Erfolgreich Malen III

Erfolgreich Malen III: Professionalität und Außenwirkung
Kann man von seiner Kunst leben? Wie in jedem Job, muss man dafür professionell arbeiten. Es gibt viele gute Gründe, den Schritt ins professionelle Künstlerleben zu wagen – wer es wirklich tut, wird aber auch wissen dass es eben nicht nur mit drei Schritten getan ist.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle, um meine Serie „Erfolgreich Malen“ abzuschließen, kurz aufzeigen, wie das Bild nach außen treten kann und wie es ein erfolgreiches Bild sein könnte.

In drei Schritten zum erfolgreichen Bild: 

1. Dokumentation
Alle Arbeiten muss man fotografieren. Die Fotos müssen in hoher Auflösung, hell und mit den richtigen Farben vorliegen. Unbedingt muss man sie auch sauber auf Kante zurecht schneiden. Wichtig ist neben dem Titel und Jahr auch die Angabe von Größe und die Technik. Wenn man seine Arbeiten im Internet verkauft, muss auch eine gute Verpackung und das Gewicht für den Versand berücksichtigt werden.

Kundendienst – Dienst am Kunden

Papierarbeiten müssen ordentlich gerahmt sein, Leinwände oder Bilder auf Holz brauchen eine stabile Hängevorrichtung. Ob man seine Arbeiten abschließend firnißt, ist Geschmacksache. Die Firnis schafft eine gewisse Homogenität und einen schönen Tiefenglanz der Farben.

Rückseitig sollte jeder seine Bilder signieren und mit dem Entstehungsjahr versehen. Benutzt man Titel, kann man die ebenfalls auf die Rückseite schreiben.

2. Öffentlichkeit
Wenn man „Avantgarde“ ist, wenn man wirklich „schräge“ Sachen macht und Grenzen überschreiten möchte, hat man es wahrscheinlich zunächst schwerer seine Arbeiten auf dem Kunstmarkt zu verkaufen. In diesem Fall kann man aber auf gute Rezensionen hoffen, Stipendien und Kunstpreise anvisieren und besonders die Kritiker und Kenner werden einen lieben. Weil man so ungewöhnlich ist, kann man versuchen in Museen, Kunstvereine oder gute Sammlungen zu kommen.

Besucher einer Ausstellung

Wenn man dagegen einfach nur gute Bilder malt, kann man direkt auf den Kunstmarkt zielen. Merke: Jeder mag schöne Bilder. Man kann zunächst ein niedriges Preissegment anpeilen und wenn man z.B. meine Ideen aus den Beiträgen Erfolgreich Malen I & II berücksichtigt, ist es auch relativ einfach schnell eine beachtliche Menge Bilder zu produzieren.

Ein eigener Stil ist wie eine Marke, die man aufbaut: So kann man erkannt werden und zeigen, dass man seinen eigenen Weg gefunden hat und es ernst meint. Erstaunlich ist allerdings, wie früh das teilweise schon geschieht, manchmal gleich im ersten Studienjahr… Gerhard Richter wäre übrigens ein Beispiel für einen Künstler, der sich immer wieder neu gefunden hat und nicht bei nur einem „Stil“ geblieben ist. Dennoch ist eine gewisse Kontinuität wichtig, um Sammler und Galeristen nicht zu verschrecken. Nebenbei, im stillen Kämmerlein kann man ja weiter experimentieren und forschen – gerade wenn man wirklich versucht mit seiner Kunst neue Wege zu gehen, muss man das auch.

Über Plattformen wie z.B. Saatchi Art kann man seine Bilder im Internet verkaufen. Daneben kann man sie über Soziale Medien verbreiten: Facebook und Instagram eignen sich beispielsweise.

Schließlich kann man sich auf  Ausstellungen bewerben und versuchen an kleinen regionalen Kunstmessen teilzunehmen. Fachzeitschriften wie z.B. „Atelier – Die Zeitschrift für Künstlerinnen und Künstler“ können helfen aktuelle Ausschreibungen und Kunstpreise zu finden, die zur eigenen Arbeit passen.

In eine Galerie kommen die meisten Künstler über Umwege, durch befreundete andere Künstler oder gute Verbindungen – eine klassische Bewerbung mit Mappe ist da in den meisten Fällen eher nicht erfolgsversprechend. Findet man die Werke in einer Galerie toll und denkt man, die eigenen Arbeiten würden gut dazu passen, kann man aber auf die Vernissagen gehen, die Galerie-Assistenten während einer Kunstmesse ansprechen und vor allem sollte man nicht verzweifeln. Galeristen sehen sich nicht nur als Händler, es ist immer auch eine gewisse Freundschaft und eine persönliche Überzeugung, die sie mit den Künstlern verbindet. Das muss wachsen und geht eben nicht so schnell.

3. Glück und Gunst
Die Bedeutung von Kunst misst sich vor allem an ihrer zeitgeschichtlichen Relevanz – das war übrigens schon früher so. Beispielsweise Lucas Cranach der Ältere hat bestimmt auch von seiner Freundschaft mit Martin Luther profitiert und wurde dadurch zu einem der wichtigsten Maler der deutschen Reformation… Hier könnte man wirklich weit ausholen! Tatsache ist aber, dass technische Brillanz alleine irgendwann nicht mehr reicht. Zeichnen kann man lernen, einen eigenen Stil kann man entwickeln aber wichtig wird man nur durch seine Außenwirkung. Beschäftigt man sich mit Künstlerbiografien, findet man oft diese enorme Strahlkraft, welche die Gesellschaft mit geprägt hat: Jean-Michel Basquiat & Andy Warhol mit Pop Art, die Künstlergruppe „Die Brücke“ mit dem Expressionismus oder Kandinsky und „Der Blaue Reiter“ auf dem Weg in die Abstraktion… Wichtige künstlerische Positionen werden besprochen, zitiert und von Fachleuten als Bedeutsam eingeschätzt – sie müssen also in einen gesellschaftlichen Dialog treten. Das geht nur über den Weg der Öffentlichkeit und mit Glück und guten Verbindungen.

Kunstmessen besuchen

Wenn man die Nähe von Menschen sucht, die man bewundert, kann man seinem Glück vielleicht ein bisschen auf die Sprünge helfen. So hilft z.B. eine Ateliergemeinschaft mit anderen Malern, die man gut findet. Man kann Vernissagen von Künstlern besuchen, die einem ein Vorbild sind und vor allem sollte man auch hochschauen können. Wer sich immer nur als verkanntes Genie fühlt, der wird auch eins – sieht man das Leben aber als einen Entwicklungsweg, schätzt und bewundert man die Leistungen von anderen Künstlern, dann kann man selber auch immer besser werden.

3 große LKW warten vor der Kunstakademie

Daneben gilt aber wie überall, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Wer nur einmal im Jahr seinen Freunden einen Kuchen bäckt, ist kein Bäcker und nur weil man mal Samstags den Rasen mäht, ist man noch kein professioneller Gärtner. Wenn man es ernst meint, spricht doch eigentlich nichts dagegen wie für jeden anderen Job auch wenigstens ein paar Stunden täglich zu malen.