zu entwickeln, erscheint mir fast wie Zauberei. Komplett analog und weitgehend mit Verzicht auf komplizierte Chemikalien. 

Der Versuch sich zu reduzieren und alternative Wege zu suchen ist gerade in der Fotografie immer auch experimentell. Man lernt sehr viel über Materialien und Technik und bekommt durch die (nur scheinbare) Einschränkung ganz neue Möglichkeiten und überraschende Ergebnisse. 

Die Ausstellung mit Foto, Malerei, Zeichnung, Collage, Installationen, Objekte und Videos von 41 Künstlerinnen und Künstlern ist vom 4. September bis 2. Oktober 2020 in der Galerie für nachhaltige Kunst „Group Global 3000“, Leuschnerdamm 19 in 10999 Berlin Kreuzberg.

Link zur Ausstellung:
https://gg3.eu/de/kunst-der-nachhaltigkeit/

PROGRAMM: 

Vernissage 4.September 2020, 19:00 Uhr 

  • „Die Arbeit von GG3“: Tom Albrecht
  • Eröffnungsrede zur Ausstellung: Jule Böttner, M.A.
  • Whathappensnext Ensemble Berlin: Stimmen, Viola, Saxophon, Akkordeon 

Hier ein paar Farbfotos von unserer Vernissage:

Künstlergespräch 11. September 19:00 Uhr

Online-life-Vortrag 22. September 19:00 Uhr
„Nutzen, was da ist. Ein komplexer Ansatz für zukunftsfähiges Wirtschaften“, Dr. Corinna Vosse. Link zum dialogischen jitsy-meet ab 18:45 auf der Website

Finissage 2. Oktober 19:00 Uhr

Street Photography in Paris

Um eine fremde Stadt kennenzulernen, gehe ich am liebsten spazieren. Auf den Straßen, in der Metro, auf Plätzen und in Parks sieht man die Menschen, erlebt die einzigartige Architektur und findet all die Besonderheiten, die schließlich das eigene, selbst gewonnene Bild der Stadt ausmachen.

Millionen Touristen fotografieren jedes Jahr Paris. Es ist eigentlich nicht nötig, noch mehr Fotos von der Stadt zu machen. Es gibt fantastische Bildbände, Kalender, Poster und Postkarten. Aber so wie etliche Fotografen vor mir bin auch ich gerne in Paris. So wie die meisten anderen Besucher mit ein paar Tagen Zeit, mit Hotelzimmer und gutmütiger Urlaubskasse, habe auch ich einen touristischen, privilegierten Blick. Aber ich glaube durch diese Distanz und Muße, weil ich nicht so richtig dazugehöre, erlebe ich auch den besonderen Charme von Paris auf meine eigene Art.
Es ist eine prickelnde Leichtigkeit, Weltoffenheit und so ein unternehmungslustiger Optimismus, den die Stadt ausstrahlt. Die Luft scheint duftiger, die jungen Frauen anmutiger, die Bäckereien feiner und die Straßen lebendiger als anderswo. Ein bisschen davon möchte ich versuchen, in diesem Beitrag wiederzugeben.

Dieses Portfolio soll in mehreren kleinen Galerien eine Auswahl mit besonders geglückten analogen Fotos aus Paris zeigen. Sozusagen meine besten Bilder aus mehreren Aufenthalten. Sommer, Herbst, Frühling … Alles auf Film fotografiert und überwiegend mit meiner Lieblingskamera, der Zorki 4K. Aber auch die legendäre LOMO LC-A und die feine kleine Rollei 35 haben ihre eigenen Galerien beigetragen. Die Schwarz-Weiß-Filme  sind dabei teilweise sehr experimentell selbstentwickelt: mit Kaffee stundenlang gepusht oder auch mehrfach entwickelt und gebleicht. So finden sich hier für Freunde der analogen Fotografie manchmal auch Hinweise auf den Film und was ich damit gemacht habe.

Ich empfehle, einfach über die Galerien zu fliegen und nur einzelne Bilder in groß anzuschauen. Paris ist eine riesige Stadt und ein unerschöpflicher Quell an Eindrücken, Situationen, Düften, Geräuschen und Straßenszenen. So wie man sich manchmal in der Stadt überfordert fühlt, ist es auch hier viel zu viel, was man sich ansehen könnte. Es sind über 100 Fotos: Louvre, Montmartre, Eiffelturm, Straßen, Parks, Menschen, Frühling, Sommer, Herbst … Es reicht in Ruhe durch den Beitrag zu scrollen, vielleicht bleibt manchmal der Blick hängen. Am Ende wird man einen eigenen und vielleicht auch neuen Eindruck von Paris bekommen haben.

Auftakt erstes Foto, neuer Film. Ankunft in Paris. Brücke über die Gleise am Gare de l’Est

In einer großen und alten Stadt wie Paris kreuzen sich viele Wege. Besonders im kulturellen Bereich ist Paris ein führendes Zentrum und neben New York und London eine der wichtigsten „Global Citys“ der Welt. Solche Orte, wo viele Ströme zusammenfließen, sind spannend und pulsieren vor Leben und Energie.

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt, dann öffnet er das Fenster und betrachtet die Boulevards von Paris.“ – Heinrich Heine

Ein neuer Tag, sonniger Morgen in Paris. Bei einem Spaziergang entlang der Seine bekommt man einen schönen ersten Eindruck von der Stadt.

Es macht Spaß mit Lieblingskamera und frisch eingelegtem Film durch die Straßen zu schlendern oder im Cafe zu sitzen und von einem kleinen Bistrotisch aus die Menschen zu beobachten.

Street Photography mit der Zorki 4K. 

Paris ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Die Pariserinnen sind elegant, lässig, mit wuscheligen Haaren, schicken Outfits, und obwohl sie alle so cool aussehen, duften sie auch noch zauberhaft und wirken sehr feminin und zart. Es ist unmöglich, an den Bäckereien vorbei zu laufen, und wenn man eintritt, kommt man ganz bestimmt mit mehr Eclairs, Törtchen, Croissants und Baguettes heraus, als man ursprünglich wollte. Alles ist so schön und lecker … Die Straßen sind wie eine Bühne und Jung und Alt flanieren die Boulevards entlang und entspannen in den Parks. Es gibt viele Cafés und unkomplizierte Restaurants. Manche dieser Pariser Qualitäten klingen wie ein Klischee, aber vor allem im direkten Vergleich mit anderen Großstädten ist Paris doch trotz seiner Größe eine eher entspannte und angenehme Stadt und gut zu Fuß zu entdecken. „Street Photography in Paris“ weiterlesen