Rot, Gelb und Blau als Elemente der Phänomenologie

Working in particular with the primary colours Red, Yellow and Blue is a conscious reduction and concentration of my pictorial vocabulary. This post offers a different look at the colours and gives you some background information.

Primary colours establish a wide field and open space: they create a reference framework within we can develop and categorize things, situations and even personal wishes, plans and dreams.
Colours should be seen and used additionally, with a second level of meaning. They are a projection area for a conceptual and analytical view and debate about basic characteristics and principles of life. Through the process of viewing, the colour becomes representative for basic tendencies and can be filled with own terms and personal attitudes.
Finally, there are lots of stunning flower photographs to provide compensation for the grey wasteland of text… I hope you enjoy your visit!

Hier kommt eine kleine Abhandlung über die Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Die Idee habe ich schon etwas länger; sie war eigentlich sogar in dem Sinne gemeint, dass ein Bild nur dann vollkommen sein kann, wenn es die wesentlichen Qualitäten von allen drei Grundfarben in sich vereint. An dieser Stelle möchte ich aber, weniger provokativ, zunächst nur einen Ansatz schildern: Eine Methode, wie man aus den Qualitäten der Farben eines Objektes heraus Rückschlüsse auf Bedürfnisse und Ziele ziehen kann und damit ein Instrument erhält, um seine Umwelt ganz neu zu entdecken. 

Am Anfang steht die Idee, Farbe etwas weiter gefasst zu sehen. Dabei erschließt sich der Gehalt einer Farbe besonders gut, wenn man sie mit andern Farben vergleichen kann. Es gilt also zunächst, die Dynamik der Relation zu den anderen Farben auszuloten und assoziativ den symbolischen Gehalt einer Farbe einzugrenzen. 
Dabei unterscheiden wir vorab die ganz grobe Tendenz einer Farbe. Räumlich gesehen bewegen wir uns dafür von der Tiefe nach Vorne – von Blau (tief) über Gelb (zwischen) hin zum Rot (nach vorne drängend). 

Die tiefe Weite des Himmels ist Blau – mit schwarz-weißen Störchen ein schönes Sommerbild

Denkt man sich dann Blau als Symbol für Himmel oder Atmosphäre… Nun wird vielleicht jeder ein anderes, persönlich gefärbtes Blau vor Augen haben. Im Vergleich zu Rot und Gelb fällt es allerdings leicht, eher dem Blau das Tiefe zuzuschreiben. Pauschal, verallgemeinernd finden wir sogar bei allem mit einer gewissen Tiefe das Blau: Der Horizont verschwindet im Blau, der Himmel ist Blau (je höher man fliegt, wird das Blau zum Weltall hin immer tiefer und dunkler) und Seen werden an ihren tiefen Stellen noch blauer. 

Weiter übertragen kann man Blau auch als typisch für „Wissen“ sehen. Spontan beobachten kann man entsprechend, dass Seriosität, Wissenschaft und Erfahrung oft mit Blau präsentiert werden. Auch die Logos von Versicherungen sind oft Blau, dass kann helfen, einem auf Vertrauen und Sicherheit ausgelegten Unternehmen die notwendige beruhigende und verlässliche Ebene beizufügen. Wer „den Blues hat“, ist vielleicht nicht so aktiv und eher melancholisch gestimmt – taucht mit seinen Gedanken in die Tiefe…
Wir können also feststellen, dass Blau im Vergleich zu den anderen beiden Grundfarben eher Assoziationen in die Tiefe weckt. Eine feinere Ausdifferenzierung sollte allerdings jeder für sich selber machen; es macht außerdem wirklich Spaß, den Dingen, Menschen, Tagen etc. um sich herum bestimmte farbige Qualitäten zuzuschreiben. 

Mit der Beobachtung, dass Blut auf dem Rückweg durch die Venen im Kreislauf blauer ist, kommen wir nun zu den anderen Farben. 
Bei ähnlich verallgemeinernden Betrachtungen zu den Grundfarben Rot und Gelb, finden sich nämlich auch weitere universale Basiseigenschaften, welche für die jeweilige Farbe stehen. Für Gelb kann man das Licht, Morgenlicht, die aufgehende Sonne, die Entwicklung im Verlauf, die Sonne und die Eigenschaft des >zwischen etwas zu sein< sehen. Dem Rot dürfte entsprechend eher das Feuer, der Sauerstoff und die Kraft / Power zugesprochen werden. Entsprechend tritt es im Vergleich auch nach Vorne – allein deswegen, weil uns das Kräftige, Schnelle, Stechende, Aggressive, Direkte natürlich viel unmittelbarer angeht und auch besser zu greifen ist. Ebenso passt die Säure in den Bereich Rot, während sich das Basische im Blauen bewegt (entsprechend der Farbskala beim Lackmuspapier). Man denke sich nur die fast schon beliebige Wirkung eines blauen STOP-Schildes. Und mit dem Hinweis ACHTUNG verbindet man auch besser Rot, als Gelb oder Blau. 

Eine kleine Auswahl mit Fotos von Regenbögen und Lichtbrechungen im Prisma:

Als Symbol stehen alle Farben gleichwertig nebeneinander für die Freude und den Ausdruck von Leben und sind bei jeder ganzheitlich gedachten Form von Existenz notwendig. Man darf also vermuten, dass die Farben, als ein wesentlicher Teil des Daseins, jede Entwicklung begleiten. Durch ihre Dominanz oder eben gerade durch ihr offensichtliches Fehlen, welches natürlich auch entsprechende, komplementäre Eindrücke hervorruft… Jede Entwicklung äußert sich folglich in bestimmten Farben oder Farbkombinationen.  

Mohnblume in grüner Wiese

Am Beispiel der Mohnblume ist, wie bei vielen anderen Pflanzen auch, zu sehen, dass sie am Anfang aus einer Mischfarbe von Rot, Gelb und Blau, aus der braunen Erde entsteht. Reines Schwarz, wie die entsprechend ausgewogene Einheit von RGB ergeben könnte, ist strenggenommen nur denkbar.
Die additive Farbmischung, eine Einheit von RGB auf Basis von Lichtfarben, ergibt Weiß. Das Weiß entsteht aber nur in unserem Auge. Strenggenommen durch eine „Reizüberflutung“ – durch unsere  Wahrnehmung des Spektrums aller drei Grundfarben gleichzeitig. Mit einem Prisma kann man es wieder aufbrechen und die einzelnen Farben getrennt wahrnehmen.
Die subtraktive Farbmischung wird dagegen Schwarz, indem man Cyan, Magenta und Gelb zusammenkippt. Aber wie tüchtig man nun auch mischt: Das Schwarz wird nie richtig tiefschwarz. Es kann sich diesem Ideal immer nur annähern, denn durch seine Geworfenheit in eine Umwelt kann es nie ganz ausgewogen sein. Weil Schwarz also nur theoretisch Schwarz wird, braucht man in der Druckpraxis auch ein extra Schwarz: Das „Key“ – so spricht man vom CMYK-Farbmodell. Die schwarze Schlüsselplatte (Key plate)  spart nebenbei auch Farben, weil sehr viele Teile eines Drucks ja gar nicht bunt sein müssen. Für einen noch „schwärzeren“ Eindruck gibt man beim Druck übrigens manchmal sogar zusätzlich etwas Cyan (Blau) zum Schwarz, um dieses „tiefer“ zu machen.
Im Prinzip würde Schwarz aber immer dunkler bzw. noch schwärzer sein können und ist dadurch eigentlich nie richtig Schwarz, sondern Braun.
Sehen wir Schwarz oder Weiß, haben wir also in Wirklichkeit eine sehr irdische Erscheinung vor uns – vereinen diese Extreme doch alle drei Grundfarben in sich: Weiß durch additive Farbmischung, Schwarz durch subtraktive Farbmischung.
Ich finde Schwarz und Weiß auch eine schöne Metapher für das Leben: Als äußerste Form der Farben, die gerade so, aus einem rein geistigen Zustand in die Verhältnismäßigkeiten, das Kräftespiel und die Abhängigkeiten des Lebens getreten sind.

Schwarz bzw. Braun als Farbe der Erde, hat dabei oft schon einen Stich, ein Übergewicht zum Gelb (z.B. Ocker). Nach den obigen Überlegungen über das Wesen vom Gelb, würde Erde durch diese farbliche Tendenz in sich überwiegend „gelbe“ Eigenschaften tragen; diese beinhalten (mehr als Blau, welches eher der Ursprung, oder Rot, welches eher das Ziel wäre) den Impuls zur Entwicklung. Erde ist somit farblich ein sehr schöner Ausgangspunkt. 
Die Mohnblume wächst nun aus der Erde heran und bildet eine schöne, rote Blüte (als Produkt der Entwicklung einer Mohnblume sehen wir, heute nur auf Farben fixiert, besonders die rote Blüte. Die Kapsel würde unter einem anderen Blickwinkel sicherlich ein gleichwertiges Produkt neben der Blüte darstellen). Zum Grün der restlichen Pflanze bildet die rote Blüte den sehr starken Komplementärkontrast als äußerstes Ziel, welches mit farblichen Mitteln erreichbar ist. Der grelle Komplementärkontrast zeigt dabei in seinem Extrem den Gipfel der Entwicklung unserer Mohnblume an. Jetzt könnte man sich fragen, warum der Pflanzenstiel ausgerechnet grün ist. Pflanzen sind sehr häufig am Anfang ihrer Entwicklung Grün, was zunächst auf einen Rot-Mangel rückschließen lassen könnte. Ein Mangel an Kraft ist aber doch ganz offensichtlich nicht wirklich feststellbar – kann man immerhin beobachten, wie selbst kleine grüne Pflänzchen sogar ganz robuste, schwarze Teerstraßen sprengen. Eine eigentlich ja eher „rote“ Begabung. Überlegt man es sich recht, merkt man aber: Rot ist die ganze Zeit mit dabei! Während der Entwicklung, im Wachstum als Komplementärfarbe, im Ergebnis als leuchtende Farbe der Blüte und bei der verwelkenden Blume als wesentlicher Teil des Brauns. 

An dieser Stelle hilft es vielleicht, sich kurz über das Wesen der Komplementärkontraste klar zu werden: Jede Farbe ruft aus sich heraus eine ganz bestimmte Gegenfarbe hervor.

Beim Sonnenuntergang scheinen alle drei Grundfarben miteinander zu kämpfen

Schauen wir z.B. lange auf eine helle rote Fläche und dann auf eine weiße Wand, sehen wir an der Wand das Nachbild der hellen roten Fläche in Grün (vgl. Nachbild, Entoptischer Eindruck, Nachwirkung des Netzhautbildes). Ein ganz wichtiger Wunsch jeder Farbe ist es, ihre Komplementärfarbe hervorzubringen – nur so kann sie ihre maximale Wirkung sicher entfalten. Wie ein Magnet, sucht eine Farbe also ihr Komplementär, ihre Erfüllung und ideale Ergänzung. Anders herum betrachtet, kann man aus einem Ding gleichzeitig auf den größten Wunsch, auf die Feder, die es antreibt, auf seine Motivation rückschließen.

In diesem Sinne ist die große Motivation des Grüns sein komplementäres Rot zu finden, weil es nur gemeinsam mit diesem richtig vollendet strahlen kann. Wir sehen also, das in Kontrasten eine geradezu magnetische Kraft steckt, die einzig und allein die verbindende Erfüllung sucht. Starke Kontraste schaffen entsprechend eine hohe Spannung, wie ein Gewitter – bevor es blitzt. 
Außer bei Farben, gibt es natürlich auch in anderen Bereichen Kontraste: Wer zu lange nur einseitige Szenen betrachtet (z.B. Wölfe, Löwen und Schafe friedlich zusammen auf einer Blumenwiese unter Regenbögen oder übertrieben bearbeitete Supermodels), wird in sich mit der Zeit Bilder von Gemetzel, Mord, Totschlag, Krankheit und Entstellungen aufsteigen sehen. Wer sich nur mit Blumen, Duft und zarten Klängen umgibt, wird mit der Zeit sicher krank oder traurig werden, wenn er nicht anders einen Ausgleich findet. 
Der Komplementärkontrast fungiert bei unserer Farbbetrachtung also als Ziel: Die grüne Pflanze strebt ihrem Ziel (der Blüte) entgegen. Während des Wachstums, wenn sehr viel Kraft auf ein Ziel hinstrebt, finden wir folglich die Komplementärfarbe Rot. Im Verwelkungsprozess, nachdem das Ziel erreicht wurde, geht die Pflanze immer mehr in die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Umwelt über. Eine Komplementärfarbe zur Tertiärfarbe Braun kann man sich dabei ausrechnen, indem man den Farbstich des Brauns als Aufhänger nimmt. Wahrscheinlich tendiert die Verwelkungsfarbe ins Orange – demnach wäre das Komplementär während der Verwelkung etwas im Blauen, tiefen Farbbereich (Rotorange-Blaugrün / Gelborange-Blauviolett). 

Wenn sie verblühen, werden die Blumen wieder bräunlich

Das Beispiel der Mohnblume zeigt also, wie sich aus der fast schwarzen Erde durch Blau (Wasser, Wissen, Ursprung, Tiefe etc.) und Gelb (Licht, Entwicklung, begleitend, verbindend, Zwischenzustand etc.) eine grüne Pflanze bildet. Aus dem Grün wächst schließkich eine Blüte (Rot), welche letztendlich im Zuge des Verwelkungsprozesses wieder annähernd in den Ausgangszustand (Braun / Schwarz) zurück bzw. weiter verwandelt wird.
Im zeitlichen Verlauf des Lebenszyklus hat dabei jede Farbe eine unterschiedlich starke Ausprägung, während des ganzen Prozesses sind aber immer irgendwie alle drei Grundfarben beteiligt: Entweder direkt oder komplementär, als Ziel, als Qualität der zu vollbringenden Leistung (Kraft des Wachstums) oder als begleitende Eigenheit der Umwelt, aus der alles entsteht und in die am Ende auch alles wieder aufgeht.


Schließlich kann man also festhalten, dass man die wesentlichen Eigenschaften, welche die Grundfarben Rot, Gelb und Blau ausmachen, in der Umwelt jederzeit an allen Objekten wiederfinden kann. Wir geben den Farben vielleicht auch genau deswegen ihre spezifische Charakteristik, weil wir sie eben mit diesen Eigenschaften in unserer Umwelt erleben.
Auf eine einzelne Pflanze übertragen können uns die Farben anzeigen, an welcher Stelle sie sich in ihrem Entwicklungsprozess bzw. Zyklus befindet. Der Unterschied zwischen lebenden und toten Erscheinungen ist dabei, dass die Toten ihre Farbgebung nicht mehr autonom beeinflussen können, also ganz in den äußeren Umständen aufgelöst sind. 

Nach diesen ganzen Worten hier nun eine kleine Auswahl mit Blüten, vor allem Rosen, welche ich fotografiert habe um die Beobachtungen bunt und in voller Pracht zu ergänzen: